Aus Salzburg angereist kam der Laaser Musikprofessor Herbert Grassl, der die Musik zum Filmporträt komponiert hat.

Werner Tscholl – der stille Experimentalist

Publiziert in 20 / 2005 - Erschienen am 20. Oktober 2005
Der Architekt Werner Tscholl aus Morter, Jahrgang 1955, gilt als einer der herausragendsten Architekten der jüngeren Generation in Südtirol. In einem Filmporträt, das Anfang Oktober im Sitzungssaal der Südtiroler Sparkasse in Bozen vom RAI-Sender Bozen uraufgeführt wurde, zeigen Helga von Aufschnaiter und Helmut Lechthaler einen Querschnitt seiner vorwiegend im Vinschgau entstandenen Bauten. Rudi Gamper, der verantwortliche Koordinator des Senders Bozen, konnte zur Filmpremiere neben Werner und Thea Tscholl die beiden Autoren Helga von Aufschnaiter und Helmut Lechthaler sowie zahlreiche Künstler und Architekten, Bauherrn und Handwerker begrüßen. Tscholls Projekte reichen vom privaten Bau, Einfamilienhäusern und Bürogebäuden zu öffentlichen Projekten wie die Erweiterung des Friedhofes von Latsch, des dortigen Altersheimes, der Schlandersburg oder der Fürstenburg in Burgeis. Aber nicht nur im Vinschgau hat Werner Tscholl seine Handschrift hinterlassen. Derzeit besucht er einmal wöchentlich die Baustelle von Sigmundskron, um gemeinsam mit Bauherrn Reinhold Messner Details zu klären. Inmitten der Weinberge von Bozen steht das Einfamilienhaus Mumelter, mit dem Tscholl die italienische Architekturkritik auf sich aufmerksam gemacht hat. Inzwischen wurden mehrere seiner Werke in den besten nationalen und internationalen Architekturzeitschriften publiziert – letzthin auch in Japan. Den Bauten des Architekten Werner Tscholl liegen rationalistische Wurzeln zu Grunde, welche aber besonders in der Wahl der Materialien wie Stein oder Holz, immer den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen. Tscholls Architektur ist geprägt von der Natur und Landschaft. Trotzdem könnte er sich auch vorstellen, an einem anderen Platz, in einer Großstadt beispielsweise zu arbeiten. So baut er gerade für Italiens größtes Verlagshaus Mondadori in der Nähe von Mailands Flughafen Linate ein Bürogebäude für 300 Angestellte. Der Bürokomplex entsteht neben dem Hauptgebäude von Mondadori, einem Bau des berühmten Architekten Oskar Niemeyer. Auch die Toskana hat es Werner Tscholl angetan. Sein Architekturstudium, eine „Blitzentscheidung“, die er bis heute nicht bereut hat, absolvierte er in Florenz. Heute baut er gemeinsam mit acht weiteren jungen italienischen Architekturbüros einen neuen, kleinen Stadtteil außerhalb von Florenz. Werner Tscholl geht neue und eigene Wege. Wegen der Vielfalt seiner Werke wird ihm große Aufmerksamkeit entgegen gebracht. Eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Arbeiten zeigt neben einer nüchternen und funktionellen auch eine künstlerische Dimension.
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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