Bei der Vorstellung des Festivals „suido“ auf dem Tartscher Bühel (v.l): Konrad Meßner, Raphael Agethle, Adrian Gamper, Michael Hofer und Alexander Agethle.

Auftakt mit „a Viecherei“

Neue Festival-Reihe „suido“ vorgestellt. „Innehalten, nachdenken und Impulse geben“.

Publiziert in 11 / 2026 - Erschienen am 10. Juni 2026

Tartsch - „Sui“ (sie) sagt man nur im Vinschgau. Zusammen mit „do“ (hier) ergibt sich „suido“ und genau so heißt die neue Festival-Reihe, zu der die Bürgergenossenschaft Obervinschgau einlädt. Zum Auftakt des einzigartigen und auf 12 Jahre ausgelegten Festivals können sich Einheimische und Gäste heuer in der letzten Septemberwoche auf „a Viecherei“ freuen. So lautet das Thema der ersten „suido“-Auflage, die vom 21. bis zum 26. September in Schluderns stattfindet. Was es mit der „Viecherei“ und dem neuen Festival insgesamt auf sich hat, war am 28. Mai bei einer Pressekonferenz auf dem Tartscher Bühel zu erfahren. „Es ging uns darum, anlässlich des heurigen 10-jährigen Bestehens der BGO einen neuen Akzent zu setzen, um uns selbst und das Territorium weiterzuentwickeln“, sagte Michael Hofer im Namen der Bürgergenossenschaft, die als Trägerin des Festivals fungiert. Bereits in der Vorbereitungsphase ist es gelungen, den Kulturwirt Konrad Meßner (Plawenn) als Kurator, Adrian Gamper als Festival-Koordinator sowie die BGO-Mitglieder Alexander Agethle und seinen Sohn Raphael (Hofkäserei Englhorn in Schleis) mit ins Booto zu holen. Einen besonderen Dank zollte Michael Hofer dem Landesrat Philipp Achammer, dem Schludernser Bürgermeister Heiko Hauser und der Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch, bei denen die Idee des Festivals sofort auf Begeisterung und Zustimmung gestoßen sei.

Die Vison hinter „suido“

Laut Konrad Meßner ist „suido“ mehr als ein reines Kulturfestival: „Es geht darum, innezuhalten, Abstand vom derzeitigen Zustand in der Landwirtschaft und Wirtschaft insgesamt zu gewinnen, zu einem ganzheitlichen Blick zu kommen und zu irritieren. Vor allem aber möchten wir Impulse für eine ganzheitliche, nachhaltige und solidarische Entwicklung im Obervinschgau geben.“ Kultur schließe vieles mit ein: „Das Festival will das kulturelle Engagement als Kitt der Gesellschaft gestalten.“ In diesem Sinn sollen alle Kräfte der Region, sprich die ganze Bevölkerung miteingebunden werden.

Kultur, Symposium, Ausstellung

Dreh- und Angelpunkt der ersten „suido“-Auflage Ende September 2026 ist das Kulturhaus in Schluderns. Das Programm reicht von geführten Wanderungen im Obervinschgau und Musikwerkstätten bis hin zu Wirtshausmusik, Konzerten, kurzen Theatereinlagen, Überraschungsauftritten von Kleinkünstlern und vielen weiteren Angeboten. Zum Rahmenprogramm gehören etwa Brotbacken in einem Ofen, Filmvorführungen, ein Klimaspiel, ein begehbares Buch und weitere Aktionen. Den Veranstaltern ist es gelungen, viele Organisationen und Vereine als Mitwirkende und Mitschaffende zu gewinnen: Grundschule, Seniorenwohnheime, Theaterverband Vinschgau, Musikschule, Bauernbund, Musikkapellen, Fachschule Fürstenburg, BASIS Vinschgau Venosta, Treibhaus Innsbruck und weitere mehr. Besonders erfreut ist man über das aktive Mitwirken der Schludernser Vereine.

Der Stallbau der Zukunft

Als besondere Veranstaltung zum heurigen Thema „a Viecherei“ kündigte Raphael Agethle ein dreitätiges Symposium mit Fachleuten aus dem In- und Ausland aus den Bereichen Landwirtschaft, Architektur, Klimaforschung und Veterinärmedizin zum Thema „Stallbau der Zukunft im Alpenraum“ an. Das geschlossene Symposium wird von Eurac Research moderiert und begleitet. Die Ergebnisse sollen festgehalten und veröffentlicht werden. Für alle zugänglich wird eine bisher einmalige Viehausstellung sein. Es handelt sich um eine Ausstellung ausgewählter Kühe aller Rassen von Reschen bis Laas unter dem Motto „Meine Lieblingskuh“. Die Bewertung erfolgt im Gegensatz zu herkömmlichen Richtlinien und Kriterien nach dem Triple-A-System. Es handelt sich hierbei um ein Bewertungs-Modell, bei dem die Kuh als Ganzes gesehen. Es geht nicht vordergründig um die Milchleistung, sondern auch um Langlebigkeit, Körperbau, Ausgeglichenheit und Skelett.

12 Jahre, 12 Themen

Nach der heurigen „Viecherei“ im September soll das Festival in Zukunft mit jeweils anderen Themen in jeweils anderen Dörfern im Obervinschgau weitergehen. Insgesamt sind 12 Auflagen zu 12 Themen geplant. Im nächsten Jahr steht das Thema „mitnond“ an. Danach sollen „scheinheilig“, „zu truckn“, „holt amol“ und weitere Themen folgen. Detail am Rande: Das Musik- und Kulturfestival XONG, seinerzeit ins Leben gerufen von Konrad Meßner, hatte ebenfalls über 12 Jahre hinweg stattgefunden und 2017 seine letzte Auflage erlebt. 

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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