Laas

Publiziert in 13 / 2004 - Erschienen am 1. Juli 2004
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K] [F] Mehr als Marmor [/F] [/K] Ortsnamensbedeutung: Erstmals urkundlich erwähnt 1143 als "Las", Mundart: "Loos", amtl. ital. Name: "Lasa". Die Herkunft des Namens ist noch völlig ungeklärt. Vielleicht liegt die indogermanische Wurzel "Les" zugrunde, die unter anderem "nachlassen", "müde werden" bedeutet. Damit könnte die plötzlich nachlassende Steigung nach Überwindung des Gadriaschuttkegels gemeint sein. Quellen: "Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991 "Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997 "Begegnungen mit dem Marmordorf Laas" von Alois Adolf Luggin diverse Raiffeisen- Jahreskalender Chroniken der Schützen, sowie der Feuerwehr von Laas [/K] [F] Historisches [/F] Funde wie eine Pfeilspitze und Tonscherben lassen eine Besiedelung bereits in vorchristlicher Zeit vermuten. An der Stelle, an der St. Sisinius erbaut worden ist, wird eine urgeschichtliche Kultstätte vermutet. Das Kirchlein selbst zählt zu einem der Wahrzeichen und bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Vinschgaus (Rampold). Hier am Hügel von St. Sisinius standen Kanonen, als 1799 die österreichische Armeeführung Laas in die Verteidigungslinie gegen die Franzosen mit einbezog. In Laas lag die Reserve. Ebenfalls von Bedeutung ist die 1972/73 wiederhergestellte Apsis der Pfarrkirche von Laas. An ihr finden sich dämonische Figuren, die an der Grenze zwischen Heidentum und früher Christianisierung zu stehen scheinen (Rampold). Im Laufe der Zeit fielen Pest, Kriege, Naturkatastrophen und Brände über das Dorf her. So im Jahre 1499 im Engadiner Krieg, als Laas, das damals zwischen 20 und 30 Höfe umfasste samt Pfarrkirche und St. Marx-Kirche, ohne Ausnahme einem verheerenden Dorfbrand zum Opfer fiel. Dies brachte großes Leid und Elend über die vorher schon arme Dorfbevölkerung. Das Gemeindewappen weist auf den weißen Laaser Marmor und dessen Bearbeitung hin. Es wurde nach einem Vorschlag mit einem Beschluss 1966 vom Gemeinderat genehmigt. [F] Dorfzahlen [/F] In Lass leben zurzeit 2032 Menschen. 1838 waren es 1200, Anfang der 70er Jahre des 20. Jh. um die 1600. [F] Dorfleben [/F] Laas ist das Marmordorf. Wer an Laas denkt, denkt meist an diesen wertvollen Stein und tatsächlich sind die Geschicke von Laas immer wieder eng mit dem Marmor und dessen Abbau verbunden. Der Vinschger Marmor ist chemisch ein fast reiner Kalkstein, der wegen seiner Beschaffenheit vor allem für im Freien stehende Statuen nahezu prädestiniert ist. Der Marmor fand seinen Weg in alle Welt, so wählte der bayrische Hofarchitekt Schwanthaler für die Staatsbauten Ludwigs I. ausschließlich Laaser Marmor. Denkmäler aus dem weißen Stein finden sich in Wien, München, Berlin, London, Philadelphia und anderen Städten, so sind unter anderem das Walther-Denkmal in Bozen und das Andreas-Hofer- Denkmal in Innsbruck aus Laaser- bzw. Göflaner Marmor. Die amerikanische Regierung gab in Laas die Herstellung von 84.000 Grabkreuzen in Auftrag für die im Zweiten Weltkrieg in Europa gefallenen nordamerikanischen Soldaten. Dieser Großauftrag bescherte vielen Laasern in einer Zeit vor dem großen wirtschaftlichen Aufschwung Arbeit und ernährte so manche Familie. Der Marmorabbau war bis Ende der zwanziger Jahre des 20. Jh. harte Handarbeit, ebenso die Weiterverarbeitung. Die Laaser begegnen diesem Stein, der bei so manchem Gast für Staunen sorgt, mit einer gelassenen