Schluderns
Publiziert in 10 / 2004 - Erschienen am 20. Mai 2004
[K] Fotos: Florian Peer, Text: Andrea Perger [/K]
[F] Churburg, Ganglegg und Haflinger [/F]
Ortsnamensbedeutung: Erstmals urkundlich erwähnt 1163 als "Sluderns", Mundart: "Schludäarns", amtl. ital. Name: "Sluderno". Der Name geht wohl auf "Sludernes" zurück. Bedeutung: "kotiger, schmutziger Grund".
Quellen:
"Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte", von Egon Kühebacher 1991
"Vinschgau" von Josef Rampold, Auflage 1997
Informationen: Robert Ruepp, Franz Lutt
[F] Historisches [/F]
Durch die Grabungsstätte Ganglegg etwas oberhalb Schluderns sowie die Churburg entsteht für dieses Gebiet ein beinahe vollständiges Bild der Siedlungsgeschichte. Die ersten Siedlungsspuren stammen aus der Kupferzeit (3500-2200 v. Chr.), ungefähr ab 1500 v. Chr. begann man eine systematische Siedlung am Ganglegg anzulegen. Obwohl diese Häuser vor nunmehr 3500 Jahren entstanden, zeichnen sie sich durch durchdachte Planung aus. Auf einem Trockenmauersockel wurde die eigentliche Wand errichtet. Dazu wurden Holzpfosten eingelassen, deren Zwischenräume mit Holzbohlen oder einem mit Lehm verschmierten Rutenwerk verschlossen wurden. Die Einwohnerzahl der Siedlung wird in dieser Zeit auf durchschnittlich 60 geschätzt. Weiters weisen die Funde auf eine rege Handelstätigkeit und eine gewisse Sonderstellung der Bewohner hin. Schluderns als Hauptstadt der Venosten? Die Siedlung wurde immer wieder errichtet, wie etwa in der Eisenzeit. Funde weisen auch auf römische Präsenz hin. Zeitweise beherbergte die Siedlung um die 300 Personen.
Ebenfalls von Bedeutung für die Geschichte von Schluderns ist der Standpunkt der Churburg (1253 erbaut, seit 1504 im Besitz der Grafen Trapp). Mit ihrem Geschick war das Dorf einige Jahrhunderte untrennbar verbunden.
Das Wappen der Gemeinde Schluderns stammt aus dem Jahre 1967. Es zeigt in der einen Hälfte ein Zackenrad, ein Hinweis auf die hl. Katharina, die Kirchenpatronin. Die andere Hälfte mit der Korngarbe weist auf den einst reichen Getreideanbau hin.
[F] Dorfzahlen [/F]
Ende März lebten in Schluderns genau 1880 Menschen.
Den ersten Traktor im Ort erwarb Josef Sapelza im Jahr 1949. Im selben Jahr kam das erste Auto vom Typ "Balilla" ins Dorf, es gehörte Josef Thaler. Heute, nur gute 50 Jahre später, wird Schluderns vom Verkehr überrollt.
[F] Dorfleben [/F]
Das äußere Erscheinungsbild von Schluderns ist geprägt vom friedlichen Nebeneinander von alten, teils renovierten bäuerlichen Hofstätten und modernen Bauten. Über alldem thront die Churburg. Das Dorf ist die Geburtsstätte der Haflingerpferde. Diese Rasse entstand mit dem "Fohlen 249 Folie", als 1874 der Bauer Folie einen orientalischen Hengst mit einer veredelten Norikerstute kreuzte. Später verlagerte sich die Zucht nach Hafling und Mölten. In Schluderns aber errichtete man diesen Tieren, von denen es leider sehr wenige in Schluderns gibt, ein Denkmal neben dem Rathaus. Heute werden die Haflinger nicht mehr als Nutztiere gehalten. Einst waren sie dem Bauern unersetzliche Lasten- und Zugtiere, bis sie mit Erscheinen der Traktoren langsam für die Feldarbeit überflüssig waren. Die einst bäuerliche Gesellschaft hat sich entscheidend verändert. Nicht nur die bäuerlichen Arbeiten wurden durch die Maschinen vereinfacht. Viele ließen ihre Landwirtschaft auch ganz auf. Obwohl in Schluderns heute noch 1200- 1400 Rinder gehalten werden, gibt es nur noch 30 Viehbetriebe, von denen rund die Hälfte von Vollerwerbsbauern geführt werden. 1965 eröffnete die Hoppe als erste Fabrik im Ort ihre Tore. Andere Betriebe folgten, sodass sich neue Einnahmequellen ergaben. So arbeiten im Werk heute zwischen 500 und 600 Menschen. Neben dem großen wirtschaftlichen Umbruch weist Schluderns ebenfalls eine rege Bautätigkeit auf, die in den 60ern ihren Anfang nahm. Die neue Wohnbauzone, in der Häuser in sehr sonniger Lage entstehen, zeigt, dass der Bauboom nach wie vor anhält. Immer wieder mischen sich dabei modernere Architektonische Projekte, mit traditionellem Baustil. Ein Trend der letzten Jahre ist das Niedrigenergiehaus. Mit der Anzahl der Häuser nimmt auch die Einwohnerzahl ständig zu. Das Dorfleben ist geprägt von Lebendigkeit und reger Vereinstätigkeit. So ist das Jugendzentrum weithin bekannt.
Der Fremdenverkehr beschränkt sich mit 40.000 Übernachtungen im Jahr 2003 eher auf den Sommertourismus. Dabei hat das Dorf seinen Gästen einiges an Interessantem zu bieten, wie „Das Vintschger Museum“, die Churburg und den Ganglegg. Der Ganglegg wurde in den Jahren 1997 bis 2001 systematisch erforscht. Die reichhaltigen Funde aus verschiedenen Lebensbereichen, wie diverse Schmuckgegenstände sind im Vintschger Museum ausgestellt. Neben diesem Fundmaterial entstand bei Ganglegg selbst ein Archäopark, ein Freilichtmuseum, das mit diversen Schautafeln die Geschichte der Stätte erklärt. Daneben wurden zwei der bei den Grabungen freigelegten Häuser sorgfältig rekonstruiert.
Die Churburg mit ihrer einzigartigen Rüstkammer ist eine der besterhaltensten Burganlagen Südtirols. Mit ihren vielen Kostbarkeiten und prunkvollen Gemälden und Fresken ist sie nicht nur für Gäste unbedingt einen Besuch wert.
[F] Wanderung [/F]
Folgende Rundwanderung benötigt zwar etwa 3 Stunden an Zeit, zeichnet sich jedoch durch besondere Schauplätze aus: Vom Vintschger Museum aus startend, folgt man zuerst dem Quairwaal bis zur Talsperre. Danach geht es entlang der Mark 18 über einen Berghanges, der von russischen Kriegsgefangenen mit Schwarzföhren aufgeforstet wurde, bis zur Grabungsstätte Ganglegg. Von dort folgt man dem Leitenwaales weiter Tal einwärts und entlang des Berkwaales auf der anderen Talseite wieder zurück. Über die Churburg gelangt man nun zum Ausgangspunkt, dem Museum.