Aufbruch der Bauern
Positive Bilanz und neue Herausforderungen
Am Aschermittwoch wohnten der Veranstaltung etwas weniger Gäste als in den vergangenen Jahren bei.
Bezirksbäuerin Elisabeth Tappeiner mit den Bäuerinnen Daniela Tröger, Klaudia Alber Rechenmacher, Ingeborg Rettenbacher, Tanja Marx Österreicher, Agnes Rettenbacher und Angelika Janser (v.l.)
Matthias Bertagnolli
Joachim Weiss
Werner Messner
Luis Walcher
Maximilian Thurner
Franz Locher
Daniel Gasser

Was Landwirtschaft bewegt 

Innovativ und gut aufgestellt wollen die Bauern dem EU-Gegenwind trotzen und sich den neuen Herausforderungen stellen.

Publiziert in 4 / 2026 - Erschienen am 24. Februar 2026

Schlanders - „Zusammenfassend kann man sagen, dass das vergangene Agrarjahr ein durchwegs positives Jahr war, sei es im Anbau als auch was das Wetter betrifft“, freute sich Joachim Weiss, der Vinschger Bezirksobmann des Südtiroler Bauernbundes (SBB). Auch wenn diesmal weit weniger Plätze als in den vergangenen Jahren im Kulturhaus „Karl Schönherr“ in Schlanders besetzt waren, war eine Art Aufbruchstimmung bzw. zumindest ein positiver Blick in die Zukunft zu erkennen. Trotz so mancher Herausforderungen. Dazu beigetragen hatte neben dem anfänglichen Rückblick sicherlich auch das Programm dieser SBB-Bezirksversammlung am Aschermittwoch, die unter anderem im Zeichen digitaler Herausforderungen und der Landwirtschaft der Zukunft stand. Einer Zukunft, für welche die traditionell innovativen Südtiroler Bäuerinnen und Bauern gerüstet zu sein scheinen. Aber der Reihe nach.

Ein Jahr zwischen
Zuversicht und Weinkrise

Das Jahr 2025 sei ohne große Wetterereignisse verlaufen, blickte Weiss zurück. Lediglich zwei Gewitter mit viel Hagelschlag habe es gegeben, in der Zone Allitz und in der Umgebung von Schlanders. „Dabei wurden auch die Kellerräume des Bezirksbüros überflutet und in Mitleidenschaft gezogen“, erinnerte Weiss. Im Grünland habe es ausreichend Schönwetterperioden gegeben, um das Futter einzubringen und die Städel zu füllen. Somit sind Qualität und Menge gut ausgefallen. Eine gute Grundfutterqualität sei die Voraussetzung für eine gute Milchproduktion. Im Obstbau sei eine zufriedenstellende Ernte eingefahren worden. „Die Qualität der Äpfel war schon seit Jahren nicht mehr so gut“, so Weiss. Einziger Wermutstropfen: „Die kleine Fruchtgröße in den höheren Lagen, vor allem bei den Golden.“ Letzteres sei auf eine kalte und regnerische Phase im Juli zurückzuführen. „Die Kaltwetter- und Regenperiode Ende Juli hat auch auf den Almen dazu geführt, dass die Tiere frühzeitig auf niedrigere Weidegebiete drängten“, erklärte Weiss. Nichtsdestotrotz seien Sennerinnen und Senner in der Lage gewesen, hervorragende Produkte herzustellen, wie bei der Almkäseverkostung in Burgeis festgestellt werden konnte. Auch bei den Sonderkulturen sei es ein zufriedenstellendes Jahr gewesen, wenngleich es vor allem bei Kirschen und Erdbeeren, die Mitte bzw. Ende Juli geerntet wurden, große Herausforderungen gab. Vor allem aber die Erntemenge der Marillen sei nach dem sehr schlechten Jahr 2024 wieder gut gewesen, womit diesmal der Nachfrage nachgekommen werden konnte. In Sachen Vermarktung der Kirschen habe sich vieles getan, so gab es eine Vereinbarung zwischen der VIP und dem Trentiner Agrarkonsortium Melinda. „Ich denke, dies trägt bald Früchte und wirkt sich positiv auf die Auszahlungspreise aus“, so Weiss. Nicht zufriedenstellend sei das Jahr jedoch in Sachen Wein gewesen. „Die Weinkrise hat auch vor dem Vinschgau nicht Halt gemacht, 2025 war auch für die Vinschger Weinproduzenten herausfordernd, sei es in der Produktion als auch in der Vermarktung“, sagte Weiss.

Politischer Gegenwind am Horizont

„Aus politischer Sicht werden uns sicher noch die EU-Agrarpolitik und der mehrjährige Finanzrahmen der Periode 2028 bis 2034 beschäftigen“, so der SBB-Bezirksobmann. Obwohl das EU-Gesamtbudget steigt, gebe es im Hinblick auf die EU-Gelder für den Agrarbereich eine Negativentwicklung. So sei mit einem wesentlichen Rückgang der Förderungen zu rechnen. Die EU verhandelt nämlich über eine Agrarreform ab 2028, die die Verteilung der Fördergelder neu ordnet. Hier gelte es politisch zu intervenieren. Ein weiteres wichtiges Thema bleibe der Pflanzenschutz. Hier stimmte auch Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser in seinen späteren Grußworten ein. An der Agrarreform müsse man dranbleiben und die Zulassungsverfahren der Pflanzenschutzmittel überdenken. Eine Zulassung dauere momentan bis zu acht Jahre. Das könne es nicht sein. „Wenn Mittel vom Markt genommen werden, dann muss schon ein neues parat stehen“, forderte Gasser. Hinsichtlich dieser Themen sei man auch mit den Verbänden nördlich des Brenners in Kontakt.

