Die Alpen bröckeln

Publiziert in 34 / 2013 - Erschienen am 2. Oktober 2013
Permafrost taut immer stärker auf. Steinschlag und Bergstürze häufen sich. Naturns - Dass die Gletscher schwinden, kann jeder mit freiem Auge beobachten. Nicht so sichtbar ist das Auftauen des ­Permafrosts. Auch dieses Phänomen ist eine Folgeerscheinung der Erderwärmung. Welche Auswirkungen dieses Auftauen in den Alpen hat und noch haben wird, zeigt der Dokumentarfilm „Permafrost: Sprengt er die Gipfel?“ eindrucksvoll auf. Gedreht hat den Film der aus Hamburg stammende Dokumentarfilmer Dennis Timm. Er war von 2009 bis 2011 in den Alpen in Frankreich, Österreich und Südtirol unterwegs und hat unter anderem auch Permafrost-Forschungen im Ortlergebiet sowie in Ulten und im Schnalstal gefilmt und zahlreiche Interviews geführt, so etwa mit Volkmar Mair, dem Direktor des Landesamtes für Geologie und Baustoffprüfung. Am 25. September wurde der Film auf Einladung von Franz Müller, dem Betreuer des Naturparkhauses Texelgruppe, im fast voll besetzten Mehrzwecksaal der Bibliothek in Naturns gezeigt. „Es war nicht leicht etwas darzustellen, was man nicht sieht“, sagte Dennis Timm. Fest stehe, dass das Tauen des Permafrosts die Alpen zum Bröckeln bringe. Als Permafrost bezeichnet man eine Bodenschicht, deren Temperatur in mindestens 2 aufeinanderfolgenden Jahren nicht über 0°C ansteigt. Steigende Temperaturen führen zu einem Auftauen. Gefrorenes Eis zum Beispiel schmilzt und setzt Gestein und Geröll in Bewegung. Wie der Landesgeologe David Tonidandel bei der Diskussion bestätigte, verursachen die Auftauprozesse vermehrt Steinschlag und Bergstürze. Er berichtete unter anderem über Blockgletscher-Forschungen sowie Bohrungen, die im Lazauntal in Schnals durchgeführt wurden. Die Ergebnisse werden in absehbarer Zeit veröffentlicht. Überrascht sei man von hohen Schwermetallbelastungen im Eis. Es stelle sich die Frage, woher diese Elemente kommen. Vom Gestein stammen sie nicht. Eine Sensation sei das Alter des Eises: ca. 9.000 Jahre. Schwermetalle im Eis festgestellt Wenn die Permafrostgrenze weiter steigt - derzeit liegt sie bei ca. 2.500 Höhenmeter - werden sich Steinschlag und größere Felsstürze häufen. Mögliche Auswirkungen und Gefahren des ­Klimawandels waren auch Schwerpunkte bei der Diskussion. Die Folgen und auch Herausforderungen sind vielfältig. Sie reichen vom Schutz von besiedelten Gebieten und Veränderungen des Wasserhaushaltes bis hin zum „Überleben“ von Skigebieten. Nicht zuletzt ist auch die Tourismusbranche betroffen. Wie Franz Müller dem der Vinschger bestätigte, wird es bereits jetzt wegen Steinschlaggefahr immer schwieriger, in bestimmten Gebieten des Naturparks Texelgruppe geführte Wanderungen anzubieten. Auf jene, welche die Wege instand halten, kommen in diesem Bereich neue Herausforderungen zu. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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