Vizebürgermeister Luis Forcher am Fuße des mächtigen Schuttkegels, durch den bereits ein Weg gebaggert wurde (im Bild unten links).

Das Wunder von Partschins und die Folgen

Publiziert in 33 / 2011 - Erschienen am 21. September 2011
Partschins – Es grenzte an ein Wunder, dass beim Felssturz im August niemand zu Schaden kam. Die obersten Zivilschützer, allen voran Gemeindeverwalter und Freiwillige Feuerwehr, haben schnell und umsichtig reagiert. Inzwischen sind Aufräum- und Sicherungsarbeiten längst im Gange. „Der Vinschger“ hat mit Zeugen und Involvierten ge­sprochen. Die Partschinser des 21. Jahrhunderts sind genauso wundergläubig oder auch nicht wie alle anderen aufgeklärten Vinschger. Trotzdem entschlüpft auffallend vielen das Wort „Wunder“, wenn sie vom Dienstag, 2. August 2011, erzählen. Dem nicht genug, gruppieren sie um das große Wunder viele glückliche Zufälle oder Umstände. Wie sattsam bekannt, donnerten damals 80.000 Kubikmeter Felsen und Geröll durch die Longar in Richtung Partschinser Ortsteile Karnatsch und Vertigen. Um 16.10 Uhr war der moderne Steinschlagzaun ober der Straße zum Greiterhof durchschlagen, Stützmauer und Straßenstück zerstört, ein Abschnitt des Partschinser Pano­rama-Weges weggerissen und der Partschinser Waal unter sich begraben. Tonnenschwere Felsbrocken wälzten sich durch eine Obstanlage weiter und kamen nur wenige Meter ober einem Neubau zum Stehen. „Ich wollte die Blumen gießen und um 14.30 Uhr hörte ich es zum ersten Mal krachen. Steinplatten schienen in der Luft zu gleiten“, erinnerte sich die Gemeindereferentin für Tourismus, Birgit Egger Ladurner. „Es war wie ein Wunder, dass niemand zu Schaden kam.“ Noch immer bewegt schilderte sie die Eva­kuierung von etwa 150 Gästen allein aus der Zone Karnatsch, das Zusammenströmen vor dem „Taufenbrunner“ und die öffentliche Information durch den Geo­logen Volkmar Mair. Es sei ein Glück, dass Bürgermeister Albert Gögele und Vizebürgermeister Luis Forcher aktive Feuerwehrmänner sind, dass man im Gemeindeausschuss schon um 11.30 Uhr beschlossen habe, alle Wanderwege im Einzugsbereich der Longar zu sperren, dass FF-Hauptmann Karl Kuen mit seinen Leuten die Gegend nach Wanderern abgesucht habe und dass der Landesgeologe Konrad Messner vor Ort gewesen sei. „Da alles so diszipliniert verlief, ­haben mich die Leute gefragt, ob wir das öfter haben“, war ­Ladurner nur wenige Tage nach der ­Katastrophe zum Scherzen aufgelegt. Auch Vizebürgermeister Luis Forcher sprach bei einem schnellen Lokalaugenschein von einem Wunder. Ein weiteres Wunder möchte er in der Tatsache sehen, dass Felsbrocken und umgerissene Baumstämme genau vor und um der Wasserverteilungsstelle des Partschinser Waales zu liegen kamen. Eher Ausdruck Partschinser Tatkraft und Entschlossenheit dürfte die Tatsache sein, dass auf einem Abschnitt von mehr als 100 Metern in kürzester Zeit gewaltige Schuttmengen beseitigt und der Waal wieder hergestellt worden war. „Mit dem Wasser müssen wir 72 Hektar Obstfläche bewässern“, erzählte Forcher. „Als erste und wichtigste Maßnahm wird jetzt ein etwa 160 Meter langer und acht Meter hoher Damm errichtet.“ Sprach‘s, setzte sich auf seinen Motorroller und fuhr zur Gemeinderatssitzung vom 6. September, in der der Felssturz gleich mehrmals die Hauptrolle spielte. Zum ersten Mal, als Bürgermeister Gögele mit einer Bilanzänderung auf die Naturkatastrophe reagierte und die Finanzierung des Schutzdammes erläuterte, ein zweites Mal als ­Sigmund Kripp (BürgerInnen ­Partschins) aufrief, grundsätzlich das vergebliche Investieren in Weg- und Straßenabschnitten, die dauernd vom Steinschlag oder von Murenabgängen beschädigt würden, zu überdenken, und ein drittes Mal, als im Film von Konrad Messner die Ereignisse vom 2. August noch einmal vor Augen geführt wurden.
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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