Bei der Eröffnung der Tagung im Biohotel „Panorama“; stehend (v.r.). Monticola-Vorstandsmitglied Hubert Holland, Bürgermeister Ulrich Veith und Leo Unterholzner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Südtirol (AVK).

Vogelparadies mit Schönheitsfehlern

Publiziert in 22 / 2015 - Erschienen am 10. Juni 2015
Monticola-Tagung in Mals. Wiesen- und Heckenbrüter im Rückzug. Folgewirkungen der Intensivierung der Landwirtschaft. Mals - In keinem anderen Gebiet in Südtirol ist die Vogelwelt derart artenreich und vielfältig wie im oberen Vinschgau. Es ist daher kein Zufall, dass die „Internationale Arbeitsgemeinschaft für Alpenornithologie“ für ihre 51. Tagung die Gemeinde Mals als Tagungsort ausgewählt hat. Seit 50 Jahren widmet sich die Arbeitsgemeinschaft der ornithologischen Erforschung der Alpen und setzt sich für den Schutz der Alpenvögel ein. Benannt ist die Arbeitsgemeinschaft nach dem seltenen Alpenvogel ­„Monticola saxatilis“, also dem Steinrötel. Monticola nennt sich auch die Jahreszeitschrift, in der regelmäßig Beiträge zur Vogelwelt der europäischen Gebirgsregionen erscheinen. Eine erste Monticola-Tagung in Mals hatte bereits 1973 stattgefunden. An der heurigen Tagung, die von Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Südtirol (AVK), mitorganisiert wurde, nahmen über 80 Vogelkundler bzw. Monticola-Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol teil. Bürgermeister Ulrich Veith freute sich bei der Eröffnung der Tagung 3. Juni im Biohotel „Panorama“, dass die Gemeinde Mals als Tagungsort auserkoren wurde. „Wir erleben spannende Zeiten und Entwicklungen, die nicht allen gefallen. Auch die Vielfalt der Vogelwelt ist aufgrund der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft in Gefahr. Es ist aber noch 5 vor 12 und wir haben engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für Natur, Landschaft um Umwelt einsetzen. Es macht Sinn, dafür zu kämpfen“, sagte Veith. Die jüngsten Gemeinderatswahlen in Südtirol hätten gezeigt, „dass Menschen, die grün denken, im Aufwind sind.“ Wie Hubert Holland im Namen des Monticola-Vorstandes sowie auch der AVK-Vorsitzende Leo Unterholzner unterstrichen, „soll mit dieser Tagung ein Zeichen für die Unterstützung der biologischen Landwirtschaft gesetzt werden.“ Unterholzner ist überzeugt, dass das der einzige richtige Weg der Zukunft ist. Vögel seien gute Bio-Indikatoren, um festzustellen, wie es um einen Lebensraum bestellt ist. Wie sich die Bewässerung auf der Malser Haide auf die Vogelwelt auswirkt, erläuterte Simon Birrer von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach beim Eröffnungsvortrag. Bewässerung hat Folgewirkungen Unmittelbare Auswirkungen infolge der Umstellung vom Waal-System auf die Beregnung gab es demnach keine. „Wohl aber gibt es Folgewirkungen“, bestätigt auch Unterholzner. Dazu gehört die Tatsache, dass die Beregnung zu einer Intensivierung der Grünlandwirtschaft geführt habe, „und das hat Hand in Hand mit der Düngung zur Folge, dass früher gemäht wird.“ Das wiederum hat vor allem auf Wiesenbrüter negative Auswirkungen, „denn sie schaffen es nicht mehr, den Nachwuchs auszubrüten. Nicht selten werden Nester beim Mähen zerstört.“ Bei Wiesenbrütern, wie der Feldlerche, dem Braunkehlchen, dem Neuntöter, der Wachtel oder dem Wachtelkönig, seien starke Rückgänge zu verzeichnen, ebenso bei Heckenbrütern. Eine weitere Gefahrenquelle sieht Unterholzner im Anbringen von Schutznetzen bzw. auch in der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln: „Greift man in den Bestand der Insekten ein, wirkt sich das auch auf Vögel aus.“ Pessimistisch gibt sich Unterholzner aber nicht, im Gegenteil: „Insgesamt gesehen ist der Vogelbestand im oberen Vinschgau nach wie vor einzigartig und ein einmaliges Qualitätszeichen dieser Gegend, „wo auf engstem Raum sowohl Auwälder und Feuchtgebiete zu finden sind, als auch Steppenlandschaften wie die Tartscher Leiten sowie Waldgesellschaften aller Höhenstufen und alpine Hochflächen bis hinauf in die Gletscherregionen.“ Über 100 Brutvogelarten gesichtet Bei insgesamt 16 geführten Exkursionen, zu denen die Tagungsteilnehmer vom 3. bis zum 6. Juni in 4 Gruppen ausschwärmten, wurden von ca. 140 Brutvogelarten, die in Südtirol vorkommen, weit über 100 gesichtet. Exkursionsziele waren u.a. St. Valentin a.d. H., Alsack und Ulten, die Schludernser Au, das Matschertal, Schlinig, verschiedene Almen, die Tartscher Leiten und Planeil. Der Steinrötel ist angeblich nur noch im Planeiltal zu beobachten. Um das hehre Vorhaben der Wiederansiedlung der in den Ostalpen ausgestorbenen Alpenkrähe zu fördern, wurde beim Abschlussabend ein Aquarellbild eines Steinrötels versteigert. Über die bereits gelungene Wiederansiedlung des Bartgeiers im Nationalpark Stilfserjoch hatte am Vorabend Nationalpark-Direktor Wolfgang Platter informiert. Detail am Rande: Die bei den Exkursionen erfassten Daten und Beobachtungen wurden laufend in eine Datenbank eingegeben (www.ornitho.it), die als Grundlage für den italienischen Brutvogelatlas 2015 dient. Sepp
Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.