Bei der Projektvorstellung (v.l.): Astrid Pichler, Walter Persiani, David Tappeiner, Reinhard Schupfer, Mario Brazzo, Franz Bauer, Thomas Alber und Florian Gruber
Zeigte wie das Gerät funktioniert: Referentin Astrid Pichler

Zwei Defibrillatoren-Säulen in Naturns

Publiziert in 22-23 / 2021 - Erschienen am 8. Juli 2021

Naturns - Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Der plötzliche Herztod, bedingt durch Infarkt oder Rhythmusstörungen, zählt zu den häufigsten Todesursachen. Nicht immer ist Fachpersonal in der Nähe und kann sofort die richtigen Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten bzw. dauert es oft, bis die Rettungskräfte vor Ort sind. Hier kann ein AED (Automatischer Externer Defibrillator) für Hilfe sorgen – und schlussendlich Leben retten. Kürzlich wurden zwei neue Defibrillatoren-Säulen in der Gemeinde Naturns errichtet, eine direkt im Ortszentrum des Dorfes bei der Bushaltestelle sowie eine in der Fraktion Tschirland. „Im Notfall kann dies eine lebensrettende Maßnahme sein“, betonte Gemeindereferentin Astrid Pichler bei der Vorstellung der Säulen. Bewusst wurde dafür Tschirland gewählt, wo eine Säule im Dorf gleich neben dem Tschirlander Hof steht. „Vor allem auch in den Fraktionen gilt es solche Projekte zu verwirklichen und Maßnahmen zu setzen“, erklärte Pichler.  Das „Defibrillatoren-Projekt“ initiierte die Gemeinde Naturns gemeinsam mit der Sozialgenossenschaft „Solution Società Cooperativa Sociale“ als Trägerorganisation. Unter dem Motto „Ein Herz für Südtirol – SOS Cuore“ wolle die Genossenschaft Defibrillatoren-Säulen in Dörfern in ganz Südtirol realisieren. Verwirklicht wurde das Projekt in Naturns schließlich durch die Hilfe privater Sponsoren, die sich zu 100 Prozent für die Finanzierung bereit erklärten. „Das zeigt einmal mehr den großen Zusammenhalt innerhalb unserer Dorfgemeinschaft“, freute sich auch Referent Florian Gruber. Die Resonanz seitens der Betriebe sei so groß gewesen, sodass man sogar zwei Defibrillatoren-Säulen anschaffen konnte – das ursprüngliche Ziel wäre eine gewesen. Als Sponsoren beteiligten sich folgende Betriebe an der Aktion: AGS Systems, Berges Mechanics, Metzgerei Christanell, Pizzeria Caregnato, Supermarket Gritsch, Fliri Getränke, Merano Speck, Kaserer Klaus & Rudy, Stefan Mitterhofer Bau, Bäckerei Konditorei Psenner, Rivo Interior, Gärtnerei Pozzi, San Hell, Tschirlanderhof, Tenniscamp und Restaurant Weisses Rössl. Nun gelte es weiterhin unter der Schirmherrschaft der Gemeindeverwaltung Sensibilisierungsarbeit zu leisten. „Um auch weitere Fraktionen mit solchen Geräten ausstatten zu können“, so Pichler. Vor allem aber auch in entlegeneren Gebieten, wie auf Almen, seien solche Säulen notwendig, insbesondere in einem touristischen Ort wie Naturns. Insbesondere hier habe ein Herzinfarkt oft fatale Folgen, wenn die Rettungskräfte nicht sofort zur Stelle sein können. Astrid Pichler erklärte, wie eine Defibrillatoren-Säule funktioniert. Ein AED-Gerät ist immer dann notwendig, wenn eine Person das Bewusstsein verliert und einen Herz-Kreislauf-Stillstand oder eine schwere Herzrhythmusstörung erleidet, was zum Tod führen kann. „Das Gerät ist simpel und für jeden Laien zu bedienen“, brachte es Pichler auf den Punkt.  Sobald es zu einem Herz-Notfall komme, gelte es, das AED-Gerät aus der Defibrillator-Säule zu holen und schnellstmöglich zum Patienten zu bringen. Beim Öffnen der Gerätebox wird automatisch ein Notruf abgegeben, womit die Landesnotrufzentrale informiert und die Rettungskette in Gang gesetzt wird. Derweil kann der Ersthelfer selbst lebensrettende Maßnahmen einleiten. Er erhält über die eingebaute Freisprechanlage beim Gerät alle notwendigen Informationen über die zu setzenden Maßnahmen. Damit sei gewährleistet, dass der Helfer keine Fehler machen kann. Das Gerät, das halbautomatisch funktioniert, verstehe selbst, wann Stromschläge nötig sind – und wann nicht. Der Ersthelfer müsse nur mehr „Knöpfe drücken“. Der 85-jährige Franz Bauer, früherer Latscher Bürgermeister und Landtagsabgeordneter und derzeit aktives Verwaltungsratsmitglied des Vereins Südtiroler Herzstiftung, lobte das Engagement der Naturnser und wies auf die Wichtigkeit hin, die Bevölkerung über die notwendigen Maßnahmen bei Herz-Kreislauf-Stillständen zu informieren. „Um Leben zu retten“, betonte er. 

Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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