Stefan Thanei: ein Olympionike aus Burgeis (Pentaphoto)
Stefan Thanei‘s letzte Weltcup-Abfahrt in Chamonix
Seit 7 Jahren hält Simone aus Tartsch Stefan aus Burgeis in Meran den Rücken frei.

Der Vierkämpfer aus Burgeis

Auch als Olympionike lässt sich Stefan Thanei nicht unter Druck setzen.

Publiziert in 5 / 2018 - Erschienen am 13. Februar 2018

Burgeis/Meran - Tata Lorenz und Mama Gabi in Burgeis, Frau Simone und das 8 Monate junge Söhnchen Johan in Meran sind in der 2. Tiefschlafphase, wenn Stefan Thanei in Südkorea zur „Startgate“, zur Starttor, kommt. Am Sonntag, 18. Februar, um 3 Uhr 30 mitteleuropäischer Zeit wird der Burgeiser in Pyeongchang seine Knie gegen die Startklappen drücken. Die Entscheidungsläufe, ob der einzige Vinschger Skicrosser in die nächste Cross-Runde kommt, gehen jeweils über 60 Sekunden. So lange dauert durchschnittlich ein „Vierer-Fight“ auf der 800 bis 1.200m langen Strecke. Für uns gewöhnliche Menschen ein Höllenritt durch Tore, Quergänge, Kurven, über Wellen und Grate, mit Richtungswechseln und Sprüngen. Ein beinharter Vierkampf in Höchstgeschwindigkeit um die Plätze 1 und 2. „Es geht hart auf hart“, erzählte Stefan. „Wir bleiben uns im Rennen nichts schuldig, aber im Ziel klatschen wir uns ab und wünschen uns alles Gute.“ 

Die 32er-Liste

Man sah es dem Burgeiser an, dass er sich auf Korea und auf die XXIII. Olympischen Winterspiele freute. „Ich bin mit 36 Jahren der zweitälteste Teilnehmer unter den 122 Athleten und Athletinnen der italienischen Mannschaft. Im Jahr zuvor habe ich mich schon mal gefragt: Wie lange willst du noch fahren? Aber die Spiele sind wahrscheinlich mein letztes Groß-Event. Nicht dass ich ihnen entgegen gefiebert hätte, sie standen aber immer im Raum“, stellte er fest. Geduldig begann er den Qualifikationsmodus zu erklären. „Bei einem Weltcuprennen dürfen 60 Teilnehmer antreten, die besten 32 Teilnehmer erreichen das Finale, es gibt also 8 „Heats“, in diesem Fall 8 Runden im KO-System. Die 2 Erstplatzierten erreichen die nächste Runde. Nach jedem Weltcuprennen wird eine 32er-Liste nach Punkten erstellt. Um an den Spielen teilzunehmen, verlangt das Olympische Komitee ein Aufscheinen in der 32er-Liste über die 2 vorolympischen Saisonen, dazu eine Platzierung unter den ersten 8 oder 2 Platzierungen unter den besten 16. Im Jänner 2017 habe ich am Watles einen 7. Rang erreicht. Ebenfalls 7. wurde ich in Blue Mountain, Kanada, im März 2017. Einen 12. Platz schaffte ich beim Weltcup im Montafon im Dezember.“ 

Nur kein Druck

Auf die Frage, ob die Qualifikation sein Leben verändert habe, überlegte Stefan länger, schüttelte verneinend den Kopf und meinte: „Gerade darüber habe ich vor kurzem mit meiner Frau gesprochen – wir haben vor 2 Jahren geheiratet – und ich muss ehrlich sagen, so richtig realisiert hatte ich es bis vor kurzem nicht. Als Athlet lebt man von Rennen zu Rennen. Natürlich hab ich mir gesagt, bei den Olympischen Spielen wäre ich gern dabei, aber im Grunde ist es ein Rennen wie jedes andere. Jetzt, kurz davor, wird man darüber angesprochen; in der Zeitung steht es. Plötzlich bekommt man das Material zum Einkleiden. Da wurde mir plötzlich bewusst: Vieles ist jetzt anders. Aber ich lasse alles auf mich zukommen. Man hat mich gefragt, ob ich ein spezielles Vorbereitungsprogramm habe. Habe ich nicht. Mir ist wichtig, nach einer guten Saison nach Südkorea zu fahren.“ Er habe sich mit guten Leistungen qualifiziert, basta, meinte er. Er lasse sich nicht unter Druck setzen. Beim Skicross sei alles offen und es sei vieles möglich, meinte der „Bua vom Matscher Hansl Lorenz“ aus Burgeis. 

Auf Skiern aufgewachsen

Stefan Thanei‘s Ur-Opa kam aus dem Raubritter-Tal Matsch nach Burgeis. Stefan selbst ist auf den Skiern aufgewachsen. Statt den Kindergarten zu besuchen, ging er Ski fahren oder seinen Eltern zur Hand. Damals führten sie die Plantapatsch-Hütte am Watles. Die sportliche Laufbahn ergab sich von selbst. Als 16-Jähriger fuhr er die ersten FIS-Rennen. Im Europacup startete er im Januar 2000. Im Jahr darauf wurde er 10. bei der Juniorenweltmeisterschaft in Crans Montana. Olympische Atmosphäre schnupperte er erstmals als Vorläufer bei den Spielen in Turin 2006 zusammen mit Werner Heel. Es folgten etwa 80 Weltcuprennen in der Abfahrt und im Super G. Seine besten Ergebnisse waren der 8. Platz in Kitzbühl im Jänner 2009 und die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Val d’Isère. Die Spiele in Vancouver verpasste er knapp. Der Einbruch kam im März 2010: „Ich hab mir in Norwegen bei einer Abfahrt das Bein gebrochen. Danach habe ich den Anschluss nicht mehr geschafft. Ich war beim Aufhören“, erzählte er. Zufällig sei er in Innichen mit dem ehemaligen Mannschaftskameraden Kurt Sulzenbacher zusammengetroffen. Sulzenbacher war damals zuständig für die Skicross-Weltmeisterschaft. „Ich durfte dann 2011 und 2012 in Innichen mitfahren und es hat mir von der ersten Minute an getaugt“, erklärte Stefan, Angehöriger der Carabinieri-Sportgruppe mit Sitz in Gröden. Nach dem letzten Training auf der Reiteralm bei Schladming mit Betreuer Andreas Krautgasser aus Innichen und mit Skitechniker Alberto Morandini aus Predazzo sind Stefan und sein Mannschaftskollege Siegmar Klotz aus Pawigl am Mittwoch, 14. Februar nach Korea geflogen. 

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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