Bezirkschronistentreffen 2019 mit: (sitzend v.l.) Martina Oberhofer, Monika Prohaska, Maria Fliri, Gustav Tappeiner, Robert Kaserer, Monika Rechenmacher, Renate Schweitzer; (stehend v.l.) Hubert Folie, Raimund Rechenmacher, Erich Daniel, Toni Pfitscher, Ludwig Wilhalm, Wolfgang Thöni, Karl Heinz Röggla, Roland Peer, Hartmann Nischler, Ludwig Veith, Herbert Raffeiner, Heini Frei.
Gustav Tappeiner und (verdeckt) Monika Rechenmacher danken Robert Kaserer.
Karl Heinz Röggla ist Nachfolger von Robert Kaserer.
Herbert Raffeiner sprach über die „Option“.

„Am meisten verändert sich das Leben“

Bezirkstreffen der Chronisten 2019 in Kastelbell-Tschars

Publiziert in 33 / 2019 - Erschienen am 1. Oktober 2019

Kastelbell - Für Bezirkschronist Wolfgang Thöni war das Treffen auch eine Veränderung, ins Positive, denn 21 Teilnehmer aus 15 Dörfern in 9 Gemeinden hat es nie gegeben. Dass sich am meisten das Leben verändere, stellte Bürgermeister Gustav Tappeiner bei der Vorstellung seiner Gemeinde fest. Daher sei es sehr wichtig, dies festzuhalten. Er freue sich, dass die Chronisten von Reschen bis Partschins „den wirklichen Vinschgau“ vertreten. Tappeiner eröffnete seinen Vortrag nicht mit Baudenkmälern und Obstwirtschaft, sondern mit Persönlichkeiten. Er begann mit dem Olympioniken Albert Winkler und kam über Reinhold Messner und Pfarrer Josef Larch zum Landeshauptmann an der Etsch, Franz Hendl. Schließlich klang dann doch der gewisse Stolz mit, das Zentrum der Bio-Obst-Verarbeitung und den größten Anteil an Anbaufläche der Vinschger Weinwirtschaft in der Gemeinde zu haben. 

„Ein wilder Chronist“

Im Vortrag über die „Option in Südtirol“ konnte Herbert Raffeiner aus Tschengls durch seinen Vater, einen Judenhofer aus Latschinig, an die Gemeinde Kastelbell-Tschars anknüpfen. „In diesem erlesenen Kreis“, meinte er, möchte er nicht historische Fakten auftischen, sondern anhand seiner Familiengeschichte über das Kapitel Option berichten. Raffeiner bezeichnete sich „nicht als eigentlicher, sondern eher als wilder Chronist“. Alle Teilnehmer fanden den Vortrag, der vom Kriegsdienst des Jakob Raffeiner an der Cevedale-Front bis zur Interpretation der getürkten Optionsmeldungen des „Völkischen Kampfringes“ reichte, für sehr verständlich, authentisch und berührend. Um Verständlichkeit bemühte sich auch der jüngste Teilnehmer am Treffen und neuer Chronist in Kastelbell-Tschars, Karl Heinz Röggla. Anhand der Gemeindechronik 2017 präsentierte er seinen mühevollen Einstieg ins Chronistendasein als „zugezogener Bürger“ von Tschars und sein digitales „Einklinken“, neudeutsch „Verlinken“, ins Dorfgeschehen als Nachfolger des verdienstvollen Orts- und Bezirkschronisten Robert Kaserer. 

Quantensprung im Chronikwesen

Er könne nicht überall sein, aber er könne alle digitalen Quellen, so u.a. das soziale Netzwerk Facebook, anzapfen. Wie er das gesammelte Material dann drucktechnisch verarbeitet, erklärte Röggla mit der Anwendung des professionellen Layout-(=Gestaltung) und Satzprogramms „Indesign“. Trotz des allgemeinen Staunens über den „Quantensprung“ in der Chronikarbeit wurden kritische Fragen an Röggla gestellt und das Thema „Privacy“ angeschnitten. Abschließender Höhepunkt der Bezirkstagung war die vertraglich festgelegte Übergabe aller Unterlagen von Robert Kaserer an die Vertreter der Gemeinde. BM Tappeiner hielt eine kurze Laudatio und Kulturreferentin Monika Rechenmacher verlas „die Überlassungsurkunde“. Nach dem Akt des Unterschreibens ließ Kaserer noch einmal hinter die Kulissen seiner Arbeit blicken und verwies auf 16 gebundene Chroniken ab 2000. Im Anschluss wies Thöni auf den Chronistentag am 8. November und das Thema „Chronik und Schule“ hin. Bei einem gemütlichen Umtrunk kamen die Freuden und Leiden der Chronistenarbeit nochmals zur Sprache.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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