Rene Kuppelwieser

Wer kann mir nächste Woche mein Heu pressen?

Publiziert in 4 / 2006 - Erschienen am 22. Februar 2006
Ein teurer Maschinenpark, der kaum kostendeckend eingesetzt werden kann, und der Stress gewaltiger Arbeitsspitzen prägen heute vielfach das Bild unserer bäuerlichen Landwirtschaft. Es braucht daher eine geistige Neuorientierung besonders in der Mechanisierung. Die Maschinenringidee der Kostenersparnis ist eine intelligente Antwort besonders für kleine Betriebe, die durch überbetriebliche Nutzung von modernster Technik ihre Wirtschaftlichkeit verbessern und dadurch ihr Überleben sichern. „Der Vinschger“ hat mit Rene Kuppelwieser, dem Geschäftsführer des Maschinenringes Vinschgau ein Gespräch geführt: „Der Vinschger“: Was ist ein Maschinenring? Rene Kuppelwieser: Ein Maschinenring ist ein Zusammenschluss von Landwirten zur überbetrieblichen Auslastung der in Privatbesitz befindlichen Maschinen gegen Bezahlung. Der Maschinenring hat keine eigenen Maschinen, sondern vermittelt sie an die Mitglieder. Er ist keine Maschinengemeinschaft, er erzielt keinen Gewinn und sichert die Zukunft Ihrer Betriebe. Im Maschinenring herrscht der Grundsatz der Freiwilligkeit: Jeder kann, keiner muss! „Der Vinschger“: Was macht der Maschinenring? Rene Kuppelwieser: Ziel und Zweck des Maschinenringes ist es, den Austausch von Dienstleistungen unter den Landwirtschaftsbetrieben der Mitglieder zu fördern und die wirtschaftliche Lage der Mitglieder zu verbessern. „Der Vinschger“: Wie sieht das konkret aus und was bietet der Maschinenring? Rene Kuppelwieser: Das Mitglied kann einerseits das Risiko bei der Anschaffung neuer und teurer Maschinen mindern, indem er sie besser auslastet. Für das Mitglied öffnen sich neue Einkommensmöglichkeiten in seinem bäuerlichen Umfeld. Zum andern kann das Mitglied stets den technischen Fortschritt nutzen, ohne selbst Maschinen zu kaufen, indem er die aktuellste Technik oder Spezialkenntnisse eines Berufskollegen nutzt. „Der Vinschger“: Wer kann Mitglied des Maschinenringes werden? Rene Kuppelwieser: Mitglieder des Maschinenringes können Einzelpersonen, Gesellschaften oder Körperschaften sein, die Besitzer oder Inhaber von landwirtschaftlichen Gründen sind. Der Mitgliedsbeitrag für Bauern kostet 25 Euro, für Gesellschaften, Gemeinden oder Körperschaften 100 Euro jährlich. Der Mitgliedsbeitrag beinhaltet gleichzeitig eine Haftpflichtversicherung gegen Dritte, welche ungewollte Schäden bei der Ausführung der Maschinenring-Tätigkeit abdeckt. „Der Vinschger“: Wie ist die steuerrechtliche Situation geklärt? Rene Kuppelwieser: Unter Mitgliedern des Maschinenringes können unter folgenden Voraussetzungen steuerfreie Arbeiten bis zu einer Höchstsumme von 25.822, 84 ? pro Kalenderjahr erbracht werden: Auftraggeber und Auftragnehmer müssen beide Mitglieder desselben Maschinenringes sein. Der Auftragnehmer muss Selbstbebauer sein und seinen Betrieb im Berggebiet haben. Ganz Südtirol ist als Berggebiet anerkannt. Der Selbstbebauer darf für die Ausführung der Arbeiten nur die eigene Arbeitskraft sowie jene seiner Familienmitglieder verwenden, die ständig im Betrieb arbeiten und bauernversichert sind. Es dürfen nur Maschinen und Geräte benutzt werden, die im eigenen Besitz sind. „Der Vinschger“: Wie erfolgt die Vermittlung und Bezahlung? Rene Kuppelwieser: Das Maschinenringbüro gilt als Zentrale Vermittlungsstelle, in der Praxis werden die meisten Arbeitseinsätze unter den Bauern selber vereinbart. Die überbetrieblich geleisteten Arbeiten werden nach klaren Richtpreisen rasch und unbürokratisch abgerechnet. „Der Vinschger“: Inzwischen wurde das gesamte Land mit Maschinenringen abgedeckt. Wie werden die Strukturen in den Bezirken genutzt? Rene Kuppelwieser: Im Pustertal und Eisacktal funktioniert der Maschinenring bereits gut; dort waren zum Jahreswechsel 762 bzw. 716 Mitglieder eingetragen. Das Burggrafenamt mit 215 Mitgliedern und der Vinschgau mit 145 Mitgliedern Anfang Jänner hinken noch nach. Wir werden in nächster Zeit bei Informationsveranstaltungen auch im Vinschgau verstärkt um Mitglieder werben. Interview: Ingeborg Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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