Verkehrschaos in Sta. Maria

Val Müstair kämpft gegen Transitverkehr

Publiziert in 37 / 2013 - Erschienen am 21. Oktober 2013
Grünes Licht für die Umfahrung von Müstair und von Sta. Maria Val Müstair - Der Souverän der Gemeinde Val Müstair hat im Sommer und Herbst wegweisende Entscheide getroffen, um die engen Ortsdurchfahrten von Müstair und von Sta. Maria vom riesigen Transitverkehr zu entlasten. Am 9. Juni ging es vorerst um Müstair. Auf Betreiben des Gemeindevorstandes legte der Kanton Graubünden ein Projekt vor, das den Ausbau der Via Prövis südlich des Dorfes zur Hauptverkehrsstraße vorsah. Diese Verbindung zweigt im oberen Dorfteil von der Hauptstraße ab und führt vorbei am Gemeindehaus bis zum Kloster. Sie ist sehr baufällig und nicht mehr in der Lage, den Verkehr, darunter besonders viele Sattelschlepper, die sie als Ausweichrute benützen, zu tragen. Gemäss Abmachung mit dem Kanton soll sie saniert und unterhalb des Klosters über einen weiten Bogen wieder in die bestehende Hauptstraße eingeführt werden. Am 20. Februar entschied die Gemeindeversammlung mit 105 zu 15 Stimmen zugunsten des Projekts. Klare Mehrheit für Umfahrung Anwohner der Via Prövis wehrten sich aber gegen das Projekt und reichten dagegen mit 64 Unterschriften das Referendum ein. Ihr Argument war, dass die neue Verkehrsführung „nicht zufriedenstellend“ sei und „keine Alternativen biete“. Am 9. Juni fand darum im Val Müstair eine Urnenabstimmung statt, die mit einem sehr klaren Resultat endete: 439 Stimmberechtigte sprachen sich für das Projekt aus, 199 dagegen. Somit kann das Vorhaben 2014 und 2015 ausgeführt werden. Anschließend wird der Transitverkehr über die neue Achse geführt und der Dorfkern von Müstair entlastet. Es wird mit Kosten von etwa 7 Millionen Franken gerechnet. Ebenfalls auf Betreiben des Gemeindevorstandes stellte das kantonale Tiefbauamt Graubünden am 2. Juli das Projekt für die Südumfahrung von Sta. Maria vor. Diese war bereits 1997 von der Gemeindeversammlung von Sta. Maria rechtsgültig beschlossen, vom Kanton aber aus finanziellen Gründen immer wieder verschoben worden. 2012 liess der Kanton von einem unabhängigen Büro prüfen, welches von den bestehenden Umfahrungsprojekten in Südbünden (neben Sta. Maria auch Susch und La Punt) am dringendsten sei. Überraschenderweise schwang Sta. Maria obenaus. Wer annahm, dass das Umfahrungsprojekt von der gesamten Dorfbevölkerung mit großer Freude begrüßt werde, sah sich getäuscht. Eine kleine, aber sehr lautstarke Minderheit, bestehend aus Gewerbetreibenden und einem Teil der Hotellerie, stellte sich quer. Sie gründeten die Interessengemeinschaft Pro Sta. Maria (IG) und versuchten mit Leserbriefen gegen das Projekt Stimmung zu machen. Das Besondere dabei war, dass die meisten Leserbriefe von Münstertaler Gästen unterzeichnet waren. Argumentiert wurde mit dem schädlichen Eingriff in die unberührte Natur, mit der Befürchtung, das Dorf sterbe aus und mit der Behauptung, der Verkehr durch die engen Gassen sei durchaus tragbar. Auch die Naturschutzorganisationen wurden alarmiert. Dieses Treiben dauerte bis etwa Mitte August, bis der Verfasser dieses Berichtes mit einem Leserbrief in den Medien zur Unterschriftensammlung zugunsten der Umfahrung aufrief und ein Komitee gründete. Unterschriften zugunsten der Umfahrung Innerhalb von zwei Wochen unterschrieben 662 Personen, Einheimische, Gäste und auch manche Südtiroler, die täglich auf dem Weg zur Arbeit das Dorf durchfahren müssen, die Petition. Diese wurde dem Gemeindepräsidenten Arno Lamprecht und dem zuständigen Baudepartement in Chur überreicht. In der Zwischenzeit kam es zur Gründung einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Einwohnern von Sta. Maria, die sich des Problems annehmen und Lösungsvorschläge unterbreiten sollten. Diese Gruppe kam mit dem Vorschlag, eine Initiative zur Aufhebung des Beschlusses der Gemeindeversammlung von 1997 zu starten und Ortsdurchfahrtsmöglichkeiten zu prüfen. Damit wäre man wieder am Punkt Null angelangt. Die Initiative wurde von 174 Stimmberechtigten unterzeichnet, darunter auch Befürworter der Umfahrung, die möglichst schnell einen klaren Entscheid des Münstertaler Souveräns wünschten. Am 4. Oktober kam zur entscheidenden Gemeindeversammlung, die einen klaren Entscheid brachte. Von den etwa 250 teilnehmenden Stimmberechtigten sprachen sich 195 für die Südumfahrung von Sta. Maria aus, lediglich 41 dagegen. Damit steht fest, dass das Val Müstair die Umfahrung will. Der Kanton kann jetzt mit den Planungsarbeiten weiterfahren kann. Das Projekt, bei dem mit Kosten von 15 bis 20 Millionen Franken gerechnet wird, soll 2014 öffentlich aufgelegt werden. Mit Einsprachen ist zu rechnen. Der Bau könnte, sofern keine unvorgesehenen Ereignisse eintreffen, 2017 beginnen. Erst nach dem Bau der Umfahrung von Sta. Maria kann mit der Wiederbelebung des Dorfkerns begonnen werden, der wegen des großen Verkehrsaufkommens praktisch ausgestorben ist. Jon Manatschal
Jon Manatschal

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