Udo Thoma
Simon Wallnöfer

Zu tun gibt es einiges

Studie für Verbesserung der Trinkwasserversorgung vorgestellt

Publiziert in 39 / 2018 - Erschienen am 13. November 2018

Prad - Um die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde Prad zu verbessern, sind kurzfristige, aber auch mittel- und langfristige Maßnahmen zu setzen. Deutlich gezeigt hat sich das am vergangenen Freitag bei einem gutbesuchten Informations- und Diskussionsabend zum Thema „Trinkwasser in Prad“ im Bürgersaal der Gemeinde. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse der Masterarbeit, die Simon Wallnöfer aus Prad zum Abschluss des Studiums Umweltwissenschaften an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck in mehrjähriger Arbeit erstellt hat. „Dass sich Simon Wallnöfer eingehend mit der Trinkwasserversorgung in seiner Heimatgemeinde befasst hat, ist ein Glücksfall für die Gemeindeverwaltung“, schickte der für das Trinkwasser zuständige Gemeindereferent Udo Thoma voraus. Die Ergebnisse der Studie sollen der Gemeindeverwaltung als Entscheidungsfindung dienen. „Ziel ist es, zu einer besseren Qualität des Trinkwassers zu kommen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagte Thoma. Simon Wallnöfer informierte zunächst für die derzeitige Situation. Er erinnerte daran, dass das Trinkwasser seit vielen Jahren ein Thema in Prad, dass die Bevölkerung unterschiedliche und teils unvollständige Informationen erhalten hat und dass es keine konkrete Strategie für die Entwicklung der Trinkwasserversorgung in Prad und Lichtenberg gibt. Das stark mit Arsen belastete Wasser der Untervellnairquellen wird seit 2006 nicht mehr verwendet. Im selben Jahr ging der Tiefbrunnen Lichtenberg in Betrieb, aus dem derzeit fast die Hälfte des Wassers, das jährlich verbraucht wird, stammt. „Ohne den Tiefbrunnen Lichtenberg würde die Versorgung zusammenbrechen“, gab sich Wallnöfer überzeugt. Der Tiefbrunnen Kultur, „von dem man ganz wegkommen sollte“, sei de facto nur mehr in Betrieb, um die Pumpe zu erhalten. Zur Trinkwasserqualität, speziell zum Arsen- und Uran-Gehalt, hielt Wallnöfer fest, dass die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschritten werden. Zu bemängeln ist, dass es derzeit keine laufende Überwachung der Versorgung gibt, dass die Leitungen teils sehr alt sind und dass der Wasserverlust hoch sei. Der „kaufmännische“ Wasserverlust bewege sich zwischen 35 und über 40%. Neben Lecks, Rohrbrüchen und weiteren technischen Verlusten seien auch Schleichverluste, Diebstahl, Zählerabweichungen sowie unentgeltliche Entnahmen für Brunnen, Straßenreinigung usw. zu berücksichtigen. Was die Studie noch zeigt, ist eine anzunehmende Steigerung des Verbrauchs. Auch eine Reihe von möglichen Lösungsansätzen bzw. Varianten und Teilvarianten für eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung hat Wallnöfer erarbeitet. Eine Variante besteht darin, das Arsen der Untervellnairquellen mit einer Filteranlage zu entfernen und die Quellen wieder zu reaktivieren. Zusätzlich zu Investitionskosten von ca. 550.000 Euro kämen jährlich ca. 85.000 Betriebskosten dazu. Als Verbesserungen der Qualität werden in der Studie eine Entfernung von Uran durch Ionenaustauscher beleuchtet sowie eine Enthärtung durch Nanofiltration. Eine weitere Variante sieht vor, die überschüssige Wassermenge in Lichtenberg im Winterzeitraum zu nutzen. Der Zusammenschluss der Netzleitung mit der Pumpleitung des Tiefbrunnens Lichtenberg würde ca. 20.000 Euro kosten. Als weitere mögliche Maßnahme wird die Errichtung einer neuen Quellfassung Scharthölle genannt, und zwar mit Versorgung des Platzhofes und der Verbindung zu Pinet und Speicher Agums. 

Viele Varianten beleuchtet

Auch die Quelle Platzwiese könnte reaktiviert werden. Zusammenfassend hielt Wallnöfer fest, dass eine Verbesserung der Qualität mit relativ geringen Kosten möglich sei, wobei die bestehenden Konzessionen nicht eingeschränkt werden. Unbedingt notwendig sei die Verbesserung der Überwachung sowie ein digitaler Leitungskataster. Hand in Hand mit der schrittweisen Umsetzung des Maßnahmen-Paketes lasse sich die Trinkwasserversorgung für die nächsten Jahre verbessern. Keine „Rückmeldung“ seitens der Gemeinde Stilfs sei bisher zum Vorschlag eingegangen, Trinkwasser aus einer Quelle in Trafoi über eine 10 Kilometer lange Leitung nach Prad fließen zu lassen. Bei der Diskussion hieß es u.a., dass das Wasser nach Möglichkeit vom Berg kommen sollte. Mehrfach klar geäußert wurde der Wunsch, dass die Gemeindeverwaltung möglichst rasch darangehen sollte, Verbesserungsmaßnahmen zu setzen. Der Gemeindeverwaltung, besonders dem Referenten Udo Thoma, der früher auf der Oppositionsbank saß und in punkto Trinkwasser mit Kritik an der seinerzeitigen Verwaltung nicht sparte, wurde vorgeworfen, während der vergangenen Jahren wenig unternommen zu haben, um die Situation zu verbessern. Thoma wies die Vorwürfe zurück: „Eine sorgfältige Grundlagenarbeit war notwendig. Eine solche braucht Zeit. Jetzt sind die Ergebnisse da.“  BM Karl Bernhart rief dazu auf, „Parteipolitik außen vor zu lassen, nicht zurückzublicken, sondern gemeinsam nach vorne zu schauen.“ Er erinnerte daran, dass man sich Vorfeld einhellig darauf geeinigt hatte, zunächst die Studie abzuwarten, und sicherte zu, dass die Verwaltung voraussichtlich noch im Laufe der derzeitigen Periode erste kurzfristige Maßnahmen umsetzen werden. Auch mit mittel- und langfristigen Maßnahmen werden sich der Ausschuss und der Gemeinderat befassen.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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