Sie stellten die Sozialstatistik Vinschgau 2014 vor (vorne v.l.): Konrad Raffeiner, Andreas Tappeiner, Karin Tschurtschentaler und Dieter Pinggera; (hinten v.l.): Peter Grassl, Astrid Reinstadler, Evi Christandl, Christine Gruber und Roman Altstätter.

Wohin muss Sozialarbeit gehen?

Publiziert in 22 / 2015 - Erschienen am 10. Juni 2015
Sozialstatistik des Bezirks Vinschgau vorgestellt. Schlanders - Ende Mai wurden am Sitz der Bezirksgemeinschaft in Schlanders der Sozialbericht und die dazugehörigen statistischen Daten präsentiert. Der Sozialbericht ist ein wichtiges Werkzeug der Sozialpolitik, weil er die kritischen Aspekte im sozialen Bereich aufzeigt, die wachsenden Bedürfnisse hervorhebt und die sozialen Veränderungen der Gesellschaft dokumentiert. „Ziel der Sozialdienste Vinschgau ist es, gemeinsam gute Sozialarbeit zu leisten“, sagte Direktorin Karin Tschurtschentaler, „und anschließend Bilanz zu ziehen, wohin Sozialarbeit gehen muss.“ Die Verantwortlichen der verschiedenen stationären und teilstationären Einrichtungen und der Sozialsprengel berichteten von der großen Herausforderung, den Klienten unter den gegebenen finanziellen, personellen und räumlichen Aspekten eine qualitativ hochwertige Betreuung zukommen zu lassen. Qualitativ hochwertige Betreuung Menschen mit psychischen Erkrankungen werden immer jünger und die diagnostische Zuordnung immer komplexer, bestätigte Peter Grassl vom Arbeitsrehabilitationszentrum Latsch, das 17 Klienten beschäftigt. Hinzu kommen die zunehmenden Schwierigkeiten, diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Die finanzielle Verarmung sei durch die fehlende Rentenabsicherung und die geringe Entlohnung vorprogrammiert. Astrid Reinstadler, Strukturleiterin in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Prad, stellte die veränderten Lebenswelten in den Werkstätten vor. Die Menschen, auch Schwertbehinderte, werden älter, und es gelte vor allem, deren Lebensqualität in den Mittelpunkt zu stellen. Die Werkstätten der Zukunft werden weniger Produktionsbetriebe, dafür mehr Tagesförderstätten und Entlastungsbetreuungsstätten für Familien sein. Insgesamt werden in Prad und Schlanders über 70 Menschen mit Behinderung betreut. „Nach dem Nutzen fragen, nicht nach den Kosten“ Es sei eigentlich nur erlaubt zu fagen, wieviel soziale Dienste nützen und nie wieviel sie kosten, sagte Roman Altstätter. Es könne gar nicht in Zahlen ausgedrückt werden, wieviel menschliches Leid durch den sozialen Dienst in all seinen Formen verhindert werden kann. Ein Tag Aufenthalt auf der psychiatrischen Station koste 400 Euro, ein Tag in der Wohngemeinschaft Felius 67 Euro und ein Tag sozial-psychologische Betreuung 6 Euro. Viele Einzelgespräche und Lebenstrainingsstunden werden den Klienten in den betreuten Wohngemeinschaften geboten, und keiner der ambulant weiter betreuten Klienten habe neue schwere Krisen erlebt, sagte Roman Altstätter. Der Treffpunkt am Bahnhof habe sich als eine niederschwellige Einrichtung etabliert, in dem Menschen zeitweise oder längerfristig soziale Kontakte suchen. Wünschenswert wäre ein ähnlicher Treffpunkt im Raum Mals. Betreuung von Minderjährigen und Erwachsenen Die Erziehung von Kindern überfordert manche Eltern. Kommen Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit, Sucht oder eine psychische Erkrankung hinzu, reagieren viele Kinder mit Auffälligkeiten. 187 Minderjährige werden derzeit von den Sozialsprengeln Obervinschgau und Mittelvinschgau betreut, berichteten die beiden Leiterinnen Christine Gruber (OV) und Evi Christandl (MV). Bewährt habe sich die Familienarbeit vor Ort, bei der Eltern Unterstützung und Anleitungen bekommen. Ca. 150 Erwachsene, davon 70 Prozent Männer, werden von den beiden Sozialsprengeln in verschiedenen Lebensbereichen begleitet. Sie brauchen organisatorische Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung oder Arbeit. Wertvoll sei die Hilfe der Sachwalter, die die Vermögensverwaltung der betreuten Personen ehrenamtlich übernehmen, bestätigte Evi Christandl. Hilfe zu Hause und in Tagesstätten Auch in der Hauspflege sind manche Menschen überfordert. Über 800 Menschen werden zu Hause und in Tagesstätten betreut. Die Zahl der Senioren in den Tagespflegeheimen von Prad, Mals und Latsch betrug im Jahr 2014 über 4.400. Die sozialen Dienste kosten viel Geld. Für das Jahr 2014 können die Sozialdienste eine ausbezahlte Summe von 1,2 Mio. Euro vorweisen, wobei die Mietbeiträge ca. 70 Prozent der Unterstützungsleistungen ausmachen, stellte Generalsekretär Konrad Raffeiner fest. Weitere Leistungen sind der Unterhaltsvorschuss, das soziale Mindesteinkommen, Transportspesen, Taschengeld u.a.m. Bezirkspräsident Andreas Tappeiner und Sozialreferent Dieter Pinggera dankten den Verantwortlichen der Sozialdienste Vinschgau für ihre wertvolle Arbeit. Auf die Forderungen nach mehr betreute Wohneinheiten und einem Treffpunkt in Mals stellten sie eine Machbarkeitsstudie für das alte Altersheim von Mals in Aussicht. Es sei wichtig, sich Gedanken über zukünftige Entwicklungen zu machen und die sozialen Dienste der Zeit und den Gegebenheiten anzupassen, so Dieter Pinggera abschließend. Inge
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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