Landesrat Luis Walcher (links) und Georg Pircher, Amtsdirektor der Forstinspektorate Meran und Schlanders.
„Wald im Wandel“ lautete der Titel der Fachtagung im Kulturhaus in Schlanders.
Hanspeter Staffler
Raimund Rechemacher

Wald im Wandel

Seit 30 Jahren werden am Vinschger Sonnenberg Schwarzföhrenwälder umstrukturiert.

Publiziert in 11 / 2026 - Erschienen am 10. Juni 2026

Schlanders - „Der Wald wird uns in den nächsten Jahren stark beschäftigen“, sagte Landesrat Luis Walcher, als er am 21. Mai im Kulturhaus in Schlanders die Fachtagung „Wald im Wandel“ eröffnete, zu der das Forstinspektorat Schlanders und die Bezirksgemeinschaft Vinschgau eingeladen hatten. Im Mittelpunkt der Referate und Diskussionen stand die vor 30 Jahren begonnene Umstrukturierung von Schwarzkiefernwäldern am Vinschger Sonnenberg in naturnahe, laubholzreiche Mischwälder. Günther Unterthiner, der Direktor der Landesabteilung Forstdienst, erinnerte an „turbulente Zeiten“ und „beunruhigende Entwicklungen“ der vergangenen Jahre: Sturmtief Vaia, Schneedruck, Borkenkäfer, Klimawandel, Waldbrände. „Wir müssen uns dieser Dynamik stellen“, so Unterthiner. Die Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch wies in ihren Grußworten darauf hin, dass die Sensibilität dem Wald gegenüber in den vergangenen Jahren gestiegen sei, bei der Bevölkerung ebenso wie bei den Gemeinden und anderen öffentlichen Verwaltungen.

Vom Kommen und Gehen der Wälder

„Gott schuf den Wald, der Mensch die Wüste“. Mit diesem Zitat von Lois Köll aus dem Jahr 1955 eröffnete Raimund Rechenmacher, Chronist und Leiter der Mittelpunktbibliothek Schlandersburg, seinen Exkurs in die Geschichte des Vinschger Sonnenbergs. Um die Gefahren von Muren und Überflutungen einzudämmen, sei seinerzeit die Aufforstung als Heilmittel ins Auge gefasst worden. Erste Anfänge gab es in Matsch, Mals und Schlanders. Im Zuge des großen Aufforstungsprojektes 1951-1965 wurden am Sonnenberg auf rund 800 Hektar ca. 6 Millionen Bäume gepflanzt, vor allem Schwarzföhren. Hanspeter Staffler, Forstwirt und Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, führte die Tagungsteilnehmenden in seinem Referat unter dem Motto „Vom Kommen und Gehen der Wälder am Vinschger Sonnenberg“ noch weiter in die Geschichte zurück. In der Chronik des Benediktinermönchs Goswin (Ende 13. Jahrhundert) stieß Staffler auf die interessante Bemerkung, dass das Kloster Marienberg „im Dorf Laatsch und bei der dortigen Nachbarschaft“ Rechte besitze, „daß wir jährlich in ihrem Walde Holz holen dürfen, Eichen, Eichenholz, zum Gebrauch und Nutzen unseres Hauses, und daß wir soviel Holz holen dürfen, wie wir es für unsere Arbeiten notwendig brauchen.“ Für Staffler ist das ein Beleg, dass es im Umkreis des Klosters damals ausgedehnte Eichenwälder gab. Als Hauptursachen für das Verschwinden von Wäldern im Lauf der Geschichte nannte Staffler u.a. die Landnahme – „der Mensch kam und brauchte Platz“ –, die Beweidung, die Brandrodung, den „Landhunger“ der Menschen sowie die industrielle Revolution und den damit zusammenhängenden, steigenden Bedarf an Steinkohle.

Von Aufforstung bis Sonderprogramm

Mit Details und Zahlen zu den Aufforstungsarbeiten in der Zeit von 1951 bis 1965 sowie zum „Sonderprogramm Aufforstung Vinschgau 1986-2005“ wartete Georg Pircher, Amtsdirektor der Forstinspektorate Meran und Schlanders, auf. Im Rahmen des Sonderprogramms wurden nicht nur über 2 Millionen Bäume gepflanzt, sondern auch Lawinen- und Hangsicherungsarbeiten durchgeführt, Holz- und Wildzäune aufgestellt sowie Landschaftspflege-, Alm- und Weideverbesserungsmaßnahmen vorgenommen. Im Rahmen des Projektes „Umstrukturierung“ wurden über 4.000 sogenannte Biozellen errichtet. Ziel war es, Schwarzföhrenbestände schrittweise in „stabile, standortgerechte, autochthone Bestände“ umzuwandeln, „die langfristig die Waldfunktionen, besonders die Schutzfunktion, garantieren.“ Auch auf das Föhrensterben ging Georg Pircher ein, auf negative Auswirkungen der Erderwärmung auf die Wälder, auf die Problematik rund um das Auftreten des Kiefernprozessionsspinners und die Bekämpfung dieses Schädlings mit dem biologischen Präparat „Bacillus thuringiensis“, sowie auf weitere Themen. Ab 2007 seien rund 400 Laubholzinseln errichtet sowie 157.000 Bäumchen gepflanzt worden. Auch über Forschungsarbeiten und den internationalen Wissensaustausch im Zusammenhang mit der Umstrukturierung informierte Pircher. Abgeschlossen hat er sein Referat mit folgendem Zitat: „Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.“

Fachreferate und Exkursionen

Zum Thema „Phytosanitäre Probleme, Forschung und Erkenntnisse am Vinschger Sonnenberg“ referierte Andrea
Battisti, Professor für Entomologie an der Universität Padua. Andreas Rigling (ETH Zürich) sprach zum Thema „Absterbeprozesse in Waldkiefernwäldern – Trends, Faktoren, Mechanismen“ und Alois Simon (Abteilung Forstplanung, Land Tirol) hielt einen Vortrag zum Thema „Klimafitte Aufforstungen Terra Raetica“. Weitere Referate hielten Gerhard Markart (Bundesforschungszentrum für Wald, Wien-Innsbruck) zum Thema „Einfluss von Standort und Bewirtschaftung auf den Abfluss, Hydrologie und Erosionsvorbeugung“, Harald Vacik (Universität für Bodenkultur, Wien) zum Thema „Unterstützung einer angepassten Waldbewirtschaftung im Klimawandel durch die Dynamische Waldtypisierung“ und Andreas Platter vom Forstinspektorat Schlanders zum Thema „Das Waldbrandrisiko in den Schwarzkiefernwäldern und Erkenntnisse aus den großen Waldbränden im Vinschgau 2025“. 
Am Tag nach der Fachtagung fanden zwei Exkursionen statt, bei denen es darum ging, sich mit den phytosanitären Problemen in den Schwarzkiefernwäldern auseinanderzusetzen bzw. die Maßnahmen des Landesforstdienstes in den vergangenen 30 Jahren vor Ort zu begutachten.

Josef Laner
Josef Laner

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