Petra Theiner und Andy Wimmer beim Benefizabend in Naturns

„Wir dürfen nicht wegschauen“

Publiziert in 22 / 2005 - Erschienen am 16. November 2005
Rund 25 Millionen Menschen leben in Kalkutta in Indien. „40 Prozent davon haben kein Wasser im Haus, keinen Strom und keine Toiletten. Die Umstände, unter denen die Menschen dort ihren Alltag fristen, sind katastrophal und mit Worten kaum zu beschreiben“. So schilderte Petra Theiner aus Prad ihre Erfahrungen, die sie während eines fünfeinhalbmonatigen Hilfseinsatzes in Kalkutta gemacht hatte. Mit beeindruckenden Bildern zeigte sie im Bürger- und Rathaus in Naturns im Rahmen eines sehr gut besuchten Benefizabends zugunsten der Hilfsorganisation „Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt“ auf, in welcher Not und welchem Elend die Menschen in der „Hölle von Kalkutta“ leben müssen. Sie erzählte von Straßenkindern, Müllmenschen, Neugeborenen, die einfach am Straßenrand ausgesetzt werden, und von Lepra-Kranken, denen im Sterbehaus von Mutter Teresa ein bisschen menschliche Würde geschenkt wird. Beim ihrem Aufenthalt lernte Petra Theiner auch persönliche Schicksale kennen. Sie unternahm zum Beispiel alles, um einer jungen Mutter, die bei einem Zugunglück beide Beine verloren hatte, zu Prothesen zu verhelfen. „Dank der Spenden aus Südtirol hat Anita, die ein kleines Kind hat, wieder ihr Lächeln zurückgewonnen“, sagte Petra Theiner. Geholfen werden konnte auch dem jungen Mädchen Rosina, das bei einer Verbrennung schwerste Verstümmelungen erlitten hatte. Auch in Shillong in Nordindien nahm sich Petra Theiner mehrerer Schicksale an. So sollen etwa der kleine Roy, der ohne Arme geboren ist, und auch der kleine Borim noch innerhalb November Armprothesen bekommen. „Es handelt sich um mechanische Prothesen, die derzeit angefertigt werden und die über die Schulterbewegung gesteuert werden können“, sagte der aus Südtirol stammende Arzt Hubert Egger, der seit 20 Jahren in Wien arbeitet (Unternehmen Otto Bock). Die Prothesen für beide Kinder kosten rund 6.000 Euro. Die Anbringung übernimmt das Unternehmen Otto Bock kostenlos. Die Prothesen müssen - je nachdem wie die Kinder wachsen - alle zwei bis drei Jahre erneuert werden. „Was ich in Kalkutta und in Nordindien erlebt habe, hat sehr weh getan und ohne die Unterstützung von Andy hätte ich es nicht geschafft“, sagte Petra Theiner. Andy Winner aus München hat seinen Beruf im Bankgewerbe vor 15 Jahren an den Nagel gehängt und arbeitet seither für die Ärmsten der Armen in Kalkutta. Er war eigens zum Benefizabend nach Naturns gekommen. Die Spenden, die beim Abend eingingen, waren für eines seiner Projekte bestimmt, nämlich für eine Einrichtung, wo behinderte Menschen betreut werden. Wie schon Petra Theiner zitierte auch Andy Wimmer Mutter Teresa: „Was wir tun, ist nur ein Tropfen im Ozean, aber wenn dieser Tropfen fehlt, vermisst ihn der Ozean“. Andy Wimmer, Toni Pizzecco, der Präsident der „Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt, und Peter Harb Ursch, der Präsident des Vereins „Hilfe für Kinder der Dritten Welt“ in Bozen, würdigten den Einsatz von Petra Theiner. Diese stellte den rund 200 Personen, unter denen sich viele junge Leute befanden, auch die Hilfsprojekte des Vereins „Hilfe für Kinder der Dritten Welt“ aus Bozen vor. Petra Theiner hatte die Projekte zusammen mit Helmut Spiess aus Taufers im Münstertal in Indien besichtigt. Besonderer Wert wird bei diesen Projekten auf die schulische Ausbildung der Kinder gelegt. „Wir dürfen die Not und das Elend dieser Menschen nicht ignorieren, wir dürfen nicht wegschauen. Es gibt nicht eine Erste Welt, eine Zweite Welt und eine Dritte Welt, es gibt nur eine Welt. Wenn ich höre ‚das hilft ja eh nichts’, so lasse ich das nicht gelten, denn auch ein kleiner Tropfen hilft, ich habe es in den Augen der Menschen gesehen“, sagte Petra Theiner. An ihr selbst hat der Einsatz in Kalkutta tiefe Spuren hinterlassen. Der von ihr organisierte Abend in Naturns war nur einer von mehreren. Es ist ihr mittlerweile gelungen, nicht nur im Vinschgau, sondern landesweit eine Welle der Solidarität auszulösen. „Ich verbürge mich, dass jeder gespendete Cent dort ankommt, wo er ankommen soll“, sagte sie. Zusammen mit Peter Harb Ursch klärte sie auch über die Übernahme von Kinder-Patenschaften auf: „Mit 28 Cent pro Tag kann ein Kind in Indien ein Jahr lang zur Schule gehen“. „Nehmt das Lächeln und die Freude dieser besonderen Menschen mit nach Hause; das sind Werte, die in unserer Gesellschaft oft verloren gehen“, appellierte Petra immer wieder an die Besucher des Benefizabends. Dieses Lächeln möchte Petra allen weitergeben, die sie unterstützt haben und die mit ihr den Weg weitergehen. Wer Petra weiterhin unterstützen möchte, kann auf das Konto der „Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt“ (Kennwort: Projekte Petra Theiner, Maretschgasse 3, Spendenkonto 333, Volksbank in Bozen) spenden. Die Gemeinde Naturns hat den Saal für den Abend übrigens kostenlos bereit gestellt. Gertraud Gander aus Prad hatte Bilder zur Verfügung gestellt, die gegen Spenden abgegeben wurden. Die nächste Reise zu ihren Freunden nach Kalkutta hat Petra Theiner schon geplant. Sie wird zu Beginn des nächsten Jahres aufbrechen: „Was man braucht, ist ein Rucksack voll Liebe und voll Kraft“.
Josef Laner
Josef Laner

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