Landwirtschaft heute
Im Bild links der fast voll besetzte Saal im Kulturhaus in Schlanders

Auf vieles ist zu achten

Publiziert in 7 / 2017 - Erschienen am 1. März 2017
Grundsatzrede von Siegfried Rinner bei SBB-Bezirkstagung. Relativ stabile Milchpreise. Durststrecke im Obstbau. Schlanders - Was erwartet sich die Gesellschaft von der Landwirtschaft? Was kann die Landwirtschaft leisten? Wo stoßen die Ansprüche an die Landwirtschaft an ihre Grenzen? Worauf muss die Landwirtschaft derzeit besonders achten? Mit klaren Antworten auf diese und weitere Fragen wartete bei der Bezirkstagung des Bauernbundes am 22. Februar im nahezu voll besetzten Saal des Kulturhauses in Schlanders der Bauernbunddirektor Siegfried Rinner auf. Grundsätzlich hielt er fest, dass die Landwirtschaft nie für sich allein betrachtet werden kann und soll, sondern immer als Teil des Gesamten. Landwirtschaft schafft Kulturlandschaft Es ist die Arbeit der Bauern, die Kulturlandschaften schafft und verändert. Ohne die landwirtschaftliche Bearbeitung gäbe es keine Kulturlandschaft. „Der Erhalt der typischen Kulturlandschaft ist eng mit der Land­bewirtschaftung verbunden“, sagte Rinner. Die Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft werden allerdings immer größer und vielfältiger: „Die Gesellschaft will nicht nur qualitativ hochwertige Produkte, sondern auch umweltschonende und biologische Anbauweisen.“ Noch nie seien Lebensmittel so sicher und gesund gewesen, wie dies heute der Fall sei, gab sich Rinner überzeugt. Bestimmte Diskussionen in diesem Bereich seien daher an den Haaren herbeigezogen. Auf der Suche nach Kompromissen Die ureigenen Aufgaben des Bauernbundes sieht Rinner in der Unterstützung der landwirtschaftlichen Arbeit und im Schutz des bäuerlichen Eigentums. Der Bauernbund bemühe sich, im Spannungsfeld zwischen dem Schutz und der Sozialpflichtigkeit des Eigentums gute Kompro­misse zu finden. Um das Finden von Kompromissen gehe es auch in den Bereichen Freizeitnutzung, Boden und Wasser, Planungen sowie Natur und Landschaft. „Auf diese Punkte müssen wir mehr denn je achten“, so der Bauernbunddirektor. In Sachen Freizeitnutzung sei es weitgehend gelungen, mit Hilfe von Rahmenvereinbarungen Nutzungsregeln festzulegen, „wobei das Interesse des Eigentümers an erster Stelle steht, gefolgt vom Interesse der Instandhalter von Wegen und Trails und jenem der Nutzer.“ „Koloss“ Alperia Zumal der Boden und das Wasser die zwei Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft seien, kann die Kompromissbereitschaft bei diesen Themen auch an ihre Grenzen stoßen. Rinner bezog sich u.a. auf den neuen Wassernutzungsplan. Nicht abgehen wolle der Bauernbund von der Forderung an die Stromwirtschaft, für die Landwirtschaft mehr Wasser freizugeben. ­A­llerdings sei die Alperia zu einem „Riesenkoloss“ angewachsen und man tue sich schwer, mit diesem Koloss überhaupt ins Gespräch zu kommen. Bei der SEL war das laut Rinner einfacher. Bekräftigt hat ­Rinner seine Überzeugung, dass es günstiger wäre, im derzeit neu entstehenden Gesetz „Raum und Landschaft“ die zwei Bereiche Raumordnung und Landschaftsschutz zu trennen. Für starke Vertretung in Gemeinderäten Zumal die Gemeinden in Zukunft mehr Zuständigkeiten bekommen werden, wird es laut Rinner noch wichtiger, dass in den Gemeinderäten und Ausschüssen eine starke bäuerliche Vertretung präsent ist. Bezüglich des Nationalparks und der Übertragung der Verwaltungskompetenz an das Land warnte er vor zu großen Hoffnungen: „Niemand soll glauben, dass im Park in Zukunft alles möglich ist.“ Es werde weiterhin Einschränkungen geben. Den vom Staat zuerkannten Spielraum wertet er als „äußerst eng“. Das bedeute aber nicht, dass es seitens der Landwirtschaft kein Interesse geben sollte, „mitzuarbeiten und gemeinsam das Beste daraus zu machen.“ Kein Freilichtmuseum Die Landwirtschaft ist laut Rinner kein Freilichtmuseum im Dienst des Landschafts- und Naturschutzes, sie ist keine Folklore und auch nicht ein starres Festhalten an althergebrachten Bewirtschaftungsmethoden. Wohl aber sei sie die Lebensgrundlage für 20.000 bäuerliche Familien sowie ein Grundpfeiler der Regionalpolitik für den ländlichen Raum, sprich den Erhalt von Wohn- und Wirtschaftsräumen. Das Landwirtschaftsjahr 2016 Auf das Landwirtschaft 2016 blickte Bezirksobmann Raimund Prugger zurück. Die Milch­preise seien relativ stabil geblieben, „während die Durststrecke beim Obst weiter anhält.