Das Können ist des Dürfens Maß

Publiziert in 29 / 2013 - Erschienen am 27. August 2013
Reinhold Messner würdigt den Apinisten Paul Preuß als Begründer des Freikletterns. Auch Angela Merkel verfolgt den Vortrag mit. Sulden - „Wenn ich sehe, was Freikletterer in den vergangenen 20 Jahren unternommen haben, stehen auch mir die Haare zu Berg.“ Wenn es Reinhold Messner ist, der so etwas sagt, ist diesem Satz ein besonderes Gewicht beizumessen, denn als ehemaliger ­Kletterer und Extrembergsteiger weiß er nur zu gut, wie es ist, allein, frei und ohne Hilfsmittel über senkrechte oder gar überhängige Felswände hochzuturnen. „Es braucht absolute Konzentration, viel Schnellkraft und vor allem das Können,“ sagte Messner am 31. Juli im Freizeitzenturm Sulden. Vor rund 800 Personen, Einheimischen ebenso wie Gästen, blickte er auf die Entstehung und Entwicklung des Freikletterns in den vergangenen 100 Jahren zurück. Auch die deutscher Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer, die ihren heurigen Sommerurlaub erneut in Sulden verbrachten, genossen die Multivisionsshow zum Thema „Free solo“. „Ich verteidige die Taten der Freikletterer nicht“ Der eigentliche Vater des Frei­kletterns ist laut Messner der ­österreichische Alpinist Paul Preuß, der vor 100 Jahren im Alter von nur 27 Jahren im Gosaukamm im Dachsteingebirge in Österreich in den Tod stürzte. Vor allem in Kletterkreisen galt Preuß als herausragende Figur. Messner: „Für mich ist er der Bergsteiger schlechthin, denn er hat uns die hintergründigsten Gedanken zum Bergsteigen und zur Beziehung Berg-Mensch hinterlassen.“ Auch Grundsätze, die Preuß zum Thema Klettern aufgeschrieben hat, zitierte Messner. Auf die alte und doch immer wieder neue Frage, warum Menschen überhaupt gefährliche Kletter- und Bergtouren unternehmen und wo hier die Grenze liegt, beantwortete Messner mit dem Satz von Preuß, wonach das Maß des Dürfens das Können ist. Im Umkehrschluss heißt das: was ich nicht kann, darf ich nicht machen. Allerdings haben aber auch viele „Könner“ am Berg den Tod gefunden. „Ich will die Taten der Freikletterer nicht verteidigen, sondern sie nur erzählen,“ so Messner. Besonders beeindruckt habe ihn Preuß, der bewusst auf ­jegliche Sicherungs- und Hilfsmittel verzichtete und sogar das Abseilen ablehnte, weil er den Grundsatz vertrat, nach jedem Aufstieg auch wieder den Abstieg schaffen zu müssen, und zwar über dieselbe Route. Ausgehend von Preuß spannte Messner einen Bogen von den berühmtesten Freikletterern und Freikletterrouten von damals bis heute. Tief beeindruckt war das Publikum vor allem von Film­aufzeichnungen der derzeitigen Extremkletterer Alex Honnold aus den USA und Alexander Huber aus Bayern. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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