Schluderns versinkt im Mittelalter
Ritter, Gaukler, Streitwagen, Schlachten und Tavernen: Südtiroler Ritterspiele ziehen über 20.000 in ihren Bann.
Schluderns - „Jubel“ wurde oft gefordert und oft erhalten. Das „Volk von Schluderns“, das in Massen in die Arena strömte, klatschte frenetisch Beifall – bei spektakulären Stunts der Ritterturniere, bewegenden Momenten der Nachtreitshow und vielen weiteren Darbietungen. Von Freitag, 22. August, bis Sonntag, 24. August, regierte einmal mehr das Mittelalter in Schluderns. Die Südtiroler Ritterspiele zogen wiederum Tausende Besucher/innen aus nah und fern in ihren Bann. „Es war ein voller Erfolg. Schlussendlich waren es über 20.000 Gäste, womit diese Ausgabe sicher zu den zwei, drei erfolgreichsten Ritterspielen überhaupt zählt“, freute sich Programmkoordinator Mirko Stocker unmittelbar nach den Spielen. Die genauen Zahlen dieser rekordverdächtigen Spiele müssen erst erhoben werden. Es habe viel Lob von allen Seiten gegeben, von Besucher/innen bis hin zu den Marktleuten. „Es herrschte stets eine absolut friedliche Atmosphäre. Den ganzen Tag begegnete man Menschen, die ein Lächeln im Gesicht hatten“, so Stocker. Das Wetter sei für die Spiele ideal gewesen, „nicht zu heiß und nicht zu kalt, besser geht es fast nicht“.
Internationales Volk
1.650 Darsteller/innen und 350 Markttreibende sorgten für eine Atmosphäre wie in längst vergangenen Zeiten. „Insgesamt versetzten uns über 2.000 Personen aus zwölf Nationen ins Mittelalter“, unterstrich Edwin Lingg. Er ist seit mittlerweile 16 Jahren Präsident des Vereins Südtiroler Ritterspiele. Erstmals gingen diese vor rund 20 Jahren über die Bühne, aufgrund der coronabedingten Ausfälle 2020 und 2021 findet die 20. Ausgabe aber erst in zwei Jahren statt. Die Darsteller/innen kamen diesmal unter anderem auch aus Spanien, Ungarn, Frankreich und Portugal. Gaukler, Fahnenschwinger, Kamele, Zauberer, mittelalterliche Bands und selbst die Verköstigungen an den Ständen – vom Metbier aus dem Horn über Honigwein bis hin zu den Mittelalter-Spießen – boten authentische Erlebnisse. Begeistert zeigten sich die Besucher/innen freilich auch von der Calvenschlacht aus dem Jahre 1499, die seit Jahren zum Fixpunkt im Programm gehört. Nach einigen Jahren Pause wurde auch wieder ein spektakuläres Streitwagenrennen ins Programm aufgenommen. „Wir versuchen etwa 30 Prozent der Attraktionen jährlich neu zu machen. Gewisse Sachen, wie Ritterturnier und Co., dürfen bei so einem Mittelalter-Fest natürlich nicht fehlen. Aber auch hier ver-
suchen wir immer wieder neue Elemente reinzubekommen“, so Lingg. Rund 1.500 Helfer/innen aus sämtlichen Schludernser Vereinen sowie aus der Umgebung garantierten einmal mehr ein gutes Gelingen. Über 2.000 Schichten zu sechs Stunden waren nötig. Seit jeher gebe es bei den Südtiroler Ritterspielen auch eine optimale Zusammenarbeit zwischen Organisatoren und Sicherheitskräften, wie Mirko Stocker unterstrich.
Große Wertschöpfung
Die Spiele sorgen für eine große Wertschöpfung für Schluderns und darüber hinaus. „Wie eine Studie vor Jahren bereits ergeben hat, fährt der durchschnittliche Besucher rund 215 Kilometer für die Ritterspiele“, so Lingg. 50 Prozent der Gäste sind italienischsprachig. Zahlreiche Nächtigungen werden generiert. Auch die indirekte Wertschöpfung sei enorm, so werde Schluderns und der gesamte Vinschgau durch die Großveranstaltung noch bekannter. Schon jetzt ist die Vorfreude auf die 19. Ausgabe der Südtiroler Ritterspiele, die nächstes Jahr vom 21. bis 23. August über die Bühne geht, groß.