Gesundheitswesen im Umbruch
Hubert Messner setzt auf Prävention und appelliert an Eigenverantwortung.
Schlanders - Im Mittelpunkt der erweiterten SVP-Bezirksausschuss-Sitzung, die am 15. Mai im Gamperheim in Schlanders stattgefunden hat, stand das Thema „Gesundheitswesen in Südtirol: Herausforderungen und Perspektiven“. Als Referenten dazu konnten Bezirksobmann Albrecht Plangger und seine Stellvertreterin Irmgard Gamper den Gesundheitslandesrat Hubert Messner begrüßen. Einleitend informierte die Senatorin Julia Unterberger über das kürzlich im Senat in letzter Lesung genehmigte Verfassungsgesetz zur Autonomiereform. Unterberger sprach von einem „ordentlichen Schritt nach vorne“ für Südtirols Autonomie, mit dem man zufrieden sein könne. Über unlängst verabschiedete Landesgesetze berichtete der Landtagsabgeordnete Sepp Noggler. Wieder auf dem Weg befinde sich ein Raumordnungs-Omnibusgesetz, worüber sich die Bauämter „freuen“ werden.
Aufruf zu mehr Eigenverantwortung
Zu den größten derzeitigen Herausforderungen im Gesundheitswesen gehören laut Hubert Messner der demografische Wandel, sprich die Alterung der Gesellschaft, sowie die damit einhergehenden Folgen, wie etwa die Zunahme von Menschen mit chronischen Krankheiten. Auch auf die Gesundheitsausgaben wirke sich das aus. „Für die Betreuung der 31 Prozent Menschen mit chronischen Erkrankungen werden 76 Prozent der Ausgaben verwendet, Tendenz steigend“, sagte Messner. Aus diesem Grund gelte es mehr denn je auf die Eigenverantwortung zu setzen, im Besonderen auf den Lebensstil. Der Prävention sei auf allen Ebenen hohe Priorität einzuräumen, „die beste Vorbeugung ist die Bewegung.“ Grundsätzlich strebe er einen Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen auf mehreren Ebenen an: „Weg von der krankheitszentrierten Nachsorge und hin zu einer gesundheitskonzentrierten Vorsorge. Weg vom krankenhauszentrierten System und hin zu einer wohnortnahen Betreuung.“
Gesundheits-Rufnummer 116 117
Als Bausteine der wohnortnahen Versorgung nannte der Landesrat die Gemeinschaftshäuser, die wohnortnahen Einsatzzentralen und die einheitliche europäische Gesundheits-Rufnummer 116 117, die im Sommer zunächst im Bezirk Bozen und Umgebung als Pilotprojekt aktiviert wird. Die zentrale Gesundheits-Rufnummer soll rund um die Uhr als gut vernetzter Anlaufpunkt für alle nicht dringenden Anliegen von Patientinnen und Patienten dienen.
„Wir nehmen den Hausärzten nichts weg“
Angesprochen hat Messner auch bestimmte „Spannungen“, die es seit Jahren mit den Hausärzten in Südtirol gibt: „Wir nehmen den Hausärzten nichts weg und wollen ihre Autonomie nicht untergraben. Sie sind Freiberufler, beziehen einen Teil des Einkommens vom Staat und haben einen Super-Zusatzvertrag.“ Hausärztliche Dienste sollten aber schon von 8 bis 20 Uhr gewährleistet werden, zumal grundsätzlich daran gearbeitet werde, „Patientenflüsse von den Spitälern zu den Hausärzten zu leiten.“ Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern seien infolge des hohen Anteils nicht dringender Zugänge stark überlastet.
3. Stock noch immer geschlossen
Auch über geplante Neuerungen im Krankenhaus Schlanders und den Ausbau des Sprengels Mals informierte Messner (siehe Seite 9). Was den noch immer geschlossenen 3. Stock im Krankenhaus betrifft, so liege das Problem beim fehlenden Pflegepersonal. „Ist genügend Personal da, wird der 3. Stock sofort wieder in Betrieb genommen.“ Der Landesrat merkte außerdem an, dass die Attraktivität des Krankenhauses sowohl intern als auch nach außen positiv zu vermitteln sei und man den Standort nicht schlechtreden sollte. Zur Frage von Sepp Noggler, wie es um den eventuellen Ankauf ein MRT-Gerätes (Magnetresonanz) für das Krankenhaus Schlanders bestellt ist, meinte der Landesrat: „Die Anschaffung an sich wäre nicht das Problem. Die Frage ist, ob das Gerät auch ausgelastet wird und ob ein turnusmäßiger Radiologie-Dienst gewährleistet werden kann.“