Die Fassungsstelle in Stilfser Brücke
Der Prader Bürgermeister Rafael Alber (links) und der Wasserbauingenieur Walter Gostner bei einem der vielen Ortsaugenscheine.
Diese neue, 4-düsige Peltonturbine ist das Herzstück im Krafthaus des Suldenbach-Kraftwerks.
Das umgebaute und erhöhte Krafthaus in der Örtlichkeit Schmelz. Die Außenflächen werden demnächst naturnah gestaltet.
Im Bild (v.l.): Klaus Mair (Inhaber Mair Josef & Co. KG), Klaus Patscheider (Bauleiter Mair Josef & Co. KG), Martin Platzer (Technischer Direktor EW Prad), Hannes Warger (Projektant/Bauleiter Patscheider & Partner), Michael Wunderer (Vize-Obmann/GF EW Prad und einziger Verfahrensverantwortlicher für das Gesamtprojekt), Hofer Michel (Inhaber Hofer Tiefbau GmbH), Alois Reinstadler (Obmann EW Stilfs) und Alexander Mair (Marx Hoch- und Tiefbau AG).
Zufriedene Gesichter am Freitag, 13. Mai, als das neue Suldenbach-Kraftwerk in Betrieb genommen wurde (v.l.): Klaus Wallnöfer (Obmann EW Prad), Michael Wunderer (Vize-Obmann EW Prad, GF), Alois Reinstadler (Obmann EW Stilfs) und Stefan Wallnöfer (Bauleiter Patscheider & Partner)

Die Turbine läuft

Das neue Suldenbach-Kraftwerk ist in Betrieb

Publiziert in 10 / 2022 - Erschienen am 24. Mai 2022

Prad - Für die E-Werkgenossenschaften Prad und Stilfs war der Freitag, 13. Mai, ein Glückstag: nach einer Bauzeit von nur rund einem halben Jahr konnte das neue Suldenbach-Kraftwerk erstmals in Betrieb genommen werden. Zurzeit läuft die neue, 4-düsige Peltonturbine im umgebauten und erhöhten Krafthaus in der Örtlichkeit Schmelz in Prad zwar noch auf „Halbmast“, aber bereits im Juni soll die Stromproduktion auf 100 Prozent hochgefahren werden. Rund 10,5 Millionen Euro haben die Energie-Werk-Prad Genossenschaft und die Elektrizitätswerk Stilfs Genossenschaft anteilsmäßig (zwei Drittel E-Werk Prad und ein Drittel E-Werk Stilfs) in die Potenzierung des „Mühlbachkraftwerks 1“ investiert. „Mit dem neuen Kraftwerk kann die Jahresproduktion von rund 7 auf ca. 21 Millionen Kilowattstunden gesteigert werden“, freuen sich Klaus Wallnöfer, der Obmann der Energie-Werk-Prad Genossenschaft, sowie Michael Wunderer von der Geschäftsführung. Die ersten Weichen für das neue Werk hatte übrigens bereits der Vordenker und Energiepionier Georg Wunderer gestellt, der am 1. Juni 2018 verstorben ist.

3,3 Kilometer lange Druckleitung

Zum Herzstück des Kraftwerks gehört neben der 4-düsigen Peltonturbine, welche die bisherigen 3 kleinen Turbinen (Kaplan, Francis und Pelton) ersetzt, die neue, 3,3 Kilometer lange Druckleitung (1.200 mm), die von der neu errichteten Fassungsstelle mit einem hochmodernen Entsandersystem in Stilfser Brücke bis zum Krafthaus führt. Im Zuge der Umbauarbeiten im und am Krafthaus entstand im Obergeschoss u.a. auch ein Versammlungsraum, der 30 Personen Platz bietet und von wo aus man die neue Peltonturbine über interne Fenster gut im Blick hat. Bei der Fassadengestaltung und zum Teil auch im Inneren des Krafthaues wurde den Materialien Farbtöne gegeben, die sich an die Sandfarben des Trafoi- und Suldenbachs anlehnen. Was derzeit noch fehlt, sind eine naturnahe Gestaltung der Außenflächen beim Krafthaus sowie kleinere Arbeiten im Bereich der Fassungsstelle. Diese und weitere Arbeiten sollen bis zur Eröffnungsfeier im Juli fertiggestellt sein. Um der Bevölkerung das neue Krafthaus zu zeigen, wird es im Juli auch Tage der offenen Tür geben. In punkto Strompreise bestätigten Michael Wunderer und Klaus Wallnöfer dem der Vinschger, dass es gelingen werde, „Wege zu finden, um wieder in etwa auf das Preisniveau hinzukommen, wie wir es vor dem jüngsten Anstieg der Energiepreise hatten.“ Man werde alle Mittel ausschöpfen, wie sie das Gesetz für sogenannte „historische Genossenschaften“, wie es sie in Prad und Stilfs gibt, vorsieht. „Dank des Suldenbach-Kraftwerks sind wir imstande, den Strombedarf der Mitglieder mit unserer Eigenproduktion zu decken“, präzisiert Michael Wunderer. Außerdem handle es sich um saubere und erneuerbare Energie.

„Auslöser“ für großes Mehrzweckprojekt

Wie berichtet, war der Bau der Druckleitung für das neue Kraftwerk der „Auslöser“ für ein Mehrzweckprojekt, wie man es in diesem Ausmaß und in dieser Form im Vinschgau bisher nicht kannte. Hand in Hand mit dem Bau der Druckleitung von Stilfser Brücke bis zur Örtlichkeit Schmelz wurde nicht nur eine neue Beregnungsleitung mit sauberem Wasser aus dem Tramentanbach errichtet (Bonifizierungskonsortium Vinschgau), sondern auch die Trasse für eine Radweg-Aufstiegsspur vorbereitet. Dieses erste Teilstück der Aufstiegsspur soll im Frühjahr 2023 eröffnet werden. Die Planung des zweiten Teilstückes von Stilfser Brücke bis Gomagoi hat die Bezirksgemeinschaft Vinschgau mittlerweile in Auftrag gegeben. Zu den Aufgaben der Gemeinde Prad gehört es, für eine Radweganbindung im Abschnitt Schmelz-Prad-Sponding zu sorgen. Die Gunst der Stunde genutzt hat die Gemeinde Prad auch für die Verlegung einer neuen Trinkwasserleitung, über die in Zukunft Trinkwasser aus Sulden (Rosimquellen) nach Prad geleitet werden soll. Entlang des Abschnitts Sulden-Gomagoi wird die Trinkwasserleitung im Zuge der Errichtung des Abwassersammlers mitverlegt. Zum Mehrzweckprojekt gehörte auch die Versetzung der Staatsstraße an zwei Punkten der „Großbaustelle“ zwischen Prad und Stilfser Brücke.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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