Besondere Exponate in Manni’s Hof-Museum
Das russische Gefangenen-Gewand von Karl Schöpf, ein Benzinkanister von Kaiser Karl und ein Heliograph von der Ortlerfront.
Morter - Es spielte die Musikkapelle auf und Kinder trugen Gedichte vor, als Karl Schöpf (Murn Korl) aus Göflan, der letzte Kriegsheimkehrer der Gemeinde Schlanders, am 20. Mai 1950 nach rund 5-jähriger Gefangenschaft in Sibirien am Bahnhof in Schlanders eintraf. Das russische Häftlings-Gewand, das er bei der Zwangsarbeit in einem Kohlebergwerk in Sibirien getragen hatte, sowie auch die Schuhe sind seit Kurzen im privaten Hof-Museum von Manfred Haringer in der Platzergasse 30 in Morter zu sehen. Dieses Gewand und die Schuhe, zur Verfügung gestellt von Karl Schöpfs Tochter Heidi, gehören zu drei besonderen Exponaten, mit denen Manni sein mittlerweile aus allen Nähten platzendes Museum bereichert hat.
Schwerstarbeit in 1.380 Metern Tiefe
Bei der Vorstellung der neuen Exponate, zu der sich am 1. Mai viele Nachbarn, Leihgeber und Freunde im Hof-Museum eingefunden hatten, blickte Manfred Haringer auch kurz auf das Leben von Karl Schöpf zurück. 39 Tage lang hatte die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn gedauert, bis Karl Schöpf 1945 zusammen mit vielen weiteren Kriegsgefangenen das Ziel in Sibirien erreichte, nämlich ein Kohlebergwerk, wo die Gefangenen in einer Tiefe von bis zu 1.380 Metern Kohle abbauen mussten. Nach seiner Heimkehr am 20. Mai 1950 arbeitete Karl Schöpf 10 Jahre lang im Marmorbruch in Laas. Danach war er 20 Jahre lang Briefträger in Vetzan und Göflan. Wie Heidi dem Der Vinschger erzählte, hätte sich ihr Vater, geboren am 4. Juli 1922, als junger Mann eigentlich in die Schweiz absetzen wollen, um nicht als Soldat eingezogen zu werden. Weil er aber befürchtete, dass das ungute Folgen für seine Familie hätte haben können, hat er der Einberufung dennoch Folge geleistet. Trotz der bitteren Kriegserfahrungen und langjährigen Gefangenschaft in Sibirien habe ihr Vater die Freude am Leben nie verloren. Karl Schöpf ist am 9. Mai 2002 im Alter von fast 80 Jahren verstorben.
Dem Kaiser einen Benzinkanister „gestohlen“
Weit weniger dramatisch ist die Geschichte eines besonderen Benzinkanisters, den Manni in seinem Museum zeigen kann. Es handelt sich um einen von zwei 35-Liter-Kanistern, die sich am Automobil von Karl I. (1887-1922) befanden. Kaiser Karl war im September 1917 mit seiner Frau Zita von Wien nach Bozen gereist und unternahm von dort aus eine Fahrt auf das Stilfserjoch, einem der Schauplätze des Ersten Weltkrieges. Bei einem Zwischenstopp in Laas, wo der Kaiser das Marmorwerk besichtigte, hat laut Haringer ein Bub beim Betanken einen der zwei Benzinkanister, die an den Seiten des Automobils mitgeführt wurden, „verschwinden“ lassen „und jetzt habe ich die Ehre, dieses besondere Stück hier ausstellen zu können.“
Infos-Übermittlung mit Lichtblitzen
Erfreut ist Manni auch über ein Instrument, das während der ersten Phase der Kriegsfront im Ortlergebiet zur Übermittlung von Nachrichten diente. Es ist dies ein Heliograph, der an der Ortlerfront am Eisseepass auf 3.133 Höhenmetern eingesetzt wurde. Heliographen nutzen einen Spiegel zur Reflexion von Sonnenlicht zu einem entfernten Beobachter. Bei einer Bewegung des Spiegels sieht der entfernte Beobachter Lichtblitze, die dazu genutzt werden können, Informationen durch eine vordefinierte Signalkodierung zu übertragen. Manfred Haringer: „Es konnten Nachrichten von Asiago, der Hochfläche der sieben Gemeinden, und von noch weiter entfernten Orten bis zum Ortlerfront-Kommando nach Prad übermittelt werden.“ Bei Schlechtwetter funktionierte der Heliograph allerdings nicht. Telefonleitungen wurden erst im weiteren Kriegsverlauf bis auf die höchsten Gipfel und zu den Feldwachen hinaufgezogen.
„Die Wahrheit vermitteln“
Das wichtigste Ziel, das Manfred Haringer mit seinem Museum erreichen will, ist eine möglichst wahrheits- und tatsachengetreue Darstellung der Geschichte. Speziell für die Jugend. „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“, zitiert Manfred Haringer Helmut Kohl. Seit Anfang Mai bietet Manni wieder Führungen an, u. a. auch für Schulklassen, Jahrgangsgruppen, Vereine, Feriengäste und Landsleute (Anmeldungen unter Tel. 339 53 35 534). Einen Eintritt verlangt er nicht, freiwillige Spenden sind willkommen. Im privaten Hof-Museum gibt es viel zu sehen und zu entdecken. Die Palette reicht von der Geschichte des Bergbaus über die Ausstellung von Mineralien bis hin zu vielen originalen Fundstücken und Dokumenten zum Ersten und Zweiten Weltkrieg, zur Geschichte des Tiroler Landsturms und zu etlichen weiteren Themen. Ein eigener Raum ist der Notlandung eines US-Bombers des Typs Boeing Fortress B-17G am 20. April 1945 beim „Koflerhof“ in Göflan gewidmet. So ganz nebenbei baut Manni auch Burgen und Berghütten originalgetreu nach Bauplänen nach. Das jüngste Stück dieser Sammlung ist das Festungswerk Gomagoi.