“ Nicht unerwähnt ließ Prugger die Frostnacht vom 27. auf den 28. April. Der Qualität der Äpfel habe der Frost teils arg zugesetzt. Starke Einbrüche verursachten die Frostschäden bei den Marillen und Kirschen. Im Sommer kam außerdem noch die Kirschessigfliege dazu. „Wenn hier die Forschung nicht weitergeht, könnten wir ernste Schwierigkeiten bekommen“, warnte Prugger. Als gut bezeichnete er die ­Gemüseernte und die dafür erzielten Preise. Auch die Weinbauern können auf ein gutes Jahr zurückblicken. Es kommen jährlich 2 bis 3 Hektar neue Anbauflächen dazu. Angesichts der hohen Rotwilddichte am Sonnenberg sei Handlungsbedarf gegeben. Man habe mit der Jägerschaft eine schrittweise Reduzierung des Rotwildes vereinbart. „Von heute auf morgen lässt sich das Problem allerdings nicht lösen“, so Prugger. Keine Freude mit dem Wolf Wie Prugger unterstrichen auch Siegfried Rinner und ­Bauernbundobmann Leo ­Tiefenthaler, dass der Wolf alles eher als willkommen ist. Sollten sich Wolfrudel bilden, käme es zu Rückschlägen in der Almwirtschaft. Das Einzäunen von Almen und andere Maßnahmen stellten die Redner schlichtweg als lächerlich hin. Der Wolf war auch der Grund, warum Landesrat Arnold Schuler nicht zur Tagung kommen konnte, denn um das Thema Wolf ging es am selben Tag auch bei einem Treffen in Rom. Tiefenthaler informierte auch über mehrere Landesgesetze, die heuer verabschiedet werden sollen und die Landwirtschaft direkt betreffen: das Gesetz zur „Sozialen Landwirtschaft“, das neue Höfegesetz sowie das neue Urbanistikgesetz, „bei dem es einige Dinge gibt, die uns nicht ganz passen und bei dem wir auf die Unterstützung der Landtagsabgeordneten Sepp Noggler, Maria ­Hochgruber ­Kuenzer, Albert Wurzer und ­Oswald Schiefer setzen können.“ „Auf Heumilch setzen“ Über die Entwicklung der Milchpreise in Italien, auf Europaebene und in Südtirol, speziell nach dem Ende der Milchquote, informierte Joachim Reinalter, der Obmann des Sennereiverbandes Südtirol. Nach dem Fall der Quote sei es in vielen Staaten zu einer Überproduktion gekommen, was die Milchpreise zum Teil stark sinken ließ. In Deutschland und anderen Ländern hätten sich die Preise Hand in Hand mit der Drosselung der Pro­duktion wieder etwas erholt. Vor allem in Deutschland, aber nicht nur, sei speziell die Biomilch im Aufwind. Reinalter gab aber zu bedenken, dass auch die Biomilch mengenmäßig an die Grenze stoßen könnte. Seiner Ansicht nach sollte daher in Südtirol eher auf Heumilch gesetzt werden. Zur Milchwirtschaft in Südtirol konnte Reinalter insgesamt mit positiven Daten aufwarten. Weiter im Vormarsch sei zum Beispiel die Joghurt-Produktion. „Wir werden alles daran setzen, die Milchpreise in Südtirol weiterhin so hoch wie möglich zu halten,“ sicherte Reinalter zu. Als neue Herausforderungen nannte er eine noch stärkere Nachhaltigkeit sowie das Tierwohl. Reinalter: „Es ist der Markt, der das will. In Deutschland und anderen Ländern gibt es immer mehr Kühe, die wieder Hörner tragen.“ „Genehmigungsverfahren dauern viel zu lange“ Harsch kritisiert hat Paul Wellenzohn, der Präsident des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau, im Rahmen der Diskussion die langen Wartezeiten für die Genehmigungsverfahren von Beregnungsprojekten und von Wasserkonzessionen. Auch mit Beispielen warte er auf: „Das Projekt für eine Wasserableitung aus dem Laaser Tal haben wir bereits 2012 eingereicht, aber weitergekommen sind wir mit diesem 5-Millionen-Euro-Projekt bis heute nicht.“ Ähnliches gelte für das Beregnungsprojekt auf der Schludernser Ebene: „Wir können bald nur mehr Papiere, Dokumente und Gesuche stapeln und ohne Ergebnis archivieren. So kann es nicht mehr weitergehen.“ Der Regionalassessor Sepp Noggler sicherte zu, dieses Anliegen den zuständigen Landesräten Arnold Schuler und Richard ­Theiner zu unterbreiten. Nicht nur unter sich Die Bezirkstagungen des Bauernbundes sind schon lange keine Veranstaltungen mehr, bei denen die Bauern sozusagen nur unter sich sind. Auch heuer haben neben vielen Bäuerinnen und Bauern sowie Vertretungen aller bäuerlichen Organisationen auch etliche Bürgermeister sowie Vertreter anderer Wirtschaftssparten an der Tagung teilgenommen, sowie auch Vertreter der landwirtschaftlichen Fachschulen, der Genossenschaften, verschiedener Landesämter und Behörden. Mehrfach gedankt wurde Martin Pazeller, dem ehemaligen Direktor der Landesabteilung Landwirtschaft. Zwei neue Erbhöfe Zu den Höhepunkten gehörte die Verleihung von zwei Erb­hofurkunden. Der Hof „Heiligen“ in Latsch der Familie Roland Permann ist der 16. Erbhof in der Gemeinde Latsch. Zum 9. Erbhof in der Gemeinde Laas wurde der Hof „Neuhaus“ der Familie Roman Trenkwalder in Tanas gekürt. Landesweit gibt es jetzt 1.158 Erbhöfe. Diese Auszeichnung ehrt jene Familien, die seit mindestens 200 Jahren in direkter Erbfolge am geschlossenen Hof festgehalten haben. Sepp
Josef Laner
Josef Laner

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