Lukas Mazagg mit seinen Eltern Michaela und Richard
Nach der Vertragsunterschrift für den SV Meppen: Lukas Mazagg (links) und SVM-Sportvorstand Heiner Beckmann.

Glurnser schafft Sprung in die 3. Bundesliga

Lukas Mazagg kickt beim SV Meppen. Den Traum vom Profi somit erfüllt. Die Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Publiziert in 11 / 2022 - Erschienen am 14. Juni 2022

Glurns - Von 5.30 bis 6.30 Uhr im Kraftraum, Frühstück, von 8 bis 10 Uhr Individualtraining auf dem Fußballplatz, von 10 bis 16 Uhr Schule mit Mittagspause und dann bis 18 Uhr Mannschaftstraining: das war der Alltag, als Lukas Mazagg als 12-Jähriger ans DFI (Deutsches Fußball Internat) in die Nähe von Rosenheim wechselte. Dort spielte er Fußball und besuchte die Fachoberschule, die er 5 Jahre später mit dem Abitur abschloss. Mittlerweile hat der Glurnser nicht nur das Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit dem Bachelor abgeschlossen, sondern auch einen Zweijahresvertrag beim SV Meppen unterschrieben. Der 22-jährige Innenverteidiger steht somit bei einem Verein unter Vertrag, der in der dritten Liga spielt, der dritthöchsten Spielklasse im Meisterschaftssystem des deutschen Vereinsfußballs. Für Lukas Mazagg ist der Wechsel vom Regionalligisten SV Wacker Burghausen, wo er zuletzt gespielt und eine super Saison hingelegt hat, zum SV Meppen ein riesiger Schritt seiner bisherigen Fußballkarriere.

„Immer den Ball zwischen den Füßen“

Der eingangs geschilderte Fußball- und Schulalltag von Lukas spiegelt nur eine der Episoden wider, durch die sich der Glurnser „durchgebissen“ hat, um sich seinen großen und einzigen Kindheitstraum zu erfüllen, nämlich Profifußballer zu werden. „Schon als Kind hatte Lukas immer einen Ball zwischen den Füßen“, erinnern sich seine Eltern. Der Wunsch, Fußballer zu werden, war so stark, dass Lukas schon im Alter von 12 Jahren nicht mehr davon abzuhalten war, das Deutsche Fußball Internat (DFI) in Bad Aibling in Bayern zu besuchen. Dort blieb er für eine Dauer von 5 Jahren, ehe es ihn für 2 Jahre nach Würzburg und im Anschluss für drei Jahre nach Burghausen zog.

Voller Rückhalt der Familie

Dass Lukas seit jeher an seinem Traum festhalten und ihn auch umsetzen konnte, hat er seinen Eltern zu verdanken. „Es war nicht leicht, ihn schon als Zwölfjährigen ‚ziehen’ zu lassen und es war auch nicht leicht, ihn auf seinem Weg zu unterstützen und zu begleiten“, stimmen Michaela und Richard überein. Sie erinnern unter anderem daran, dass der Besuch des Deutschen Fußball Internates jährlich eine Stange Geld kostete. Trotz zweier Anfragen habe es seitens der Südtiroler Sporthilfe nie eine Unterstützung gegeben. Zumal sich Lukas aber nicht nur zunehmend auf dem Fußballrasen bewährte, sondern auch in der Schule glänzte, kam er in den Genuss verschiedener Schul- und Sportstipendien. Ein herber Schlag ins Gesicht war die Vorgabe des Weltfußballverbandes FIFA, wonach man in Deutschland als Ausländer erst ab dem 16. Lebensjahr an Meisterschaftsspielen teilnehmen kann, weshalb Lukas in dieser Zeit lediglich trainieren und Testspiele bestreiten konnte. Diese Zeiten sind für Lukas aber längst vorbei. Er hat mittlerweile zusätzlich zur italienischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft und verdient sein Geld auf dem Rasen.

