Plaus
Publiziert in 7 / 2004 - Erschienen am 8. April 2004
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K]
[F] In voller Blüte [/F]
Ortsnamenbedeutung: Vor 1170 erwähnt als "de Palude", Mundart: "Plaus", amtl. ital. Name: "Plaus". Der Name ist auf das lateinische "Paludes" zurückzuführen, was soviel wie "Sumpfgelände" bedeutet
Quellen:
„Chronik von Plaus und Birschberg“ von Sebastian Ladurner 1990
"Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991
"Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997
Informationen: Heinrich Kainz
[F] Historisches [/F]
Erstmals erwähnt wird Plaus 1170, als in einer Urkunde die Kapelle zum hl. Ulrich erwähnt wird. Das Dorf selbst taucht urkundlich um 1228 auf. Plaus gilt als eine der ältesten Pfarreien im Vinschgau. Sie bestand schon zur Zeit Karls des Großen. Beda Weber beschreibt in seinen Aufzeichnungen Plaus als einen unwirtlichen Ort. In einer anderen Aufzeichnung findet man: "Bis 1900 war Plaus mit seinen Sümpfen, Fröschen, Enten, Fasanen und Auen ein stagnierendes Aquarium, ein armes Nest, …"
Plaus ist seit 1770 eine eigene Gemeinde.
[F] Dorfzahlen [/F]
1846 hatte Plaus 100 Einwohner in 15 Häusern, 1900 waren es 150. Danach blieb die Einwohnerzahl nahezu konstant bis in die 80er Jahre als das Dorf aus seinem Dämmerzustand erwachte. Neues Bauland wurde ausgewiesen und die Bevölkerungszahl stieg. Momentan leben 573 Menschen in der Gemeinde Plaus.
So konnte Plaus in den 10 Jahren zwischen den beiden Volkszählungen (1991-2001) mit 37,10 % den größten Zuwachs aller Südtiroler Gemeinden verzeichnen.
Plaus ist ein sehr junges Dorf. 30% der Einwohner sind unter 18 Jahre (also beinahe ein Drittel), nur 9% sind über 65 Jahre alt.
Da sehr viele junge Menschen in Plaus leben, wird es auch in Zukunft eine Aufgabe der Verwalter sein genügend Bauland bereitzustellen.
Plaus, Glurns und Kurtinig sind die einzigen Dörfer in der Talsohle, die nicht auf einem Schuttkegel errichtet sind.
[F] Dorfleben [/F]
Wer Plaus besucht ist immer wieder erstaunt über die rege Bautätigkeit im Ort. Tatsächlich hat sich das Erscheinungsbild in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Neben den zahlreichen privaten Neubauten wurden auch viele öffentliche Gebäude neu erbaut oder renoviert. So wurde das Gemeindehaus erst vor einigen Jahren neu errichtet. Der Verwaltungssitz präsentiert sich heute offen und einladend, genau wie der neu gestaltete Dorfplatz. Auch die Schule wurde renoviert, ein Kindergarten daneben neu gebaut. Der Widum wurde saniert und umgestaltet. Heuer steht die Einweihung der neuen Sportzone, der Feuerwehrhalle, sowie des neuen Recyclinghofes auf dem Programm. Für die Zukunft sind die Neugestaltung des Bahnhofsgebäudes geplant, in dem ein Jugendtreff eingerichtet werden soll, sowie eine Erweiterung der Pfarrkirche und des Friedhofes. Moderner ist das Dorf geworden, grad so wie seine Einwohner. Von der einstigen Substanz zeugt lediglich das Pixner- Haus. Ein geschichtsträchtiger Ort. Es war früher nicht nur Wohnhaus, sondern auch Schule und Gemeindehaus. Bei Hochwasser wurden die Kinder sogar mit dem "Zillele" zum Unterricht gebracht.
