Ertappt: Szene aus „Geächtet“ mit Larissa Aimée Breidbach, Ahmad Mesgarha, Christine Hoppe und Raiko Küster (v.l.) als Jory, Amir, Emily und Isaac

Was machte es mit mir?

Publiziert in 38 / 2019 - Erschienen am 5. November 2019

Schlanders - Gut, dass es den Klimawandel gibt. Der lenkt ab, zumindest scheint es so. Als ob Sorge mit Sorge zu lösen wär. Nach dem Schauspiel „Geächtet“ habe ich für mich den Inhalt auch auf die kleine Südtiroler Welt herab gebrochen. Zur Information für diejenigen, die nicht im Kulturhaus von Schlanders saßen: Das Staatsschauspiel Dresden hat auf Einladung des Südtiroler Kulturinstituts Ayad Akhtars Stück „Geächtet“ gegeben. Übrigens mit hervorragender Besetzung. Der 1970 geborene Autor ist US-Amerikaner und hat pakistanische Wurzeln, streng historisch genommen, indische. Sein preisgekröntes Schauspiel – der Hauptdarsteller Ahmad Mesgarha hat iranische Wurzeln - ist eine späte Folge des 11. Septembers 2001 und der dadurch entstandenen Diskussion über den Islam. Nun, was hat Südtirol mit Pakistan zu tun? Einiges, schließlich prägen Familien aus Pakistan zunehmend westlich gekleidet das Straßenbild in meinem Dorf. Aber was hat das alles mit „Geächtet“ und mit diesem „Landl“ zu tun? Irgendwie schon etwas Besonderes. Schließlich sind wir Südtiroler mit unserer Geschichte besonders, hört und liest am. Nach „Geächtet“ bin ich von Gedanken und Fragen geflutet worden. Wie sollen wir mit den „neuen Landsleuten“ umgehen? Schaffen wir es, wie schon einmal, mit Glück, weil man uns damals nicht vertrieben hat? Oder warten wir, bis sie sich angepasst haben? Geht es wie bisher ohne größere Reibungen, weil es der Mehrzahl gut gegangen ist und noch immer gut geht? Das im Kulturhaus war kein Theater, das war Finger auf kommende Wunden.

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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