Der Bichl als Schnöller-Arena
500 Goaßlschnöller und Goaßlschnöllerinnen bei Landesmeisterschaft in Tartsch.
Tartsch - Es wurde geschnöllt auf dem Tartscher Bichl. Der mythisch anmutende Hügel mit der St.-Veits-Kirche im Hintergrund bildete die optimale Bühne für die 38. Landesmeisterschaften der Goaßlschnöller. Rund 500 Schnöller und Schnöllerinnen waren hierfür in den oberen Vinschgau gekommen und sorgten für ein echtes Fest. „Es geht um das Zusammenkommen und die Freude an einem gemeinsamen Brauchtum“, unterstrich Kooperator Matthias Kuppelwieser bei der Segnung der Goaßln. Er blickte dabei auf die Geschichte dieses aus Leder oder Drahtgarn geflochtenen Seils zurück und erinnerte daran, dass es ursprünglich ein Arbeitsgerät gewesen sei. Daraus habe sich ein Brauch entwickelt; sogar im Rahmen von Wettkämpfen, wie eben bei den Landesmeisterschaften, könne man sich nun messen. „Was zählt, ist ein fairer und respektvoller Umgang“, betonte Kuppelwieser.
Takt, Lautstärke und Körperhaltung
Von den rund 39 Mitgliedsvereinen im Landesverband der Goaßlschnöller waren 30 anwesend. „Es war ein voller Erfolg“, freute sich der Prader Gilbert Stillebacher, der Obmann des 900 Mitglieder zählenden Landesverbandes. Auch das Wetter habe trotz nicht idealer Prognosen mitgespielt. „Die Verhältnisse waren bestens“, unterstrich Stillebacher. Die Qualität des Schnöllens steige von Jahr zu Jahr, so der Landesobmann, der selbst seit rund 45 Jahren dem Goaßlschnöllen frönt und seit über 30 Jahren an Wettkämpfen teilnimmt. Die Bewertungen würden dadurch immer schwieriger. Um faire Bedingungen zu schaffen und objektive Einschätzungen zu bekommen, treffe sich die Jury – eine Gruppe von Fachleuten aus verschiedenen Bezirken – regelmäßig zum Austausch. Die wichtigsten Kriterien bei einer Landesmeisterschaft seien Takt, Lautstärke und Körperhaltung. Auch müsse berücksichtigt werden, dass es in den verschiedenen Südtiroler Landesteilen unterschiedliche Techniken gebe. In der „Bichlarena“ fanden den ganzen Tag über Wettkämpfe statt. Schnöllerinnen und Schnöller im Alter zwischen vier und 73 Jahren präsentierten sich der Jury. Vor allem auch die Nachwuchsschnöllerinnen und -schnöller wussten mit starken Leistungen zu überzeugen, etwa in den Dreier- und Vierergruppen.
Erfolgreiche Vinschger
Bei der Siegerehrung der 38. Landesmeisterschaft im Goaßlschnöllen wurden schließlich die Landesmeister gekürt. Auch einige Vinschger Gruppen durften sich dabei über Siege in ihren jeweiligen Kategorien freuen, und zwar: der Goaßlschnellerverein Schnols „Gschnellt hot’s – Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (Kategorie Zweiergruppen Buben bis zehn Jahre), die Goaßlschnöller Schluderns – Grenzgänger (Zweiergruppen Buben 13 bis 16 Jahre), die Lokalmatadore der Bichlschnöller Tartsch (Dreiergruppen allgemein von zwölf bis 16 Jahre), die Goaßlschnöller Prad (Vierergruppen allgemein bis 16 Jahre), nochmals die Goaßlschnöller Prad (Zweiergruppen Damen von 25 bis 40 Jahre), der Goaßlschnellerverein Schnols „Gschnellt hot’s – Die 2 fa Gfolltrina“ (Zweiergruppen Herren von 16 bis 25 Jahre) sowie wiederum die Goaßlschnöller Prad – Ortlergruppe Prad bei den Dreiergruppen Herren von 40 bis 60 Jahre und in der Kategorie Vierergruppen-Trophäe bis 16 Jahre. Das Schnöllen eröffnet hatte der vierjährige Matteo Blaas aus Prad, außerhalb der Wertung. Bei einem Wettbewerb in Gummer Anfang Juli hatte er kürzlich den Sieg in der Kategorie bis sieben Jahre geholt. Die nächste Landesmeisterschaft findet im kommenden Juli im Sarntal statt.
Tradition trifft Brauchtum
Für eine gelungene Organisation der Großveranstaltung sorgten die Tartscher Bichlschnöller um Obmann Arno Telser sowie die Tartscher Schützenkompanie mit Hansjörg Eberhöfer an der Spitze. Zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer standen im Einsatz. „Das passende Thema der Veranstaltung lautete: Tradition trifft Brauchtum“, so Eberhöfer, der selbst begeisterter Schnöller ist. Wichtig sei vor allem auch, dass die Jugend das Brauchtum fortführe. Dies habe sich bei den Landesmeisterschaften eindrucksvoll gezeigt.