Der Wolf bleibt ein Reizthema

Ein weiteres hochbrisantes politisches Thema, das bei der Bezirksversammlung nicht fehlen durfte, war das Großraubwild. „Es ist nicht neu, beschäftigt uns aber weiter täglich“, so Gasser. Der Schutzstatus des Wolfs sei zwar durch die EU gesenkt, aber nun müsse dies national auch umgesetzt werden. „Rom bewegt sich kaum“, schimpfte Gasser. Die staatliche Wildbeobachtungsstelle ISPRA hat festgelegt, dass in Südtirol auch heuer zwei Wölfe abgeschossen werden dürfen, staatsweit 160. Dies sei viel zu wenig. Es wirke so, als ob die ISPRA alles dagegen tue, dass etwas weitergehe, zeigte sich Gasser enttäuscht.

Digital fit für die Zukunft

Eine große Herausforderung für die Landwirtschaft sei aber auch die stetige Digitalisierung. Um die Landwirte dahingehend zu unterstützen, gibt es DIGGY – die Anlaufstelle fürs Digitale in Südtirol. Werner Messner stellte die DIGGY-Treffs, die an mehreren Südtiroler Standorten – darunter auch in Schlanders – eingerichtet wurden, vor. Das Motto: „Ich löse meine digitalen Probleme selbst.“ Es gehe um Kleinigkeiten, die oft große Hindernisse seien. Die Bandbreite der Themen sei vielfältig, es gehe um die Nutzung einzelner Apps über die SPID-Einrichtung bis hin zu Terminvormerkungen im Krankenhaus und alles weitere Digitale. „DIGGY“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von SBB, VHS und der KVW-Bildung. Treffen finden wöchentlich in den Bibliotheken statt, angelehnt an den Schulkalender. Mehr Infos dazu gibt es unter www.diggy.bz.it.

Früh an morgen denken

Maximilian Thurner, Leiter des SBB-Patronats ENAPA, referierte über die „soziale Absicherung in der Landwirtschaft“. Es gelte, möglichst früh an die Rente zu denken. „Die Zielgruppe der Veranstaltung heute sind daher eigentlich die Jugendlichen. Gerade die müssen etwas tun“, appellierte Thurner, wobei sich freilich nur wenige dieser Zielgruppe im Publikum befanden. Die Politik habe sehr wohl verstanden, dass die Altersvorsorge schon im Kinder- und Jugendalter beginnen müsse. Thurner stellte verschiedene Modelle vor, wie Zusatzrentenfonds etc. „Je früher jemand anfängt, desto besser steht er im Alter da“, betonte er.

Innovation als Stärke 

Matthias Bertagnolli, der Leiter der Abteilung Innovation & Energie im SBB, referierte über die Zukunft der Landwirtschaft. Es gebe zahlreiche Zukunftstrends, die die Menschen bewegen. Glokal („global und lokal“), Genuss, Qualität, Nachhaltigkeit und natürlich die Gesundheit seien einige wichtige Stichworte. Die Landwirtschaft stehe auch vor großen Herausforderungen, wie dem Klimawandel. Man müsse sich immer wieder anpassen. Die Südtiroler Landwirtschaft sei dabei beispielhaft. „Mit dem Genossenschaftswesen wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine der wichtigsten und zukunftsweisendsten Entscheidungen getroffen“, so Bertagnolli. Noch heute könnten Familienbetriebe damit global produzieren. Die Landwirtschaft in Südtirol sei somit schon immer innovativ gewesen und ist dies auch heute. Bertagnolli zeigte einige Beispiele auf, wie neue Technologien zum Einsatz kommen können, um die Arbeit zu erleichtern. Ein Beispiel: Traktoren, die neben ihrer üblichen Arbeit auch noch GPS-Daten mit ihren GoPros sammeln. Künstliche Intelligenz wertet diese aus und erstellt eine präzise Karte von Obst- und Weinbauflächen – eine Art digitaler Zwilling, der jede einzelne Pflanze samt Ertrag, Blütenstatus und Gesundheitszustand sichtbar macht und beobachtet. Bertagnolli rief die Landwirte dazu auf, sich mit Ideen bei der Abteilung Innovation & Energie zu melden. Gemeinsam könne man auch Risiken abwägen.

Klare Worte und gemeinsamer Ausklang

Grußworte überbrachten Landesrat Luis Walcher und Landtagsabgeordneter Franz Locher. Beide unterstrichen die Wichtigkeit der Förderungen. Sollten diese im Zuge der Agrarreform gesenkt werden, müsse der Südtiroler Haushalt eingreifen, betonte Locher. Florian Obkircher, Obmann des HGV-Bezirks Vinschgau/Meran, meldete sich ebenfalls zu Wort und versicherte, dass der HGV alles für eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus tue. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser wies auf die Landesversammlung am 28. Februar im Waltherhaus in Bozen hin. „Es ist wichtig, dass ihr dort Präsenz zeigt“, forderte er die Vinschger Bauern auf. Zum Abschluss gab es traditionell ein schmackhaftes Buffet – passend zum Aschermittwoch fleischlos –, zubereitet von Bäuerinnen des Bezirks.

Michael Andres
Michael Andres

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