Mit großer Aufmerksamkeit in der 1. Reihe: Moderatorin Marina Giuri Pernthaler, Andreas Tappeiner, Richard Theiner, Michael Oberhuber, Joachim Rainalter und Gerhard Eberhöfer (von links).

Zur Diskussion gestellt: Bioregion Obervinschgau

Publiziert in 44 / 2013 - Erschienen am 11. Dezember 2013
Ist die Bioregion Obervinschgau ein gangbarer Weg? Der Bauernbundbezirk Vinschgau versuchte ihn vorzustellen. Prad - Es sollte eine runde Sache werden im Raiffeisensaal von Aquaprad. Experten aus den Bereichen Agrarwissenschaft, Obstbau und Milchwirtschaft waren eingeladen, Chancen und Risiken einer Bioregion aufzuzeigen. Ein Erfahrungsbericht über die „Bio Region Mühlviertel“ sollte das Projekt schmackhaft machen und eine Diskussionsgrundlage bilden. Zum Auftakt versuchten der Bezirksobmann des Bauernbundes, Andreas Tappeiner, und Landesrat Richard Theiner gewissen Anfängen zu wehren, in dem sie die zahlreichen Besucher aufriefen, die Monate der Polemiken hinter sich zu lassen und über die Sache zu reden. Bioregion bringt Mehrwert Von der wissenschaftlichen Seite versuchte der Direktor der Versuchsanstalt Laimburg, Michael Oberhuber, das Thema aufzurollen. Eine Bioregion würde auf jeden Fall zu einem erhöhten Mehrwert führen, weil man Region und Produkte verbinden könnte. Sehr detailliert versuchte er aufzuzeigen, welche Herausforderungen auf den Obstbau, auf Stein- und Beerenobst und auf die Grünlandwirtschaft zukommen würden, wenn die besonderen Bestimmungen für Pflanzenschutz und artgerechte Tierhaltung zur Anwendung gelangen. „Biomilch Vinschgau, ein spannendes Thema“, meinte Joachim Rainalter, Obmann des Südtiroler Sennereiverbandes, und weckte Erwartungen: „Biomilch hat auf dem Markt sehr viel Potenzial“, rief er in den gut besetzten Saal, „wir könnten noch viel größere Mengen absetzen.“ Voraussetzung wäre ein zusammenhängendes Gebiet, damit sich die Logistikkosten in Grenzen halten. Dem Oberen Vinschgau sprach er einerseits gute Voraussetzungen zu durch den günstigen Großviehbesatz pro Fläche, andererseits bestehe ein Strukturproblem. Die Ställe in den Siedlungen können nicht den geforderten Auslauf der Tiere gewährleisten. Als Vertreter der Bio Vinschgau, einer der großen Mitspieler im europäischen Bio-Obst-Sektor, versuchte Gerhard Eberhöfer Bodenhaftung zu wahren. Es fiel auf, dass er seine Thesen zusammen mit Ausblicken auf die Obervinschger Kulturlandschaft an die Leinwand projizierte. Eberhöfer gab zu bedenken, dass der Biomarkt sehr langsam wachse, und dass es problematisch wäre, Bio-Anbau zur Pflicht zu machen. Aufmerksam machte er, dass inzwischen „Regionalität“ und „fairer Handel“ mit Bioanbau gleich gesetzt würden. Eberhöfer vermisste klare Richtlinien für den Begriff „Bioregion“ und fürchtete, dass das Konzept nur auf die Landwirtschaft beschränkt bleibe. Klare Definition und Kommunikation Der sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand ging diesmal in Richtung Oberösterreich. 2010 war das Projekt „BioRegion Mühlviertel“ ins Regierungsprogramm des Bundeslandes aufgenommen worden. Projektleiter Daniel Breitenfellner zeichnete eine durchwegs positive Entwicklung nach, in der alle Akteure und Interessensvertretungen eingebunden waren und in der Konflikte zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft vermieden wurden. „Es hat eine klare Definition und Kommunikation von Zielen, aber auch ‚Nicht-Zielen‘ gegeben“, erklärte Breitenfellner. „Wir haben bei Konflikten sofort versucht klarzustellen, was gewollt und was nicht gewollt ist.“ Eines der wichtigsten Nicht-Ziele für die 200 Mühlviertler Gemeinden war „die gänzliche Umstellung der Region auf biologische Produktionsweise“. Inzwischen habe sich ein Partnerschaftsnetzwerk von 113 Betrieben aus der Gastronomie, der Landwirtschaft, der Dienstleistung und aus dem Tourismus gebildet. Aus den anschließenden Wortmeldungen war so etwas wie eine kontrollierte Spannung unter den Zuhörern festzustellen. Die Mahnungen, vor allem sachlich zu bleiben, wurden zwar beherzigt, aber ausblenden ließ sich das brennende Thema Pflanzenschutzmittel nicht. In fast allen Wortmeldungen war das Projekt Bioregion nur Aufhänger; immer aber wurden die Pflanzenschutzmittel oder eine pestizidfreie Gemeinde angesprochen. Der junge Prader Biobauer Daniel Primisser brachte es auf den Punkt: „Man hat anscheinend noch nicht verstanden, um was es geht. Die Bioregion ist allenfalls eine Vision, Pestizide sind aber etwas anderes.“ Günther Schöpf
Günther Schöpf
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