20 Jahre Europäische Orgelakademie im Vinschgau

Prof. Dietrich Oberdörfer aus Latsch betreut die Orgel­akademie von Anfang an als künstlerischer Leiter. „Der Vinschger“: Herr Prof. Oberdörfer, welche Ziele haben Sie sich mit der Orgelakademie 2010 gesetzt? Dietrich Oberdörfer: Es geht uns vor allem darum, die Vielfalt der Orgellandschaft im Vinschgau exemplarisch darzustellen. Dazu gehören beispielsweise die romantischen Orgeln, wie Laas eine besitzt, die Baldachinorgel aus der Renaissancezeit wie sie einmalig auf der Churburg steht bis zu den großen Orgeln für die traditionelle Orgelliteratur. Wir wollen aber auch die Orgelmusik aus ihrem herkömmlichen Ambiente heraus ­holen und sie heuer in die „Marmorkathedrale“ des Göflaner Marmorbruchs transferieren. Welches werden die Höhepunkte des diesjährigen Programms sein? Dietrich Oberdörfer: Wir beginnen mit einem Konzert mit der Baldachinorgel am 15. Juli auf der Churburg, das von einem Spezialisten für alte Instrumente, nämlich Peter Waldner aus Mals gespielt wird. Ein besonderes Ereignis wird sicher auch das Konzert mit dem Leipziger Gewandhausorganisten Michael Schönheit am Dienstag 20. Juli in Laas. Michael Schönheit ist weltweit einer der bedeutendsten Orgelkünstler der Gegen­wart. Der dritte Höhepunkt wird wohl das Musik-Event am 25. Juli im Göflaner Marmorbruch sein. Es wird eine Uraufführung und gleichzeitig die einzige Aufführung dieses Konzertes sein, das so gestaltet ist, dass keine Wiederholung möglich sein wird. Die Musik wird zwischen sakraler Musik, Weltmusik und neuer Klassik pendeln und von Lichtinstallationen begleitet sein, die nur im Marmorbruch möglich sind. Die Orgelakademie feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Wie ist es eigentlich zu dieser Veranstaltungsreihe gekommen? Dietrich Oberdörfer: Begonnen hat alles im Jahre 1989 mit einem Konzert meines Kollegen und heute weltberühmten Organisten Andrea Marcon in der Tisser Kirche und einem Konzert in Latsch auf Ein­ladung des damaligen Vorsitzenden des Heimatpflegevereins Latsch, Hermann Theiner, und des damaligen legendären Bildungsleiters von Schloss Goldrain, Christian Alton. Nach diesem Konzert habe ich die Orgelakademie ab 1990 ohne Unterbrechung gestaltet. Die Veranstaltung ist stetig gewachsen. Höhepunkte in dieser Erfolgsgeschichte waren etwa die Teilnahme des Estnischen Kammerchors unter Tonu Kaljuste in Anwesenheit von Arvo Pärt, dann die Akademie zu den Bachkantaten mit Michael Radulescu, die Akademie zu den Weltreligionen, das Auftreten des Hilliard-Ensembles und des Organisten von Notre Dame, Olivier Lacry. Eine interessante Erfahrung war auch der Orgelwettbewerb mit Heiler und namhaften Organisten aus der ganzen Welt als Jurymitglieder. Ein besonderes Ereignis war auch der Besuch der Enkelin von ­Giacomo Puccini, den der Präsident des Circolo Culturale Val ­Venosta, Leonardo Pellissetti, eingefädelt hatte. Im Laufe der Orgelakademie sind auch zwei Ensembles entstanden: OTEM und KATHARSIS, das es sogar zu einer Grammy-Nomi­nierung in Amerika gebracht hat. Wieviel kostet der Besuch der Konzerte? Dietrich Oberdörfer: Das Konzertprogramm kann dank unserer Förderer und Sponsoren durchwegs bei freiem Eintritt besucht werden. Ausnahme ist lediglich das Musik-Event im Göflaner Marmorbruch der Familie Burkhart Pohl auf über 2000 Metern Höhe. Dieses ist aus organisatorischen Gründen anmelde­pflichtig und mit einem Kostenbeitrag von 35 Euro versehen. Wir sind uns sicher, dass wir auch im Jahre unseres 20-jährigen Bestehens wunderbare Konzerte für unsere Musikliebhaber anbieten können. Interview: Friedrich Haring Informationen und ­Anmeldung im Internauf (www.organacademy.bz).
Friedrich Haring
Friedrich Haring
Vinschger Sonderausgabe

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