Das Leben im Dorf ist durch die zahlreichen jungen Familien sehr lebendig, neu zugezogene Familien werden gut ins Dorfleben integriert. Dies spiegelt sich in der regen Vereinstätigkeit wider. Die sehr aktive Bäuerinnenorganisation gestaltet auch das kulturelle Dorfleben mit. Daneben sind Feuerwehr und Sportverein, aber auch andere kleinere Vereine sehr aktiv. Nur Musikkapelle hat das Dorf (noch) keine. Dem neuen Sportplatz kommt neben der sportlichen Funktion eine große gesellschaftliche Funktion zu. Er ist ein Treffpunkt, an dem Gemeinschaft gepflegt wird und neue Kontakte geknüpft werden.
Den Beginn des wirtschaftlichen Aufschwunges stellt die Etschregulierung dar, die 1903 abgeschlossen wurde. Davor wurde das Dorf regelmäßig von Überschwemmungen heimgesucht und handelte sich sogar den Beinamen "klein Venedig" ein. Über die gesamte Talsohle erstreckte sich Sumpfland. Die einstigen fruchtbaren Äcker lagen am Südhang des Berges. Dementsprechend wenige Menschen lebten im einst so kleinen Dorf. Man sprach von Plaus als "die Stadt, die nur sieben Häuser hat." Den Pferden tat dieses Klima offenbar sehr gut, denn wertvolle Rösser wurden zur Kur nach Plaus geschickt. Für seine Pferdezucht wurde Plaus sogar ausgezeichnet. Dennoch blickten die Plauser neidisch auf die umliegenden Berghöfe hinauf, die nicht von Überschwemmungen heimgesucht wurden und deren Besitzer an den Berghängen Getreide anbauen konnten.
Heute blickt wohl so mancher Bauer neidisch hinab ins Tal, wo Apfelanlagen prächtig gedeihen. Durch die Trockenlegung entstand wertvoller Kulturgrund. Hier ist die Talsohle so breit wie sonst nirgends im Vinschgau. Leider ist durch die Trockenlegung auch die einst für Plaus so charakteristische Auenlandschaft verschwunden. Nur zwei kleine Biotope erinnern heute noch daran, wie die Umgebung des Dorfes früher ausgesehen hat. In den Auen lebten unzählige Frösche und Kröten. Ihre Konzerte hallten durch die Sommernächte. Daran soll in Zukunft eine Froschskulptur erinnern, die im Dorf errichtet werden soll.
Neben dem Apfelbau blüht in Plaus auch der Tourismus. Im letzten Jahr gab es 45.000 Nächtigungen, was einem Plus von 15 % im Vergleich zu den letzten Jahren darstellt. Plaus scheint also auch bei den Gästen gut anzukommen. Wen wunderts, durch den Naturnser Tunnel, fällt auch in Plaus der belastende Verkehr weg, denn viele Autofahrer benutzen die Feldwege bei höherem Verkehrsaufkommen. Heute
herrscht Ruhe im Dorf. Der nahe Radweg lädt ein, das Auto stehen zu lassen und sich aufs Fahrrad zu schwingen. Besonders Familien nutzen diese neue Struktur und auch ältere Menschen fahren nun vermehrt Rad.
Die nahe Handwerkerzone stellt für das Dorfleben keine Belastung dar. Hier die verblüffende Antwort auf die Frage, warum sich gerade in Plaus zwei große Speckhersteller niedergelassen haben: Nahe Plaus ist es sehr windig. Früher wurde der Speck zum Trocknen abwechselnd geselcht und dann ins Freie geschoben. Durch den Wind trocknete der Speck sehr schnell und so haben sich Anfang der 70er Jahre durch die idealen Windbedingungen in Plaus gleich zwei Betriebe niedergelassen.
[F] Kunst [/F]
"Tonzn tian miar olle gearn, lai nit mit sou durre Hearrn."
Der Totentanz von Luis Stefan Stecher ist ein Wahrzeichen von Plaus. In 18 Bildtafeln von insgesamt 36 m Länge beschäftigt sich der Vinschger Maler und Poet mit dem Thema Tod. Wie seine Tochter Ulli Stecher treffend beschreibt zeichnet sich dieses einzigartige Kunstwerk durch bewegte, farbige Bilder, die mit einem Schuss Ironie versehen sind, aus.
Fertig gestellt wurde das Werk 2001, geschaffen wurde aber etwas, das bleibenden Charakter hat.