Trauerflor auf der Churburg

Publiziert in 13 / 2005 - Erschienen am 7. Juli 2005
[F][/F]Eine schwarze Trauerfahne wehte kürzlich auf der Churburg in Schluderns. Die Fahne erinnerte an das Ableben der Mutter des Schlossherrn Johannes Jakob Graf Trapp, Marie Leopoldine Gräfin Trapp, geborene Gräfin Bossi-Fedrigotti. Die Sternkreuzordensdame und Ehren- und Devotionsdame des Souveränen Malteserritterordens ist am 21. Juni im 98. Lebensjahr gestorben. Am 27. Juni wurde in der Servitenkirche zu St. Karl in Volders in Tirol das feierliche Requiem zelebriert. Anschließend erfolgte die Beisetzung im Familiengrab. Beim Begräbnis waren auch eine starke Abordnung von Freunden und Bekannten der Familie Trapp aus Schluderns und der Verein der Vinschger aus Innsbruck vertreten. Diese waren mit Hellebarden ausgestattet. Nachruf von Johannes J. Graf Trapp: Marie Leopoldine (Mimi) Trapp geb. Gräfin Bossi-Fedrigotti wurde am 5. August 1907 als Tochter des Ferdinand und der Marie geb. Gräfin Waldstein-Wartenberg in Trebitsch in der Diözese Brünn geboren. Aufgewachsen mit einem älteren Bruder Friedrich war Gräfin Trapp in Rovereto im Trentino (Herkunft der väterlichen Familie), als auch in den Sommermonaten im geliebten Schloss Trebitsch in Böhmen, wo das Elterhaus der Mutter stand. Schon im Alter von 21 Jahren verehelichte sich die Verstorbene mit dem allseits anerkannten Kunsthistoriker und Landeskonservator Oswald Graf Trapp im Juli 1928 in der Schlosskapelle von Trebitsch. Über Innsbruck, wo ihr Ehemann nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Studien in Wien, im Elternhaus des Palais Trapp in der Maria Theresienstraße seinen festen Wohnsitz fand, erfolgte in der Zwischenkriegszeit die Übersiedlung nach Friedberg, dem mehr oder weniger bis zum heutigen Tage ihre besondere Liebe und Zuneigung galt. Der Zweite Weltkrieg ließ ihr eine ganze Reihe von böhmischen Verwandten auf der Flucht ein neues Zuhause zuteil werden und war Gräfin Trapp in meist selbstloser und uneigennütziger Weise für diese Flüchtlinge sowie für die örtliche Bevölkerung ein gewichtiger Ansprechpartner und eine gewissenhafte Fürsprecherin. Als strenggläubige Katholikin war es ihr ein Selbstverständnis, anderen entsprechende Hilfestellung anzubieten. So wurde Gräfin Trapp Ehrendame des Souveränen Malteserritterordens und später Ratsdame des Sternkreuzordens in Österreich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – im Jahre 1946 erblickte der Erstgeborene Johannes Jakob nach 18-jähriger Ehe das Licht der Welt, es folgten sodann Maria Julia und Gaudenz in zweijährigem Abstand – fanden im zweiten Stock unter der Aegide des amerikanischen „Public Wellfare“ ungarische Flüchtlinge im Vierwochen-Zyklus erholsamen Aufenthalt. Mimi Trapp liebte ihr Zuhause, ihren Rosen- und Gemüsegarten, hatte Zugang zu den örtlichen bäuerlichen Nachbarn, war bekannt durch ihre jeweils in abwechselnder Weise gehaltenen Foxterriers mit den Namen „Lumpi“ und „Jackie“, die über die Ortsgrenzen hinaus nicht immer eine rühmliche Nachrede hatten. In den Sommermonaten veranlasste Gräfin Trapp in der dortigen Schlosskapelle, die dem hl. Bartholomäus geweiht ist, jeweils einen wöchentlichen Frühgottesdienst, den sie gewissenhaft an den besagten Tagen einhielt und die Kapelle mit ihren selbst gezüchteten und gepflückten Blumen schmückte. Gewissenhaft achtete die Verewigte auf die Pflege des Schlosses, die nicht immer – im Besonderen während der Kriegsjahre – leicht war; die großen Dachflächen, die vielen Fenster, die großen und vielen Räume bedurften einer großen Anzahl von Hilfskräften, die zumeist aus der näheren Umgebung und Nachbarschaft rekrutiert wurden. Bis zum Ableben ihres Ehemannes im Jahre 1988 stand Gräfin Trapp im Schatten dieses Edelmannes und widmete sich dem Garten, den Pferden und den jeweils berühmt gewordenen Foxterriern. In den Jahren nach dem Tode des Grafen Oswald suchte die Verstorbene engeren Kontakt zu deren Enkelkindern und es entwickelte sich im Laufe der Jahre eine ganz besondere Beziehung zwischen diesen beiden Generationen. Erst ein durch einen entlaufenen Hund erfolgter Sturz mit einem offenen Schenkelhalsbruch brachte eine Änderung der Lebensgewohnheiten und -umstände der Gräfin. So musste sie ihr geliebtes Friedberg verlassen und fand im Sanatorium der Kreuzschwestern eine neue Heimat und eine aufopfernde Betreuung. Bei den dortigen Schwestern war Gräfin Mimi äußerst beliebt, klagte sie doch nie, fand alles gut und zeigte oftmals guten Humor in schwierigen Situationen. Bis zu ihrem nunmehrigem Tode standen ihr – da die geliebte Tochter Mariedi im Sommer 2003 mit dem Pferd tödlich stürzte – die beiden Söhne Johannes und Gaudenz fürsorglich zur Seite. Herr gib ihr die Ewige Ruhe.

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.