Das Jubiläum ist ein wichtiger Meilenstein für Kellermeister Stefan Kapfinger, Obmann Kaspar Platzer und Verwaltungsleiter Hannes Paris.
Die Kellerführungen und Weinverkostungen in Marling und in der City.Vinothek in Meran sind ein absolutes Highlight für Wein- und Sektliebhaber.
Im Jubiläumsjahr sind verschiedene Veranstaltungen geplant, darunter auch spezielle Verkostungen und die „Sparkling Night“ am Freitag, 12.06.2026 in Marling.
Weiterhin ein Magnet für die nationale und internationale Weinbranche: die Vinitaly in Verona.

„Konsequent auf Qualität setzen“

Stefan Kapfinger im Interview. Das Jubiläumsjahr zum 125-jährigen Bestehen.

Publiziert in 9 / 2026 - Erschienen am 5. Mai 2026

Meran - Stefan Kapfinger, Kellermeister der Kellerei Meran, spricht über das Weinbaujahr 2025, die Stärken und Schwächen des Weinbaus im Vinschgau, neue Herausforderungen und Chancen sowie über das 125-jährige Bestehen der Kellerei Meran. 

der Vinschger: Herr Stefan Kapfinger, wie lässt sich das Weinbaujahr 2025 in Sachen Menge, Qualität und Vermarktung auf den Punkt bringen?

Stefan Kapfinger: Die Weinernte 2025 begann im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten wiederrum sehr früh, bereits Mitte August für die Sektpartien, und verlief eng getackt mit einem – im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt –
relativ frühen Abschluss. Eine schnelle und präzise Lese war unabdingbar, um die Trauben zum optimalen Reifezeitpunkt zu wimmen. Die Mengen lagen im Durchschnitt, mit einigen wenigen Sorten-Schwankungen; die Qualität der Trauben ist erfreulich hoch ausgefallen. Der Verkauf von Wein war 2025 auf allen Märkten als sehr aufwändig einzustufen. Das rückläufige Konsumverhalten der Kunden durch den Trend zu weniger Alkoholkonsum war und ist weltweit deutlich zu spüren. Diese Situation stellt jedoch für die gesamte Weinbranche ein Problem dar. Die Verkaufsergebnisse der Südtiroler Kellereien waren - im nationalen wie internationalen Vergleich - jedoch als noch sehr positiv zu bewerten.

Worin sehen Sie die Stärken bzw. Schwächen des Weinbaus im Vinschgau?

Die große Stärke des Vinschgaus liegt in den hochgelegenen Weinbergen und in den Böden sowie in den markanten Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Extreme Bedingungen eben! Und genau daraus entstehen eigenständige, mineralische, langlebige und charaktervolle alpine Bergweine. Das ist unsere große Stärke. Gleichzeitig ist der Aufwand hoch: geringe Wasserverfügbarkeit, Handarbeit und kleinteilige Strukturen machen die Bewirtschaftung aufwendig und kostenintensiv. 

Wo orten Sie die derzeit größten Herausforderung der Winzerinnen und Winzer, mit besonderem Augenmerk auf die Anbauerinnen und Anbauer im Vinschgau?

Die größten Herausforderungen sind sicherlich der Klimawandel mit seinen extremen Wetterereignissen sowie steigende Produktionskosten. Im Vinschgau kommt zusätzlich die Bewässerungsthematik hinzu. Auch der Arbeitskräftemangel spielt eine zunehmende Rolle. Unsere Aufgabe als Kellerei ist es, hier durch Beratung, Planung und gemeinsame Strategien eine solide Orientierung zu geben. Nach Möglichkeit, sofern durchführbar, sollten auch Automatisierungen angedacht werden.

Sehen Sie im Weinbau im Vinschgau weiterhin Entwicklungspotential nach oben?

Ja, vor allem in der Profilierung. Hier liegt unsere Chance: klare Herkunft, eigenständige Weine und gezielte Weiterentwicklung einzelner Lagen. Genau dort setzen wir als Kellerei an. 

Worauf sollten die Anbauerinnen und Anbauer im Vinschgau besonders achten?

