„BigPicture“: Egger mit weiterem Erfolg
PRAD/SAN FRANCISCO - Zwei junge Uhus. Zwei vollkommen unterschiedliche Zustände. Und für einen flüchtigen Augenblick scheinen zwei Lebewesen zu einer einzigen Gestalt zu verschmelzen. Mit „Born of Silence“ hat der Südtiroler Foto-Künstler Philipp Egger die Kategorie „Winged Life“ beim internationalen Wettbewerb „BigPicture: Natural World Photography Competition“ der California Academy of Sciences in San Francisco gewonnen. Mehr als 7.400 Arbeiten aus 64 Ländern wurden für die diesjährige Ausgabe eingereicht. Eine internationale Fachjury unter dem Vorsitz der renommierten Wildlife-Fotografin Suzi Eszterhas bestimmte die Sieger der sieben Wettbewerbskategorien. Für Egger ist es bereits die zweite Auszeichnung bei „BigPicture“ innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Jahren. 2025 erhielt seine am Ätna entstandene Arbeit „Dance of the Elements“ den People’s Choice Award. Nun folgt der Kategoriensieg der Jury. „Born of Silence“ entstand im Vinschgau und zeigt zwei junge Uhus in außergewöhnlicher Nähe. Ihre Köpfe füllen beinahe die gesamte Bildfläche. Augen, Schnäbel und das weiche Jugendgefieder verdichten sich zu einer Komposition, die auf den ersten Blick fast malerisch erscheint. Für einen Bruchteil eines Augenblicks scheinen die Grenzen zwischen den beiden Tieren zu verschwinden. Während einer der jungen Uhus mit geöffnetem Schnabel die Stille durchbricht, ruht sein Geschwister beinahe vollkommen in ihr. „Mich interessieren jene seltenen Augenblicke, in denen die Natur etwas von sich preisgibt, das unserem Blick normalerweise verborgen bleibt. Bei ,Born of Silence‘ treffen zwei vollkommen unterschiedliche Zustände aufeinander und werden dennoch für einen Moment eins. Es ist ein dokumentarischer Augenblick, der beinahe wie ein Gemälde wirkt. Genau dort, an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung, beginnt für mich Kunst“, sagt Egger. Die offizielle Wettbewerbsbeschreibung hebt genau diesen Kontrast hervor: Der rufende Jungvogel wirkt kraftvoll und beinahe herausfordernd, während sein Geschwister mit halb geschlossenen Augen Ruhe ausstrahlt. Egger hatte den seit Generationen genutzten Brutplatz über längere Zeit beobachtet und das Verhalten der Tiere studiert.
Der Erfolg in San Francisco reiht sich in eine Serie internationaler Auszeichnungen ein. Eggers Arbeiten werden inzwischen auch international ausgestellt. Präsentiert wurden sie unter anderem im Natural History Museum in London, im American Museum of Natural History in New York, im Hong Kong Science Museum und bei der California Academy of Sciences in San Francisco. Der Ausgangspunkt seiner fotografischen Arbeit bleibt der Vinschgau. Der junge Prader beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Beobachtung von Wildtieren und alpinen Landschaften. Seine Bilder bewegen sich dabei zwischen Naturdokumentation und künstlerischer Abstraktion.