Tschirland

Publiziert in 14 / 2004 - Erschienen am 15. Juli 2004
Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [F] Mitten in den Apfelanlagen [/F] [K] Ortsnamensbedeutung: Erstmals urkundlich erwähnt 1143 als "Cirna", Mundart: "Tschierlt", amtl. ital. Name: "Cirlano". Vom Personennamen "Cernius". Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991 "Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997 Informationen: Andreas Meßmer [/K] [F] Historisches [/F] Die Kirche in Tschirland ist dem Heiligen Oswald geweiht und wird urkundlich das erste Mal im Jahre 1433 erwähnt. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche umgestaltet. 1749 entstanden die Wandmalereien sowie die Seitenaltarbilder von Simon Ybertrachter, die die Kirche seitdem schmücken, von Ybertrachter sind auch einige Skulpturen der Kirche, wie die Maria mit Florian, Florinus und Agathe sowie die heiligen Ärzte Kosmas und Damian. Die originelle Orgelempore stammt aus dem 18. Jahrhundert. [F] Dorfzahlen [/F] In Tschirland leben zur Zeit 414 Menschen [F] Dorfleben [/F] Tschirland liegt etwas oberhalb von Naturns inmitten unzähliger Apfelanlagen. Von Naturns aus ist Tschirland zu Fuß in etwa zwanzig Minuten bequem zu erreichen. Die beiden Dörfer sind nur durch ein paar Apfelanlagen voneinander getrennt, "einen Steinwurf", wie ein alter Tschirlander es nennt. So orientiert sich das Leben im kleinen Ort ebenfalls vorwiegend an den Naturnsern. Das Verhältnis zum Hauptort sei recht gut und da die Kinder bereits im Kindergartenalter und später dann in die Schule nach Naturns müssen, fühle man sich verbunden. Die Tschirlander kennen die Naturnser und umgekehrt. Trotzdem sind die Tschirlander keine Naturnser sondern "Tschierltr" und als ich die Frage stelle, ob Tschirland nicht so etwas wie ein Naturnser Vorort sei, erklärt man mir höflich, aber doch recht entschieden: "Tschirland ist ein eigenes Dorf, war das immer und wird’s auch bleiben!" Man hege halt ein gut nachbarschaftliches Verhältnis. Nicht nur zur Schule müssen die Tschirlander nach Naturns, sondern auch zum Einkaufen. Im Ort gibt es keine Nahversorgung, aber durch die Nähe mache das keinem was aus. Die Jungen nehmen das Auto, die ältere Generation benützt den Gästebus, der den Einheimischen ebenfalls zur Verfügung stehe. Früher gab es im Ort ein Geschäft. Im heutigen "Tschirlanderhof" befand sich einst das Gasthaus "Edelweiß", das neben dem Gastbetrieb gleichzeitig ein Geschäft führte. Hier beim Tschirlanderhof befindet sich ein kleiner Dorfplatz mit einem Brunnen, der Anfang der 80er Jahre neu gestaltete wurde. In früheren Zeiten stand hier ebenfalls bereits ein Brunnen, der dem Vieh als Tränke diente. Aus den umliegenden Bauernhöfen trieben die Bauern zwei Mal am Tag das durstige Vieh hierher. Im Winter musste dabei regelmäßig vor dem Tränken die Eisschicht zertrümmert werden. So waren die Tschirlander bis etwa in die 50er Jahre Selbstversorger, ein einziger Bauer im Ort betreibt noch Viehwirtschaft. Obwohl Tschirland kein recht großes Dorf ist, besaß es einst flächenmäßig ein großes Areal. Der Marchstein steht ganz in der Nähe von Plaus. Auch die zwei Almen, an denen heute Naturns die Rechte besitzt, waren einst Tschirlander Gebiet. Die Kirche des Ortes ist dem heiligen Oswald geweiht. Eigenen Pfarrer hatte das Dorf, soweit die Erinnerungen der Bevölkerung zurück reicht, keinen und so wird die Seelsorge von Naturns übernommen. Seit Dekan Georg Peer im Amte ist, finden regelmäßig Messfeiern statt. Am 05. August, dem Kirchtag, findet jährlich ein kleines Fest der freiwilligen Feuerwehr statt. Die Feuerwehr ist so ziemlich der einzige Verein des Ortes. Die Feuerwehr besteht seit über 100 Jahren und hat erst vor kurzem im neuen Mehrzweckgebäude neben der Kirche eine geräumige Halle erhalten. Auffallend an Tschirland ist die große Zahl wunderschön renovierter Bauernhäuser mit den so typischen erkerförmigen Backöfen. Aber neben den renovierten Bauernhöfen, deren Geschichte meist weit zurückreicht, finden sich zahlreiche Neubauten, die sich aber harmonisch in das Dorfbild einfügen. Insgesamt bietet das Dorf seinem Besucher einen sehr gepflegten, stimmigen Eindruck. An den meisten Balkonen sowie vor den Häusern finden sich im Sommer unzählige Blumen und blühende Sträucher. Die Menschen sind ebenfalls sehr freundlich und lassen sich gerne auf ein gemütliches Gespräch ein, besonders, wenn es um ihr Dorf geht. [F] Wanderung [/F] Von Tschirland aus gelangt man hoch zum Haselhof (Einheimische nach Weg fragen). Von hier aus führt ein schön hergerichteter Weg den Wald entlang, der absolut familientauglich ist. Über diesen Weg gelangt man nach kurzer Zeit auf den Gsindboden, von dem aus sich eine herrliche Aussicht ergibt. Der Boden ist ebenfalls hergerichtet, so dass er zum Verweilen einlädt. Ruhelose gelangen von hier aus weiter am Quarzhof vorbei, zum Schwarzplatzhof und über den Rittensteig bis nach Plaus. Entlang der gesamten Strecke stehen verteilt Tische und Bänke. Vorschau: 29.07.04 - Agums Sommerpause 26.08.04 - Martelltal
Vinschger Sonderausgabe

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