Konsequent auf Qualität setzen und Ressourcen – vor allem Wasser – sehr bewusst einsetzen. Die Zukunft liegt nicht in der Menge (Qualität statt Quantität), sondern in der klaren Herkunft und im Profil der Weine. Anpassungsfähigkeit wird in Zukunft wohl auch ein entscheidender Faktor sein.

Wie hat sich die Zollpolitik der US-Regierung unter Donald Trump auf die Vermarktung der Weine der Kellerei Meran bisher ausgewirkt und wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Die Zollpolitik hat für Unsicherheit gesorgt und auch zu einer Zurückhaltung im US-Markt geführt. Wir reagieren darauf mit einer breiteren internationalen Aufstellung und hoffen auf stabilere Rahmenbedingungen. Mittelfristig wird der US-Markt für uns weiterhin ein auszubauender Absatzmarkt bleiben.

Die Kellerei Meran feiert heuer das 125-jährige Bestehen. Wie wird dieses Jubiläum begangen und auf was dürfen sich die Mitglieder und das Publikum freuen?

Die Kellerei Meran zählt zu den führenden Weinproduzenten Südtirols und vereint rund 360 Mitglieder aus dem Burggrafenamt und dem Vinschgau. Entstanden ist sie in ihrer heutigen Form 2010 durch die Fusion zweier Traditionskellereien aus dem Burggrafenamt, ihre Wurzeln reichen 125 Jahre zurück – mit Gründung der Kellereigenossenschaft in Marling im Jahre 1901. 125 Jahre sind ein besonderer Meilenstein. Wir haben deshalb für 2026 mehrere Veranstaltungen über das Jahr hinweg geplant: von exklusiven Verkostungen bis hin zu einem großen Fest für unsere Mitglieder im Sommer. Unser Tag der offenen Türen hat bereits Ende März mit spannenden Verkostungen und Kellerführungen stattgefunden. Diese Events sollen aber keine reine Rückblick-Feste sein, denn wir wollen ein klares Signal nach vorne senden. Das Jubiläum nutzen wir, um unsere Entwicklung als moderne Qualitätskellerei sichtbar zu machen – für Mitglieder und für die Öffentlichkeit.

Was können Sie uns zur „Sparkling Night“ verraten, welche die Kellerei Meran gemeinsam mit der Südtiroler Sektvereinigung und das prickelnde Dorf Marling heuer veranstaltet?

Die „Sparkling Night“ am Freitagabend, 12. Juni 2026 wird ein sommerliches Highlight, und zwar bewusst als offenes, zeitgemäßes Format. Im Mittelpunkt stehen die Südtiroler DOC-Sekte nach der klassischen Methode sowie die Schaumweine des prickelnden Dorfes Marling, begleitet von Musik und sommerlicher Atmosphäre in einem besonderen Ambiente. Ziel ist es, Südtiroler Sekt auf eine lockere und genussvolle Art erlebbar zu machen.

Ein Thema, das in letzter Zeit immer wieder aufs Tapet kommt, ist jenes der alkoholfreien Weine. Was halten Sie davon und wie stark setzt die Kellerei Meran auf alkoholfreie Weine?

Aktuell sehen wir keinen Trend, sondern eine kleine Nische und setzen deshalb momentan noch klar auf klassische-DOC Qualitätsweine. Unser Fokus liegt auf: Herkunft, Terroir und Lagerfähigkeit. Dies lässt sich alkoholfrei derzeit nicht überzeugend abbilden bzw. nicht umsetzten. Technisch ist es noch nicht möglich die typische Weincharakteristik vollständig zu erhalten und der alkoholfreie Tafelwein muss innerhalb einer bestimmten Zeit konsumiert werden. Aber wir beobachten die Entwicklung weiterhin genau.

Welches Resümee ziehen Sie von der Vinitaly 2026 in Verona?

Die Vinitaly 2026 war für uns sehr positiv. Wir konnten internationale Kontakte pflegen und neue Märkte ansprechen. Das Interesse an Südtiroler Weinen ist weiterhin hoch, was uns sehr freut. Die Vinitaly hat einmal mehr gezeigt, dass Südtirol national und international gefragt ist.

Josef Laner
Josef Laner

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