Ein geschätzter Linksfuß

Über den Aufstieg von Lukas vom SV Wacker Burghausen aus der Regionalliga Bayern in die 3. Liga wurde auch in den Medien in Deutschland berichtet. „Wir haben Lukas lange und intensiv beobachtet“, wurde der SVM-Sportvorstand Heiner Beckmann zitiert. Man sehe in ihm einen Spieler mit viel Potenzial: „Neben seinem starken linken Fuß bringt er auch eine stattliche Größe mit. Wir trauen Lukas diesen nächsten Schritt in die 3. Liga zu und freuen uns, dass wir ihn für uns gewinnen konnten.“ Lukas ist 1,89 Meter groß und wiegt fast 90 Kilogramm. „Als ich mit 12 nach Deutschland kam, war ich 1,50 Meter groß und wog 43 Kilogramm“, erinnert er sich. Erfolgreich Fußball gespielt hat Lukas nicht nur in Burghausen, sondern zuvor auch bei den Würzburger Kickers II. Auch auf ein Intermezzo beim FC Kufstein kann er zurückblicken. Einen Schlussstrich ziehen möchte Lukas nach seinem Aufstieg von der 5. Liga in die 4. und jetzt in die 3. Liga aber keineswegs: „Ich werde im Dezember 23 und habe jetzt die Chance, mich beim SV Meppen erneut zu beweisen. Nach oben ist alles offen.“

Nicht nur Rosinen

Kein Hehl macht der Glurnser daraus, dass seine bisherige Fußballkarriere auch mit Schwierigkeiten und Tiefen verbunden war: „Es gab auch schwierige Momente und solche werden auch in Zukunft nicht ausbleiben.“ Viel gelernt habe er, auch als Person, von seinem Mentaltrainer Michael Groh, der auch Sportpsychologe ist. „Natürlich gibt es auch immer wieder Enttäuschungen. Man muss lernen, sie wegzustecken, andere damit nicht zu belasten und sofort wieder nach vorne zu schauen“, ist Lukas überzeugt. Auch den Rückhalt der Familie und der Freunde hält er für unersetzlich. Besonders eng befreundet ist Lukas seit der Zeit in Bad Aibling mit Umar Saho Sarho. Lukas: „Wie trafen einander immer wieder auf allen möglichen Fußballfeldern. Jetzt spielt Umar beim FC Wil in der Schweiz und hat ebenfalls seinen Traum verwirklicht. Nur er und ich wissen, durch welche ‚Scheiße’ wir manchmal gegangen sind und was wir alles erlebt haben. Wir haben uns aber nie hängen lassen und uns immer wieder gegenseitig hochgezogen.“ Trotz aller Widrigkeiten und großen und kleinen Steine, auf die er auf seinem Weg stieß, ist Lukas mit dem, was er gemacht hat und macht, überglücklich: „Ich konnte und durfte meine Leidenschaft zum Beruf machen. Das ist das Schönste, was es gibt.“ Ungebrochen eng ist auch die gute Beziehung zu seinen jüngeren Geschwistern Leo und Leni, die verständlicherweise nicht nur glücklich waren, als ihr großer Bruder plötzlich „auswanderte“.

Über 6.000 Zuschauer pro Spiel

Die Kreisstadt Meppen liegt im Westen von Niedersachsen nahe der Grenze zu den Niederlanden. Lukas wird dort ab der kommenden Saison vor Tausenden von Zuschauern spielen. Im Durchschnitt besuchen weit über 6.000 Fans die Hänsch-Arena. „Jetzt bin ich noch auf der Suche nach einer Wohnung. Sobald ich eine gefunden habe, geht es mit meinem Vater mit Sack und Pack nach Meppen“, verriet Lukas Mazagg Ende Mai dem der Vinschger.“ In der 3. Liga spielen übrigens viele bekannte Mannschaften mit: TSV 1860 München, 1. FC Saarbrücken, FSV Zwickau, Dynamo Dresden und viele weitere. Insgesamt spielen 20 Vereine um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Lukas wird alles daransetzen, damit dies dem SV Meppen gelingt, obwohl sich der Verein unlängst vom Trainer Rico Schmitt getrennt hat. - Ein Vorbild hat Lukas auch: dieses ist Sergio Ramos, der ehemalige Kapitän von Real Madrid. Und wer gewinnt die Fußballweltmeisterschaft 2022? Lukas: „Ich tippe auf Belgien.“

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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