Die Gäste am Podium in Stilfs: (von links) Christian Knoll, Lucas Pagliarini, Moderatorin Daria Habicher, Barbara Folie und Georg Kaser.

Requiem in Weiß

Das „Sterben der Gletscher“

Publiziert in 10 / 2026 - Erschienen am 19. Mai 2026

Stilfs - Anlässlich der Veranstaltungsreihe „Wertvolle Schätze vor unserer Haustür – entdecken, nutzen, bewahren“, wurde kürzlich der Film „Requiem in Weiß – Das würdelose Sterben unserer Gletscher“ von Harry Putzer im Haus der Dorfgemeinschaft gezeigt. Zahlreiche Interessierte waren gekommen, um den rund 60 Minuten langen Film anzusehen. Harry Putzer war in unterschiedlichen Bergwelten unterwegs in Österreich, Deutschland, in der Schweiz und in Italien, um sich über den immer schneller werdenden Gletscherschwund ausgiebig zu informieren. Der Titel wurde gewählt, da an der Pasterze am Großglockner in Österreich ein „Begräbnis für den Gletscher“ inszeniert wurde mit einer Grabrede und musikalischer Begleitung, eben mit einem Requiem. Der Widerspruch zwischen rasantem Gletscherschwund und touristischer Ausbeutung stand im Mittelpunkt des Films.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, gekonnt moderiert von Daria Habicher, ging es um das Gletschersterben im Ortlergebiet, um dessen Auswirkungen und um Maßnahmen zur Eindämmung der negativen Folgen. Redner waren der Glaziologe und Klimaforscher Georg Kaser, der Geologe Lucas Pagliarini von Alpin Geologie in Meran, die Leiterin der Forststation Prad, Barbara Folie und Christian Knoll, Alpinist, Bergretter, Hotelier und Vizebürgermeister von Stilfs.

Kaser gab einen Überblick über die globale Lage des Klimawandels, der dramatisch seinen Lauf nehme und zum Anstieg des Meeresspiegels führe, zu Gletscherschmelze und Absprengungen im Gebirge aufgrund des Permafrostes. Darauf ging Pagliarini näher ein und bezeichnete das Ortlergebiet als „Hotspot für alpine Dynamik“. Der Permafrost sei ein unsichtbarer Faktor, der als Kleber Lockergestein und Fels zusammenhalte. Schmilzt dieser, dann kommt es zu Klüften und demzufolge kann Gestein abgesprengt werden, Hänge können instabil werden und langsam ins Rutschen geraten. Die Gefahr von Hochwasser steigt. Freigewordene Schwermetalle können bis ins Grundwasser gelangen. Pagliarini merkte in diesem Zusammenhang an, dass es in Trafoi einen Hang gebe, der stark gefährdet sei und unter Beobachtung stehe.

Wälder unter Stress

Folie ging besonders auf die Problematik rund um den Schutzwald ein: „Fichte und Lärche sind im Stress“. Es scheint, als ob die Vegetation einen „Wettlauf“ mache, Almflächen wachsen schnell und Quellen versiegen. Der Spagat zwischen Berglandwirtschaft, Landschaftsdruck und Freizeitdruck sei groß. Knoll berichtete, dass die Wanderwege und die Wege am Berg und Gletschern sich von Jahr zu Jahr ändern und den Winter am Berg unberechenbarer machen. Die Gletscher hätten sich besonders in den vergangenen 25 Jahren zurückgebildet und die Steinschlaggefahr habe sich erhöht. 

Habicher stellte den Experten die Frage, was man gegen den Gletscherschwund machen könne. Folie meinte: „Wir müssen alle unsere Hausaufgaben machen“. Forst- und Landwirtschaft und Zivilschutz seien gleichermaßen gefragt. Der Schutzwald sei sehr wichtig und es gelte, diesen „stabil“ zu halten. Umweltbildung in der Bevölkerung sei voranzutreiben. Knoll sagte, dass der Bergsport anspruchsvoller werde und dem sei Rechnung zu tragen. Was das Ortlergebiet betreffe, sollen Gefahren nicht unterschätzt werden und ein bewusster Umgang mit der Natur sei anzustreben. Touristische Nutzungen sollen gut durchdacht werden. Pagliarini ergänzte, dass kein Risiko gänzlich mit Maßnahmen verhindert werden könne, die Resilienz für das Gebiet solle gesteigert werden, zum Beispiel mit Renaturierung und Sicherung der Hänge. Die Gefahrenschutzpläne in den Gemeinden seien unabdingbar. Kaser sagte: „Alle reden von Anpassung und Maßnahmen“, diese können bei großen Veränderungen aber nicht mehr greifen, da würden die Herausforderungen umso größer.

Daniela di Pilla
Daniela di Pilla

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