Roland Ruepp

Roland Ruepp ist und bleibt ein Vorbild

Publiziert in 9 / 2009 - Erschienen am 11. März 2009
Schluderns/Plaus – Roland Ruepp besticht bereits seit vielen Jahren in ganz Südtirol und auch weit darüber hinaus immer wieder mit seinen bestechenden Leistungen. Der Schludernser bestreitet im Winter den Skilanglauf und den Biathlonsport, im Sommer ist ­Roland auf mit seinem Handbike unterwegs. Die Paralympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 waren für Roland, mit dem Gewinn zweier Goldmedaillen, sein bisher größter sportlicher Höhepunkt. Vor kurzem organisierte die italienische Sportgruppe in Zusammenarbeit mit dem AS Meran und dem Austragungsort ­Martell vom 13. bis zum 15. Februar die diesjährigen Italienmeisterschaften für Körperbehinderte. In einem wahren Krimi setzte sich Roland Ruepp gegenüber seinem ärgsten Konkurrenten, Enzo Masiello, nach einem harten Zweikampf im Sprint durch. „Das Sprintrennen liegt mir, ich mag das Duell Mann gegen Mann, deshalb wollte ich es auch unbedingt gewinnen,“ zeigt sich Roland Ruepp zufrieden. Bei den restlichen Langlaufrennen platzierte sich der Vinschger einmal als Zweiter und einmal als Dritter, im Biathlon-Rennen landete Ruepp ebenfalls auf dem Stockerl. Mit Dorothea Agethle aus Schluderns, die mit zwei zweiten Rängen ebenfalls zufrieden mit sich sein kann, war erfreulicherweise auch eine zweite Vinschgerin in Martell am Start. Mittlerweile denkt der 43-­Jährige auch über ein mögliches Karriereende nach, was die internationalen Bewerbe anbelangt. „Ich denke, mit 44 oder 45 Jahren wird es Zeit, sich vor allem was die Großveranstaltungen anbelangt, zurückzuziehen. Der Trainingsaufwand wird von Jahr zu Jahr größer, vor einigen Jahren musste man nicht dermaßen viele Einheiten absolvieren, um konkurrenz­fähig zu bleiben“, sagt Roland Ruepp. Nach Angaben des Schludernsers nehmen immer mehr Athleten aus Osteuropa an den Rennen für Körper­behinderte teil, die 20 Jahre alt und jünger sind. „Ich habe vor kurzem einmal mit einer russischen Trainerin gesprochen, laut ihren Angaben hat sie ungerechnet 80 Athleten auf der Warteliste, die nur darauf warten, zu den Großveranstaltungen mitgenommen zu werden. Es geht aktuell leider nicht mehr nur darum, dass jeder, der Lust hat bei den Paralympics dabei zu sein, fix dabei ist, sondern man qualifiziert sich mittlerweile nur mehr über die dargebotenen Leistungen und das stimmt mich schon ein wenig nachdenklich. Außerdem sind manche Strecken mittlerweile so schwer angelegt, dass nicht mehr alle Starter im Stande sind, die jeweiligen Parcours zu überwinden“, so Ruepp. Es bleibt somit zu hoffen, dass die Paralympics in Zukunft wieder mehr zu ihrer eigentlichen Bestimmung zurückzukehren, damit auch alle Sportbehinderten die Chance erhalten, bei Großveranstaltungen teilzunehmen und darauf hinzutrainieren. Laut Ruepp spielt dabei sicherlich auch das doch hohe Preisgeld, beispielsweise bei Olympischen Spielen, eine große Rolle. Sollten Schwerstbehinderte in den nächsten Jahren noch weniger zum Zuge kommen, als im Moment, dann haben die Behindertenwettkämpfe ihren wahren Sinn und Zweck leider verfehlt. Der Schludernser nimmt durch seine Leistungen, seinen Trainingsfleiß und seine Bescheidenheit sicher eine sehr wichtige Vorbildfunktion in unserer Gesellschaft ein und trägt zudem zur Sensibilisierung der Bevölkerung zu behinderten Menschen bei. Leider ist es mit dem Nachwuchs bei den Körperbehinderten schlecht bestellt. Claudia Schuler aus Plaus ist mehr oder weniger die einzige junge Vinschgerin, die wirklich aktiv bei Wettkämpfen teilnimmt. Im Sommer ist die junge Vinschgerin im Handbike aktiv, im Winter nahm sie das erste Jahr am Monoski teil und das mit den ersten beiden Italienmeistertiteln auch überaus erfolgreich. „Für Arbeitsinvaliden wurde erst kürzlich ein einwöchiger Kurs zum Gratis­tarif organisiert, bis auf zwei ­Personen, hat sich aber niemand gemeldet. Oftmals geht es den Leuten sicher zu gut, anderersteits gibt es heutzutage auch für Menschen mit Behinderung viel mehr Möglichkeiten“, stellt ­Ruepp abschließend klar. Nach der heurigen WM im ­finnischen Vuokatti, wo ­Roland Ruepp den 16. Platz einnahm, wird er sein Hauptaugenmerk noch einmal auf ­Vancouver 2009 legen, wo er dann noch einmal zuschlagen und seine große Karriere auf der internatio­nalen Bühne beenden möchte.
Rudi Mazagg
Rudi Mazagg

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