Skicenterpräsident Thomas Rinner zählte die Folgen des Stillstandes auf.

Hoffnungen, Pläne, Projekte – den Bach hinunter

Publiziert in 17 / 2006 - Erschienen am 6. September 2006
Latsch – Die Felle sind davon geschwommen. Das Bild stammt aus der Welt der Pelztierjäger, die ihre Felle auf Steinen im Bachbett zum Trocknen auslegen; plötzlich werden sie von einer Flutwelle fortgerissen. Es war nicht gerade ein Sturzbach, der die Felle der Skicenter Latsch fortgerissen hat und nach Tourismuspräsident Hansjörg Dietl waren es auch nicht nur die Felle der Skicenterbetreiber. Einer ganzen Gemeinde, wenn nicht einer Region, würden die Felle - sprich tourismus-wirtschaftlichen Perspektiven – fortgerissen. Skicenterpräsident Thomas Rinner verkündete mit belegter Stimme das Aus des Skigebietes und erklärte ohne zu präzisieren „Miesmacher, Schlechtredner und Drückeberger“ als Täter. Mit steinerner Miene interpretierte Fraktions- und Gemeinderat Roman Schwienbacher das Ergebnis der Tarscher Bürgerbefragung vom 23. Juli 2006 gegenüber dem der Abstimmung von 2002 als „Umschwung für das Weiterbestehen“. Hansjörg Dietl hatte zu den Folgen der Schließung eine eindeutige Meinung und klare Zahlen bei der Hand: „Die Schließung des Skigebietes ist für die Tarscher Tourismustreibenden eine Katastrophe und bedeutet für die Gemeinde Latsch den Verlust an Wertschöpfung von ca. 40.000 bis 60.000 Nächtigungen im Jahr.“ Geschäftsführer Georg Pegger verteilte schriftlich festgelegt eine Übersicht über Geschichte und Entwicklung des Skigebietes mit der bemerkenswerten Aussage, dass zu Beginn der Tätigkeit im Jahre 1978 an die 15 Tarscher in den Gehaltlisten des Skicenters geführt wurden, in der Saison 2005/2006 nur mehr eine Saisonskraft aus Tarsch beschäftigt war. Fraktionspräsident Ernst Sachsalber wiederholte die bekannten Sätze: „Wir haben uns kurz vor den Fraktionswahlen und bis zum Eintreffen des Ernennungsdekretes für den Fraktionsrat nicht festlegen können; aber wir haben danach als Fraktion mehrheitlich für den Zusammenschluss gestimmt.“ „Jetzt ist es vorbei“, formulierte Präsident Rinner, „und denen, die es nicht verstehen, wie viel Potenzial dahinter steckt, denen ist nicht zu helfen!“ Zuvor hatte er berichtet, dass am 6. August nur etwa 3,7 Millionen Euro zusammen gekommen seien, also nicht die geforderten fünf Millionen, und ließ durchblicken, dass sich Investoren einfach nicht zwingen ließen. Damit spielte er auf die von der Fraktion Tarsch vorgelegten Forderungen an. Etwa 25 Personen hätten ihren Beitrag nicht eingezahlt. Die Frage, ob auch diejenigen sich unter den 25 befänden, die den Zusammenschluss gefordert hätten, bejahte er. Bürgermeister Karl Weiss bekräftigte noch einmal sinngemäß: „Wenn es die Wirtschaft nicht in die Hand nehmen kann, soll die öffentliche Hand die Finger davon lassen.“ Innerhalb 20. September hat die Vollversammlung der Teilhaber endgültig über das Schicksal der Tarscher Alm zu entscheiden. Die Hoffnung stirbt zuletzt In den 12 Jahren seiner Geschäftsführung hat sich Georg Pegger, der gebürtige Latscher, der in Bozen seinen Wohnsitz hat, unverdrossen und phantasievoll Saison für Saison bemüht, mit unterschiedlichen Maßnahmen das Gebiet aufzuwerten. Sie reichten von bescheidenen Eingriffen wie Künstleraktionen oder Hausfrauenskikursen bis zu Einrichtungen für Snowboarder und Ankauf von Schneekanonen. Es ist typisch für Georg Pegger, dass er sogar zur „Bankrotterklärung“ am 11. August 2006 nicht nur Zahlen über demnächst arbeitslose Mitarbeiter vorlegte, sondern unter dem Titel „Alternativen – Neue Verhandlungspositionen“ gleich einige Vorschläge nachreichte, wie man das Skigebiet und seine Anlagen doch noch nützen könnte.
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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