Gescheitelkeiten

Publiziert in 35 / 2014 - Erschienen am 8. Oktober 2014
Es ist schon einige Jahre her, dass mein Lateinlehrer in die Klasse gekommen ist und sich darüber aufgeregt hat, dass die Zeitungen schreiben, der Papst wäre für den Frieden. Auch unsere Putzfrau wäre für den Frieden, aber darüber würde niemand berichten. In der Tat stellt sich die Frage, inwieweit eine Aussage oder ein Argument bedeutsam wird, je nachdem, wer es ausspricht. Natürlich hören wir auf den HNO-Facharzt und nicht auf den Tischler, wenn die Nase tropft, und auf Albert Einstein und nicht auf Luis Durnwalder, wenn es um theoretische Physik geht. Wer auf einem Gebiet exzellent ist, muss es nicht auf einem anderen sein. Aber selbst wenn: Sogar Experten können sich irren (und tun dies auch)! Wenn ich nun über bzw. unter (je nach Zeitung) einem apothekrigen Leserbrief lesen muss, was der Schreiber alles ist, kann und macht – und einiges wenig bis nichts mit dem Inhalt des Briefes zu tun hat –, dann werde ich den Eindruck nicht los, dass hier persönliche Eitelkeiten eine nicht unwichtige Rolle spielen. Das macht die ganze Sache suspekt. Rechtfertigungsversuche hin oder her.z
Christian Zelger
Christian Zelger
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.