Barbara und Thomas Moriggl bei der Empfangsfeier

Barbara Moriggl über ihre Freuden und ihre Enttäuschung

Publiziert in 5 / 2006 - Erschienen am 8. März 2006
„Der Vinschger“: Barbara, herzliche Gratulation zu deiner Teilnahme an den Olympischen Spielen. Für dich kam diese sehr überraschend. Welche Vorbereitungen musstest du kurzfristig treffen? Barbara Moriggl: Um überhaupt bei den Olympischen Spielen teilnehmen zu können, muss jeder Athlet eine sehr strenge sportärztliche Visite in Rom absolvieren. „Der Vinschger“: Und dann folgte die Einkleidung? Was befand sich alles in deinem Olympiakoffer? Barbara Moriggl: Dabei war der bekannte silberfarbene Mantel, Trainings- und Rennanzüge, Strümpfe, Socken usw. Ich habe aber nicht alles erhalten. „Der Vinschger“: Einige Nationen verteilten auch Unterwäsche und Kondome… Barbara Moriggl: Davon habe ich nichts gesehen. „Der Vinschger“: Vier Tage vor dem Rennen bist du in Pragelato angekommen. Wie war die Stimmung? Barbara Moriggl: Die Stimmung war allgemein gut. Manche Athleten haben sich darüber beschwert, dass nicht alle Langläufer im selben Ort untergebracht waren. So kam nicht wirklich eine Olympiastimmung auf wie beispielsweise in Sestriere, wo sich bekannte Skistars tummelten, so der Partygänger Body Miller. „Der Vinschger“: Neben Partys stand für dich auch ein Rennen auf dem Programm. Wie hast du die Stunden davor erlebt? Barbara Moriggl: Ich war froh, dass ich dabei sein durfte. Ich verspürte jedoch kaum einen Druck und war locker drauf. Wie schnell ein Athlet jedoch unter Druck gerät wurde mir bewusst, als etliche Presse- und Fototermine angesagt waren. „Der Vinschger“: Dein Fanclub war mit einigen Leuten angereist. War das für dich wichtig? Barbara Moriggl: Natürlich. Ich hatte schon am Morgen von anderen Athleten gehört, dass da einige mit „Barbi“-Tshirts rumlaufen. Dann beim Einwärmen sah ich sie am Pistenrand. So fühlt man sich in jedem Fall mehr motiviert. Während dem Rennen spürte ich dann, dass auch die italienischen Fans mich anfeuerten. „Der Vinschger“: Was denkt man während dem Rennen seines Lebens? Barbara Moriggl: Man gibt einfach alles! „Der Vinschger“: Du hast um eine mickrige Sekunde die Qualifikation für den Start um 12.30 Uhr versäumt. Was ging da in dir vor? Barbara Moriggl: Zuerst habe ich mich wirklich geärgert. Eine Sekunde, was ist das schon. Aber in einem zweiten Moment war ich sehr zufrieden mit mir: der 33. Platz in einem Weltklasse-Sprintrennen. „Der Vinschger“: Am Beginn der heurigen Saison hast du laut darüber nachgedacht die Langlaufskier im März endgültig in eine Ecke zu stellen. Wie siehst du dies jetzt? Barbara Moriggl: Im Moment sehe ich wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Zwar läuft mein Sponsorvertrag aus, aber vielleicht findet sich ja ein Vinschger Geldgeber, der mir eine weitere Saison ermöglicht. „Der Vinschger“: Bisher wurde dir der Zutritt zu einer Sportgruppe aufgrund deiner 1,59 m verweigert. Öffnet dir die Olympiateilnahme nun doch eine zweite Chance? Barbara Moriggl: Ich bin zurzeit in Verhandlung, mehr möchte ich jetzt dazu noch nicht sagen. „Der Vinschger“: Trotz vieler Freude ist mit Turin 2006 auch ein Wehrmutstropfen verbunden. Barbara Moriggl: Ja, es tut mir sehr leid, dass mein Bruder Thomas nicht dabei sein konnte. Ich habe mich sehr über die Vorfälle geärgert, denn er hätte sich eine Chance verdient. Er, genauso wie Roland Clara, habe sich intensiv auf die Spiele vorbereitet. Ich verstehe seine Enttäuschung. „Der Vinschger“: Was steht in nächster Zukunft noch an? Barbara Moriggl: Mich reizt die Teilnahme an einem langen Langlaufrennen. Deshalb werde ich beim Engadinermarathon an diesem Wochenende teilnehmen. Und dann finden noch die Italienmeisterschaften statt. Interview: Andrea Kuntner
Andrea Kuntner
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