Kain und Abel

Publiziert in 6 / 2026 - Erschienen am 24. März 2026

Es fußt auf der Charta der Vereinten Nationen, regelt die Beziehungen zwischen den Staaten auf der Grundlage der Gleichrangigkeit und verbietet jedem Staat einen Angriffskrieg: Auf dem Papier sieht es schön aus, das Völkerrecht. Viel mehr als Papier scheint es mittlerweile aber nicht mehr zu sein. Verstöße gegen das Recht der Völker werden zwar lauthals angeprangert, vor allem im Zusammenhang mit Kriegen oder militärischen Attacken, die sich seit einigen Jahren häufen, aber diese Ausrufe verhallen rasch im Wind. Ähnlich wie die verzweifelten Friedensappelle des Papstes: Legt die Waffen nieder und redet miteinander. Wer das Völkerrecht verletzt, hat kaum mit Folgen zu rechnen, auch deshalb nicht, weil es nach wie vor keine Exekutivgewalt gibt. Das alte Prinzip der Macht und Gewalt gewinnt indes immer stärker die Oberhand. Schon seit einiger Zeit predigen Experten und Politiker, dass die alte Weltordnung aus dem Ruder läuft. Alles in Ordnung war auf der Welt bisher wohl noch nie – jedenfalls nicht seit dem Auftreten des Menschen. Was aber seit einiger Zeit auf unserem Planeten abgeht, lässt nicht auf eine bessere Weltordnung hoffen. Im Gegenteil: Der Stärkere nimmt sich mit Gewalt das, was er will, der Mächtigere überrollt den Schwächeren, es wird getötet, bombardiert, mit Drohnen geschossen, erobert, geplündert und zerstört. Es geht rückwärts, zurück zu Kain und Abel.

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Josef Laner
Josef Laner

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