Es kommt weniger dick als befürchtet

Publiziert in 19 / 2013 - Erschienen am 23. Mai 2013
Bauliche und interne Neuerungen im Krankenhaus vorgestellt. Sorgen um „Ausdünnung“ in der Chirurgie bleiben. Schlanders - Über den bevor­stehenden Umbau des Bettentraktes und die geplanten internen Neuerungen im Krankenhaus Schlanders wurde am 14. Mai bei einer gut besuchten Bürgerversammlung im Kulturhaus in Schlanders informiert und kritisch diskutiert. BM Dieter Pinggera freute sich, „dass wir heute fast die gesamte Führungsspitze des Sanitätswesens hier haben, um Auskünfte aus erster Hand zu bekommen, denn die Verunsicherung und die Sorgen bei der Bevölkerung, der Ärzte­schaft im Krankenhaus, dem Mitarbeiterstab und bei den Patienten sind groß und sicher berechtigt.“ Er erinnerte an die Spardekrete der Regierung Monti, die Kürzung der Bettenzahl, die Befürchtung der Auflassung des Primariats der Pädiatrie, die Auslagerung der Tumorchirurgie und an weitere Einschnitte. „Man baut nicht etwas um, um dann zu schließen.“ Mit dieser Aussage zerstreute die Bezirksdirektorin Irene Pechlaner alle Zweifel, wonach das Krankenhaus geschlossen werden könnte. Für knapp 17 Mio. Euro wird der Bettentrakt umgebaut. Ressortdirektor Josef March hofft, dass die Arbeiten, die knapp drei Jahre dauern werden, in Kürze beginnen können. Zu einer Verzögerung kam es, weil die zweitplatzierte Baufirma Rekurs gegen die Arbeitsvergabe eingereicht hatte. Im Erdgeschoss entstehen u.a. ein neuer Eingangsbereich, die Tagesklinik und eine Bar als zentraler Treffpunkt. Im ersten Untergeschoss werden der Küchentrakt und die Mensa neu errichtet. Im 1., 2. und 3. Obergeschoss werden je 23 Betten eingerichtet (je 20 Zwei-Bett- und 3 Ein-Bett-Zimmer). Das 4. Obergeschoss bleibt weitgehend unangetastet. Die Bauleitung übernehmen die Ingenieurbüros Pohl sowie Fleischmann & Janser. Wie die Architektin Heike Pohl ausführte, wird in den ersten 18 Monaten der östliche Bereich umgebaut und teilweise erweitert und in der zweiten Bauphase der westliche. In beiden Phasen bleiben jeweils über 60 Betten bestehen. Beeinträchtigungen sind unausweichlich Der Krankenhausbetrieb bleibt während der Bauzeit aufrecht. Das wird zwangsläufig zu teils erheblichen Beeinträchtigungen für die Mitarbeiter (ca. 340) und Patienten führen. Derzeit gibt es insgesamt 128 Betten, nach dem Umbau werden es 116 sein. Laut Landesrat Richard Theiner ist es nicht selbstverständlich, dass die Geldmittel für den Umbau des Bettentraktes gesichert werden konnten. Er erinnerte auch daran, dass von 1988 bis 2004 fast 72 Mio. Euro für den neuen Behandlungstrakt investiert worden sind. OP-Säle besser auslasten Über interne Neuerungen informierte Sanitätsdirektor ­Oswald Mayr. Wie er und Landesrat Theiner zusicherten, bleiben alle fünf Primariate (Innere Medizin, Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie sowie Anästhesie) erhalten sowie auch das Labor, der Dienst für Radiologie und die Zentrale Überwachungs­station. Besser auszulasten sind laut Mayr die 3 OP-Säle. 2012 gab es knapp 2.500 chirurgische Eingriffe, „eine optimale Auslastung hätten wir bei 3.200.“ Daher seien ca. 700 Eingriffe von Meran nach Schlanders zu verschieben. Dafür seien verbindliche Abmachungen zwischen den Primaren beider Häuser zu treffen. Dass Schlanders im Vergleich zu Meran nicht zweitranig behandelt werden darf, wurde mehrfach gefordert. Eine stärkere Zusammenarbeit mit den Hausärzten und weiteren territorialen Diensten wird landesweit angepeilt. Darauf verwies auch Pflegedirektor Robert Peer, der über Neuerungen im Pflegesektor informierte „Wird Chirurgie ausgedünnt? Bei der Diskussion wurde mehrfach zu Bedenken gegeben, dass mit der Neuordnung der Tumorchirurgie die Chirurgie ausgedünnt werden ­könnte. Landesrat Theiner und Mayr sagten sinngemäß: Wir können nicht überall alle Dienste anbieten. „Wir wollen nicht gute Chirurgen diskreditieren,“ sagte Mayr. Es gehe um Qualität: „Dort, wo Tumor-Eingriffe häufig durchgeführt werden, ist die Überlebensrate um 15% höher.“ Richard Theiner stellte die Ergebnisse einer Umfrage zur Tumorchirurgie vor. Demnach sind fast 80% der Befragten dafür, dass die Behandlung im Fall von Krebs in einem spezialisierten Krankenhaus stattfinden soll. Befürchtet wird auch, dass durch die Einschnitte in der Chirurgie junge Fachärzte nicht mehr bereit sind, Ausbildungsangebote in Schlanders wahrzunehmen. Laut dem ärztlichen Leiter des Krankenhauses, Anton Theiner, müsse es gelingen, im Zuge der Neuorientierung zusätzlich zur Endoprothetik (Hüfte, Knie) neue Schwerpunkte zu setzen, etwa im Bereich der Orthopädie für ältere Menschen oder im Bereich der Augen (grauer Star). „Sind wir in Zukunft noch attraktiv genug, damit junge Kollegen nach Schlanders kommen?“ Darin sieht der ärztliche Leiter die wichtigste Frage überhaupt. Zur Kritik bezüglich Medical Scool meinte der Landesrat: „2013 kommt sie nicht und später nur dann, wenn ein breiter Konsens besteht.“ Der neue Gesundheitsplan hingegen soll noch in dieser Legislatur­periode verabschiedet werden. Dieter Pinggera stellte abschließend fest, dass trotz einiger negativer Entscheidungen die positiven Punkte überwiegen: der Bettentrakt wird umgebaut, die Pädiatrie und die Zentrale Überwachungsstation bleiben, die OP-Säle sollen besser ausgelastet werden, die Zusammenarbeit - auf Augenhöhe - mit Meran wird schriftlich festgelegt. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.