Natürlichkeit. Wer in Laas aufwächst, begegnet diesem Material von Kindesbeinen an. Die Laaser wissen den Marmor sehr wohl zu schätzen, nur ist der Stein im Dorf auf Schritt und Tritt gegenwärtig, so dass er wohl etwas Besonderes, aber auch etwas Alltägliches für die Dorfbevölkerung ist. Diese besondere Beziehung zum Marmor beschreibt Luis Stefan Stecher, ein gebürtiger Laaser, in einem seiner Werke, das vielsagend wie folgt beginnt: "In den Bildern meiner Kindheit sind alle Wege weiß. Marmorweiß. …". Vom Volksbrauchtum ist als lokale Besonderheit das Schellenrennen zu nennen. Am 5. Dezember sammeln sich die Kinder des Ortes mit Schellen und (meist mehreren) Taschen ausgerüstet vor der Mittelschule. Von dort aus ziehen sie lärmend durchs Dorf und erbitten so vor den einzelnen Häusern Süßigkeiten, Nüsse und Früchte. Der genaue Ursprung dieses Brauches ist unklar, vermutet wird er jedoch wie in anderen Dörfern des Vinschgaus, in denen es ähnliche Schellenrennen gibt, in einem heidnischen Ritual. Am Nachmittag des 11. November, dem Tag des heiligen Martin, findet eine Prozession mit anschließender Messe zum Martinskirchlein, das am Eingang des Laaser Tales auf einem Moränenhügel erbaut wurde, statt. Die Kindergartenkinder erwarten die zurückkommende Prozession im Dorf. Dabei ertönt das Lied: "Ich zieh mit meiner Laterne…" weithin hörbar durch die anbrechende Nacht. Das "Josefshaus", im Volksmund oft immer noch Judentempel genannt, wurde zu Beginn des 20. Jh. vom damaligen Pfarrer Nikolaus Malpaga aus eigenen Mitteln erbaut. Ganz nach dem Vorbild Wiener Bauten ist das Josefshaus ein Jugendstil-Gebäude, das christlich-sozialen Zwecken dienen sollte. In den Jahren von 1986 bis 1989 wurde das Gebäude renoviert und dient auch heute wieder der Allgemeinheit, als Theater- und Veranstaltungssaal. Daneben ist eine Kindergartengruppe im Haus sowie Wohnungen. Im Untergeschoss befindet sich das Atelier des Berufslehrgangs für Entwurf und Gestaltung. Neben dem Josefshaus entstand vor einigen Jahren die neue Fachschule für Marmorverarbeitung, die an eine lange Tradition in Laas anknüpft, denn bereits zur k.k.-Zeit kamen Künstler der ganzen Monarchie hier nach Laas. Einst gab es in Laas mehrere Bäder, eines davon, wahrscheinlich das bekannteste, ist "Bad Schgums". Das Bad, das 1555 das erste Mal urkundlich auftaucht, wurde mit seinen Eisen- und Schwefelquellen von Einheimischen und Gästen gerne besucht. So gab es eine fixe Kutschverbindung vom Dorf zu der zwischen Laas und Tschengls gelegenen Badeanstalt, die 1928 abbrannte und nicht wieder aufgebaut worden ist. Hier in Schgums befindet sich heute ein Pferdehof, auf dem sich regelmäßig Pferdefreunde treffen und der mit diversen Veranstaltungen das Dorfleben bereichert. [F] Wanderung Der Weg ins Laaser Tal führt uns direkt an einer Sehenswürdigkeit, dem bereits erwähnten Martinskirchlein vorbei. Diese Stelle war vermutlich ebenso wie der Hügel von St. Sisinius eine Urzeitstätte, worauf diverse Funde hinweisen. Die erste Kirche wird hier 1323 erwähnt. An der Kirche vorbei bringt der Weg uns direkt ins Laaser Tal mit seinen zwei Almen. Der Weg vom Talboden aus ist recht beschwerlich, weshalb Familien gerne bis zum Beginn der Forststraße oberhalb dem Weiler Parnetz mit dem Auto fahren und von dort die gut beschilderte und relativ einfache Wanderung zur oberen Alm antreten. Ein empfehlenswertes Ausflugsziel, vor allem an heißen Sommertagen. [/F]

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