„Vor vollendete Tatsachen gestellt“

Publiziert in 38 / 2014 - Erschienen am 29. Oktober 2014
Graun/Langtaufers - Die vom Verwaltungsrat der Raika Obervinschgau beschlossene Schließung der Filiale Graun/Langtaufers hat die Wellen unter den Mitgliedern gehörig hochgehen lassen, und das nicht nur bei der Mitgliederversammlung (siehe Seite 8). „Was uns und wohl alle Mitglieder am meisten stört, ist die Vorgehensweise. Es kann doch nicht sein, dass man die Mitglieder erst eine Woche nach der bereits beschlossenen Schließung informiert und sie somit vor vollendete Tatsachen stellt“, ärgerten sich am Freitag die Vizebürgermeisterin Karoline Gasser Waldner und die Fraktionsvorsteher von Graun und Langtaufers, Eduard Fritz und Toni Zanini, in einem Gespräch mit dem der Vinschger. Petra Plangger hatte als einzige von 7 Verwaltungsräten gegen die Schließung gestimmt, und zwar im Interesse der Genossenschaftsmitglieder, „die ich zu vertreten habe und die nun eine wichtige Dienstleistung verlieren.“ „Viele Mitglieder gingen auch deshalb nicht zur Versammlung, weil sie über Umwege erfahren hatten, dass die Schließung bereits beschlossen ist“, so die Vizebürgermeisterin. Wie sie stimmen auch die zwei Fraktionsvorsteher darin überein, dass es für alle besser gewesen wäre, noch vor dem Beschluss des Verwaltungsrates offen vor die Mitglieder zu treten und ihnen reinen Wein einzuschenken. Auch mit der Halbtagsöffnung seien die Mitglieder ohne Vorwarnung überrascht worden. Man habe durchaus Verständnis, dass sich die Bank um Einsparungen bemühen müsse, um die derzeit schwierige Lage zu überwinden. Man sehe auch ein, dass es ein bisschen ein Luxus sein mag, eine Filiale wie jene von Graun/Langtaufers zu halten, aber es dürfe nicht nur mit Zahlen argumentiert werden. Mit der Schließung der Zweigstelle würde ein wichtiger Stein aus einem Puzzle herausgerissen. Als Puzzle sei das Zentrum von Graun anzusehen, wo die Bevölkerung so ziemlich alles findet. Die Palette reicht von den Gemeindeämtern bis zum Arzt, von Sprechstundenangeboten von Verbänden und Vereinen bis hin zur Apotheke, zum Postamt und eben zur Bank. „Wenn diese plötzlich wegfällt, wird ein Loch aufgerissen“, so Zanini. Er sei vom Bankdirektor Markus Moriggl enttäuscht. ­Zanini wörtlich: „Ich hätte mir mehr Zusammenarbeit erwartet. Er wird die Verantwortung tragen müssen, falls die Bank Mitglieder verliert.“ Außerdem werde um Arbeitsplätze gebangt. „Das Zentrum von Graun ist ein bisschen wie das Herzstück des Dorfes“, argumentiert die Vizebürgermeisterin. Nicht zu vergessen sei, dass der Bevölkerung ein wichtiger Dienst abhanden komme. „Wenn man nur Zahlen bewertet und nicht die Menschen sieht, denen bestimmte Dienste zugute kommen, müsste man auch andere Infrastrukturen schließen, die es in unseren vier Fraktionen gibt“, so Gasser Waldner. Große Einsparungen seien von der Schließung nicht zu erwarten. Die derzeitigen Angestellten in der Filiale seien sehr entgegenkommend und kundenfreundlich. Die Stimmung in der Bevölkerung von Graun und Langtaufers sei derzeit alles eher als gut. Vom Verwaltungsrat der Raika wird gefordert, dass er den Beschluss zurückzieht, dass die Diskussion unter der Miteinbeziehung politischer Vertreter und weiterer Gremien, etwa des Raiffeisenverbandes, neu aufgerollt wird, und dass man dann geschlossen vor die Leute bzw. Mitglieder tritt, um später endgültig zu entscheiden. Sepp
Josef Laner
Josef Laner

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