Die Filmvorführung im Dorfanger in Mals war gut besucht.
Gottfried Lechthaler, Hauptmann der Schützenkompanie Mals
Auch im Vinschgau erinnerten rot beleuchtete Strommasten an die Feuernacht vor 60 Jahren.
Die Zeitzeugen Meinrad Berger und Maya Mayr.

Zwischen Hoffnung und Gewalt

Erinnerung an die Feuernacht vor 60 Jahren

Publiziert in 21 / 2021 - Erschienen am 24. Juni 2021

Mals - Mit einer Filmvorführung im Dorfanger in Mals und mit Erzählungen zweier Zeitzeugen erinnerte die Schützenkompanie Mals am 11. Juni an die Südtiroler Feuernacht, die sich heuer zum 60. Mal jährte. 37 Strommasten waren in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 von Mitgliedern des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) gesprengt worden, 19 davon im Raum Bozen. Gezeigt wurde in Mals der Dokumentarfilm „Südtirol - Zwischen Hoffnung und Gewalt“ von Birgit Mosser-Schuöcker. Im Film wird u.a. gezeigt, wie es zu den Anschlägen am Herz-Jesu-Sonntag des Jahres 1961 kam, was sie bewirkt haben und welche Rolle Österreich spielte. Zu Wort kommen im Film ehemalige BAS-Mitglieder (Sepp Innerhofer, Josef Mitterhofer, Klaudius und Herlinde Molling und Sepp Forer), Vertreter aller Lager (so z.B. Beispiel der ehemalige Landtagsabgeordnete Pietro Mitolo), Franz Widmann, der ehemalige Senator Lionello Bertoldi, der frühere österreichische Außenminister Peter Jankowitsch und Botschafter Ludwig Steiner. Als Zeitzeugen konnte Gottfried Lechthaler, der Hauptmann der Schützenkompanie Mals und Bezirksmajor-Stellvertreter, Maya Mayr und Meinrad Berger begrüßen. Maya Mayr aus Rentsch, geboren 1945, war als junges Mädchen in der Betreuung der nach der Feuernacht inhaftierten BAS-Aktivisten und deren Familien tätig. 1967 wurde sie wegen ihrer Unterstützung der BAS-Aktivisten Karl Schafferer und Hans-Jürg Humer verhaftet. Nach einem Jahr Untersuchungshaft wurde sie wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Maya Mayr erzählte von „brutalen Hausdurchsuchungen“, entwürdigenden Verhören und Überwachungsmaßnahmen. Rosa Klotz, die Ehefrau des führenden BAS-Aktivisten Jörg Klotz, habe sie als „wunderbare und tapfere Frau“ in Erinnerung. „Dass die drei, noch lebenden ‚Pusterer Buam’ noch einmal nach Südtirol zurückkehren können, ist derzeit mein größter Wunsch“, schloss Mayr ihre Ausführungen. Meinrad Berger, Jahrgang 1946, war 1964 mit Flugblättern erwischt worden. Es folgten Verhöre und Jugendhaft. Kein gutes Haar ließ Berger an der früheren Politik in Österreich: „Nur der ‚Walli’ (Eduard Wallnöfer, Anmerkung der Redaktion), war für uns und dann Bruno Kreisky.“ In Bozen gebe es laut Berger, der viele Jahre als Elektrotechniker in den Lancia-Werken und später als Angestellter im Bozner Krankenhaus arbeitete, auch heutzutage noch viele Faschisten. „Und auch Ungerechtigkeit gibt es noch immer. Er war früher schlechter, aber auch besser.“ Harsch kritisiert hat Berger, dass kürzlich im Landtag ein Antrag der Süd-Tiroler Freiheit, der die Begnadigung bzw. Amnestie der verbliebenen Süd-Tiroler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre vorsah, abgelehnt wurde, „und zwar nicht nur von der SVP, sondern auch von den Freiheitlichen.“ Um an die Feuernacht vor 60 Jahren zu erinnern, hatten die Schützen landesweit gut sichtbare Strommasten rot beleuchtet. Im Vinschgau erhellten laut Bezirksmajor Hansjörg Eberhöfer insgesamt rund 20 Masten die Nacht.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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