Gustav Thöni 1970 in Gröden
Gustav Thöni: „Das Skifahren ist mein Leben“
Der einjährige Gustav auf einem Ski-Kinderwagen in Trafoi.

Gustav Thöni wird 70

Skilegende aus Trafoi fühlt sich noch immer relativ jung. „Werde mich sofort impfen lassen“. 

Publiziert in 5-6 / 2021 - Erschienen am 18. Februar 2021

Trafoi - Gustav Thöni aus Trafoi, der in den 1970er Jahren zu den erfolgreichsten Skirennläufern überhaupt gehörte, wird am 28. Februar 70 Jahre alt. Er gewann viermal die Gesamtwertung des Skiweltcups und 24 Weltcuprennen, wurde fünf Mal Weltmeister und gewann bei Olympischen Spielen drei Medaillen (einmal Gold und zweimal Silber). Nach seinem Rücktritt vom Spitzensport feierte er als persönlicher Trainer von Alberto Tomba und als Cheftrainer der italienischen Nationalmannschaft zahlreiche weitere Erfolge.

der Vinschger: Herr Gustav Thöni, herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag, den Sie ihn Kürze feiern. 

Gustav Thöni: Dankeschön! Wie die Zeit vergeht. 70 Jahre. Das klingt ganz schön alt. Dabei fühle ich mich immer noch relativ jung.

Sind Sie als „Junger“ eigentlich schon geimpft?

Nein. Aber tatsächlich zähle ich mit 70 so langsam auch zur Risikogruppe. Sobald ich einen Impf-Termin bekomme, lasse ich mich sofort impfen. Impfen ist Bürgerpflicht! Nur so kommen wir aus der Corona-Krise heraus. 

Apropos Corona. Wie stark sind Sie von der Pandemie betroffen?

Wir sind eine alteingesessene Hoteliers-Familie. Wirtschaftlich gesehen ist Corona eine Katastrophe. Meine älteste Tochter Petra führt unser Bella Vista in Trafoi. Das Hotel hat seit Monaten geschlossen und alles steht still. Aber unser Hotel hat zwei Weltkriege überlebt, wir werden auch Corona überstehen. Die Menschen haben das Bedürfnis, wieder zu reisen und werden wiederkommen. Viele Stammgäste haben ihren Urlaub auf den nächsten Winter oder auf den Sommer verschoben. Im Sommer 2020 haben wir bewiesen, dass Hotelbetrieb und Corona funktioniert. Wir müssen alle lernen, mit Corona zu leben.

Sind sie zufrieden mit der Corona-Politik?

Unsere Politiker müssen derzeit eine sehr schwierige Situation bewältigen. Es fehlt allen die Erfahrung auf diesem Gebiet. Jedenfalls haben wir als Betrieb bisher keinerlei Ausgleichszahlungen bekommen, wir müssen das alles vermutlich aus eigener Kraft stemmen. Ich kann auch nicht alle Regeln nachvollziehen. Müssen in einem 50-Seelen-Bergdorf wie Trafoi die gleichen Regeln gelten wie in einer 4-Millionen-Stadt wie Rom?

Stichwort Rom: Italien leistete sich sogar eine Regierungs-Krise …

Da war ich entsetzt. Mario Draghi hat bewiesen, dass er ein Krisen-Manager ist. Er hat vermutlich die richtigen Rezepte, die es jetzt braucht. Man muss ihn nur lassen. Italien braucht jetzt kompetente Leute, die handeln statt reden.

Waren sie in diesem Winter eigentlich Skifahren?

Zu Weihnachten 2020 stand ich, das erste Mal in meinem Leben, nie auf Skiern. Wir haben aktuell einen Traum-Schnee, aber die Lifte haben geschlossen. Normalerweise würde ich mit unseren Hotelgästen jetzt gerade Skifahren – es ist zum Weinen. Aber man muss sich arrangieren. Ich habe mir Tourenski besorgt und ich gehe mit den Fellen hoch, um dann mit Freude abzufahren. Das erinnert mich an meine Kindheit, da hatten wir auch keinen Lift. 

Hatten Sie in ihrer Kindheit Vorbilder?

Mein erstes Vorbild war mein Vater Georg. Er war ein stilistisch perfekter Skifahrer, er gewann als junger Kerl auch mehrere nationale Titel. Später eiferte ich Toni Sailer nach. Er hatte 1956 - damals war ich fünf Jahre alt - bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo drei Goldmedaillen gewonnen. Als Kind hatte ein Buch von ihm unter meinem Kopfkissen: ich habe alle Bildsequenzen genauestens studiert. Übrigens stammen Toni Sailers Vorfahren auch aus Trafoi. 

Am 21. Februar endet in Cortina d’Ampezzo die Alpine Skiweltmeisterschaft 2021. Was verbinden Sie mit Cortina?

In Cortina feierte ich meine ersten Erfolge bei den „Studentenmeisterschaften 1967“. Sehr abenteuerlich war aber die Anreise: Roland Thöni, mein Cousin und ich waren damals im Internat in Meran. Wir mussten vollbepackt mit einem Riesen-Rucksack am Buckel und zwei Paar Ski auf den Schultern mit dem Linienbus anreisen. Zuerst von Meran nach Bozen, dann von dort nach Cortina … es war wie eine Weltreise. Lohn der Mühe: Ich gewann den Slalom an meinem 16. Geburtstag und tags darauf den Riesentorlauf. Nach den Studentenmeisterschaften habe ich mich auf die Spuren von Toni Sailer gemacht, um mir alle Pisten von Cortina anzusehen. Ich war sehr beeindruckt, für mich waren das damals die schönsten Pisten der Welt.

70 Jahre im Schnee: Welches waren Ihre schönsten Erfolge und Erinnerungen?

Da gibt es sehr viele …  das Olympia-Gold von Sapporo 1972 ist was ganz Besonderes. Natürlich auch die Weltmeisterschaften von St. Moritz 1974, wo ich zwei Goldmedaillen holen konnte. Beim Slalom war ich nach dem ersten Durchgang nur Achter – dann ist mir ein Traumlauf gelungen. Spannend war auch 1975 das Finale um den Gesamt-Weltcup in Gröden: Franz Klammer, Ingemar Stenmark und ich waren am Ende der Saison punktegleich. Wir mussten einen alles entscheidenden Parallel-Slalom fahren, vor 40.000 Zuschauern konnte ich schließlich meinen 4. Weltpokal gewinnen. Schöne Erinnerungen habe ich auch an meine Zeit als Trainer von Alberto Tomba – das war eine sehr spannende Zeit.

Was bedeutet Skifahren für Sie?

Das Skifahren ist mein Leben! Als Kinder hatten wir sonst nichts, durch das Skifahren und meine Erfolge, durfte ich ein außergewöhnliches Leben führen. Das Skifahren hat mir, dem kleinen schüchternen Jungen aus dem kleinen Bergdorf Trafoi in Südtirol, die ganze Welt geöffnet.

Wie feiern sie ihren 70. Geburtstag?

Große Feiern waren nie meines. So gesehen kommt mir Corona gelegen (lacht). Ich werden bei uns im Bella Vista in Trafoi im Kreis meiner Familie feiern. Unsere Familie ist gar nicht mehr so klein, meine Frau Ingrid und ich, wir waren Einzelkinder und haben drei Töchter und nun elf Enkelkinder zwischen 18 und 3 Jahren, da ist immer was los. Übrigens neun meiner elf Enkelkinder fahren schon Ski …

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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