Im Bild (v.l.): Elisabeth Viertler, Patrizia Gentilini und Carlo Modonesi.

„Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen“

Publiziert in 17 / 2015 - Erschienen am 6. Mai 2015
Pestizide und menschliche Gesundheit Bozen/Vinschgau - Die Verwendung und der Einsatz von Pestiziden sind eine immense, schleichende, subtile und allgegenwärtige Bedrohung für die Gesundheit der Kinder und zukünftigen Generationen. Besonders die Ärzte sind in ihrer Verantwortung gefordert. Dieser Wahnsinn muss gestoppt werden. Mit diesen klaren Worten eröffnete Elisabeth Viertler, Kinderärztin und Homöopathin in Mals, am 28. April im Kolpinghaus in Bozen einen Vortragsabend zum Thema „Pestizide und menschliche Gesundheit.“ Vor vielen Ärzten, Apothekern und Interessierten aus dem ganzen Land zeigten der Biologe Carlo Modonesi von der Universität Parma sowie Patrizia Gentilini, Onkologin, Hämatologin und Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees der ISDE Italien (International Society of Doctors for the Environment), auf, wie gefährlich Pestizide für die menschliche Gesundheit sind. Laut Modonesi, Leiter der Arbeitsgruppe für Pestizide der ISDE Italien, „hat der Mensch in den vergangenen 30 bis 40 Jahren die Umwelt schlichtweg vergessen.“ Modonesi: „Genetische Informationen unterliegen den Einflüssen der Umwelt. Die Pestizide sind ein Faktor, welcher zur Zerstörung der Umwelt beiträgt, etwa mit der Einschränkung der Biodiversität. Die Umwelt kann Pestizide nicht abbauen, sie reichern sich also im Boden, im Wasser und im Körper von Mensch und Tier an. Die Bienen sterben, Insekten bilden resistente Stämme, daneben sind auch Fledermäuse, Amphibien, andere Lebewesen und vor allem der Mensch betroffen. Besonders schwerwiegend sind kontaminierte Lebensmittel, besonders für Kinder im Mutterleib“, so Modonesi. Auf diesen und viele weitere Aspekte ging Gentilini ein. Sie verwies auf viele internationale wissenschaftliche Studien (ca. 19.000 gibt es mittlerweile), die belegen, dass Pestizide der menschlichen Gesundheit großen Schaden zufügen. Betroffen sind nicht nur die Anwender, sondern die gesamte Bevölkerung. Die Umweltmedizinerin listete eine ganze Reihe von möglichen Erkrankungen auf. Die Palette reicht von Atemwegsbeschwerden bis hin zu verschiedenen Tumoren, Hirnschäden bei Ungeborenen und Fruchtbarkeitsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, Depression, Amyotrophe Lateralsklerose, Melanom, ADHS, Autismus, Allergien, Asthma, Zöliakie, Parkinson, Alzheimersche Krankheit, Keimschädigung, Unfruchtbarkeit, Leukämie, Lymphome, Prostatakrebs, Gehirntumor und andere Tumoren und vor allem die Schädigung des Nervensystems und Gehirnschädigung bereits bei Föten; im Nabelschnurblut von Neugeborenen z.B. wurden 300 chemische Substanzen nachgewiesen. Wie Gentilini betonte, haben viele Untersuchungen ergeben, dass Pestizide zu einem statistisch signifikanten Anstieg verschiedener Krankheitsbilder geführt haben, speziell auch bei Ungeborenen und Kindern in der ersten Wachstumsphase. „Pestizide sind für die Gewässer, die Böden und die Luft schädlich.“ Ausdrücklich gewürdigt hat Gentilini den Mut und das Engagement vieler Malser, die sich für eine pestizidfreie Gemeinde einzusetzen. Das Manifest von Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Biologen und Apothekern des Obervinschgaus war in Bozen übrigens rasch vergriffen. Unter den aufmerksamen Zuhörern waren der Vizepräsident der Ärztekammer Andreas von ­Lutterotti und Landesrätin Martha Stocker. Sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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