Kunst als Motor für Innovation
BASIS Vinschgau Venosta und De Structura mit Ausstellung und Session beim European Forum Alpbach 2026.
Alpbach/Schlanders - Was passiert, wenn Kunst nicht nur Teil des Kulturprogramms ist, sondern als aktive Partnerin in Innovationsprozesse einbezogen wird? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 31. August die Session „Cross-Innovation and the Arts: Leveraging the Improbable“ beim European Forum Alpbach. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von De Structura, BASIS Vinschgau Venosta und der University of Tartu entwickelt und brachte Perspektiven aus Kunst, Kultur, Innovation und öffentlicher Verwaltung zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum echte Durchbrüche häufig dort entstehen, wo unterschiedliche Disziplinen, Perspektiven und Denkweisen aufeinandertreffen. Innovation, die innerhalb eines einzelnen Fachbereichs bleibt und auf bekannten Fähigkeiten und Annahmen aufbaut, führt häufig zu schrittweisen Verbesserungen. Die Session richtete den Blick deshalb auf das Potenzial von Cross-Innovation – und insbesondere auf die bislang vielfach unterschätzte Rolle der Künste als Partnerin in Innovationsprozessen.
Das Unwahrscheinliche als Innovationsressource
Eine zentrale These der Session: Während künstliche Intelligenz das Wahrscheinliche zunehmend verfügbar und reproduzierbar macht, gewinnt das Unwahrscheinliche an Wert. Genau dieser Raum – das Noch-nicht-Gedachte, Unerwartete und schwer Vorhersehbare – ist ein Terrain, mit dem sich Künstler/innen intensiv auseinandersetzen. Künstlerische Praxis kann dabei neue Perspektiven eröffnen, bestehende Annahmen in Frage stellen, unerwartete Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bereichen herstellen und Vorstellungen davon entwickeln, was noch nicht existiert. Damit entstehen neue Möglichkeiten, Innovationsprozesse nicht ausschließlich über technologische oder wirtschaftliche Logiken zu denken, sondern auch über kulturelle und kreative Perspektiven.Im Rahmen der Session diskutierten u.a. auch Hannes Götsch, Gründer von BASIS Vinschgau Venosta, und Katharina Zeller, Bürgermeisterin von Meran. Der Austausch machte deutlich, dass Cross-Innovation nicht nur zwischen klassischen Innovations- und Wirtschaftsbereichen stattfinden muss. Auch Kunst und Kultur können zu aktiven Mitgestalter/innen gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen werden.
Kunst aus Estland und Südtirol
Ein weiterer Teil der Zusammenarbeit war die Gruppenausstellung „Drawing Lines“, die im Rahmen des Kunst- und Kulturprogramms des European Forum Alpbach vom 28. August bis 4. September 2026 gezeigt wurde. Die von De Structura und BASIS Vinschgau Venosta kokuratierte Ausstellung brachte 8 zeitgenössische Künstler/innen aus Estland und Südtirol zusammen: Viktoria Berezina, Bob Bicknell-Knight, Daniel Costa, Silvestro Geier, Siiri Jüris, Anastasia Lemberg-Lvova, Anne Sausgruber und Sara Welponer. Bei „Drawing Lines“ ging es um die Frage, was Regionen und Gesellschaften aus kontinuierlichem Wandel, Mehrstimmigkeit und der Notwendigkeit zur Neuerfindung lernen können. Estland und Südtirol verbindet dabei eine Geschichte, in der unterschiedliche politische Realitäten, wechselnde Grenzen, sprachliche Herausforderungen und konkurrierende Narrative immer wieder neue Formen des Umgangs mit Veränderung erforderten. Die Ausstellung versteht diese Erfahrungen nicht als einheitliche Identität, sondern als Ausgangspunkt für Resilienz, Vielfalt und neue Perspektiven. Nach der Präsentation beim European Forum Alpbach zog die Ausstellung weiter nach Schlanders (BASIS Vinschgau Venosta).
BASIS als Schnittstelle
Für BASIS Vinschgau Venosta reiht sich die Zusammenarbeit mit De Structura und dem European Forum Alpbach in die eigene Arbeit an der Schnittstelle von Kultur, Innovation und regionaler Entwicklung ein. „Als transdisziplinärer Ort und Netzwerk im ländlichen Raum schafft BASIS Räume, in denen unterschiedliche Disziplinen, Menschen und Perspektiven zusammenkommen und gemeinsam an zukünftigen Fragestellungen arbeiten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die gemeinsame Präsenz in Alpbach zeige, wie „Cross-Innovation über Grenzen hinweg“ funktionieren könne: Durch die Verbindung von Kunst, Innovation und gesellschaftlicher Entwicklung sowie durch internationale Kooperationen, die unterschiedliche regionale Erfahrungen und Perspektiven miteinander in Dialog bringen.