„Wir haben es satt“

Publiziert in 11 / 2014 - Erschienen am 26. März 2014
Neue Plattform „Bäuerliche Zukunft Mals“ gegründet. „Konventionelle Obstbauern sind keine Verbrecher!“ Mals - „Wir haben es satt. Konventionelle Obstbauern sind keine Verbrecher!“ Mit diesem Titel ist eine Pressemitteilung der neu gegründeten Plattform „Bäuerliche Zukunft Mals“ überschrieben. Der neuen Plattform gehören bisher rund 50 Mitglieder an. Entstanden ist sie unter der Federführung von Eduard Bernhart und Gerold Frank. Nachfolgend die vollinhaltliche Aussendung: „Seit Monaten schon betreibt eine kleine Gruppe von hauptsächlich Nicht-Bauern in der Gemeinde Mals eine Hetzkam­pagne gegen den konventionellen Obstbau. Mit einseitigen Argumenten wird sozialer Unfrieden gestiftet und bei der Bevölkerung wird Angst um ihre Gesundheit geschürt. Alleiniger Zweck ist der, eine fragwürdige Volksabstimmung gegen die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zu erzwingen. Es wird leichtfertig mit den Ängsten der Bevölkerung umgegangen, dies ist weder objektiv noch fair. Wir konventionelle Obst- und Gemüsebauern wollen nicht mehr länger als Prügelknaben herhalten müssen. Daher haben wir die Plattform Bäuerliche Zukunft Mals gegründet, um dem entgegenzutreten und die Angelegenheit ins rechte Licht zu rücken. Vorerst das Wichtigste: Der konventionelle Obstbau ist unsere Lebensgrundlage und gibt unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft eine Zukunft. Man denke allein an die vielen nebenerwerblichen Viehbauern, für die der Obstbau eine Perspektive zum Vollerwerb wäre, um dadurch auch dem Ausverkauf der Heimat entgegenwirken zu können. Umso mehr in einer strukturschwachen Gemeinde, in der man sich den Luxus für solche Spielchen einer Wohlstandsgesellschaft nicht leisten sollte. Es ist harte Arbeit und ganz sicher geht es nicht um das schnelle Geld, wie die Befürworter der pestizidfreien Gemeinde uns bei jeder Gelegenheit unterstellen. Was gerne vergessen oder verschwiegen wird: Auch der konventionelle Obstbau unterliegt strengen Richtlinien, Auflagen und Kontrollen. Zum Ankauf der Pflanzenschutzmittel braucht es einen eigenen Befähigungsausweis und über deren Verwendung muss genauestens buchgeführt werden. Wir befolgen die europaweit geltenden Regeln, zudem sind die Vorgaben im Südtiroler Agrios-Programm strenger als in der EU und in Italien gesetzlich vorgeschrieben. Wir wehren uns also strikt gegen die Behauptung, unverantwortlich zu handeln und die Gesundheit der Bevölkerung zu gefährden. Verbieten will man chemisch synthetische Pestizide. Dabei wird nicht gesagt, dass auch biologische Pflanzenschutzmittel, die nicht ­chemisch synthetisch erzeugt wurden, sehr wohl auch umweltschädlich sein können. Zudem ist der biologische Anbau für gewisse Kulturen wie Beerenobst fast unmöglich. Welche Zukunft haben diese Landwirte, denen die Lebensgrundlage entzogen wird? Ist die Gemeinde im Interesse der sogenannten Gesundheit bereit, diesen Bauern für die jahrelangen wirtschaftlichen Ausfälle und die Wettbewerbsverzerrung Schadensersatz zu zahlen? Hinzu kommt noch das Problem, dass es erwiesen ist, dass es für biologisch erzeugte Beeren in Südtirol und Italien keinen Absatzmarkt gibt sowie dass der Markt für biologische Äpfel übersättigt ist. Eine Frage sei auch erlaubt: Wieso wehren sich die Pestizidgegner nicht auch gegen Feinstaub, Elektrosmog und gegen den Verkehr, wenn es schon um unsere Gesundheit geht. Warum verabreichen Tierärzte und verkaufen Apotheker weiterhin chemisch-synthetisch hergestellte Medikamente, die unsere Umwelt und unser Wasser mit Hormonen und Antibiotika belasten? Hat die gesamte Südtiroler Ärzteschaft bis jetzt fahrlässig gehandelt, wenn sie bisher nichts gegen den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln unternommen hat? Warum fahren Promotoren der pestizidfreien Gemeinde noch mit dem eigenen Auto? Mit emotionalen Argumenten will eine kleine Gruppe sich inszenieren und mit Halbwahrheiten eine Volksbefragung herbeizwingen. Geht es nach dem Willen der Referendum-Befürworter sollte die neue Regelung im Laufe von zwei Jahren umgesetzt werden und durch strenge Kontrollen, gar durch die Ordnungskräfte, garantiert werden. Wir Bauern würden zu Sklaven auf dem eigenen Hof. In Mals wird nur die Sicht der Nicht-Landwirte diskutiert (Gefahr von Pflanzenschutzmitteln), aber die betroffenen Betriebe und die Auswirkungen von bestimmten Regelungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort (und das ist unserer Meinung nach eine zentrale Frage - v.a. für die lokalen Bauern) wird nicht angesprochen. Unterschwellig werden dem konventionellen Obstbau sogar verbrecherische Absichten unterstellt und es geht sogar hin bis zu Diskriminierung von harter und ehrlicher Arbeit. Sozialer Unfriede wird gestiftet und in der Bevölkerung entsteht ein Riss. Es geht einzig und allein darum, ein Verbot zu erzwingen. Aber welche Perspektiven und Konzepte für die Malser Bauern stehen hinter dem erzwungenen Verbot? Biologische Landwirtschaft sollte ein Prozess sein, der von den Bauern mit Überzeugung mitgetragen wird und nicht von oben herab, von einigen wenigen Selbstdarstellern, uns Landwirten aufgezwungen werden. Für das Gemeindegebiet Mals streben wir in Zukunft den sachlichen Dialog und die friedliche Koexistenz verschiedener landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsweisen an, von der Viehzucht und Milchproduktion zum Ackerbau bis hin zum Obst-, Beeren- und Gemüse- oder Kräuteranbau in konventioneller oder freiwilliger und aus Überzeugung biologischer Wirtschaftsweise. In der Vielfalt und Diversifizierung liegt unsere Chance für die Zukunft. Da dieses Thema auch landesweit an Relevanz gewinnt und die Belange der konventionellen Landwirte völlig missachtet werden, rufen wir auch die Landwirte und Bürger anderer Gemeinden auf, uns mit Vorschlägen, Informationen und Ratschlägen zu unterstützen oder gerne auch Mitglied der Plattform ‚Bäuerliche Zukunft Mals’ zu werden Unter folgender Email-Adresse sind wir erreichbar: baeuerlichezukunftmals@outlook.com“ red
Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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