Angelobung von Eduard Wallnöfer im Jahr 1963. Der gebürtige Schludernser war von 1963 bis 1987 Landeshauptmann von Tirol.

„Der Fürst von Tirol“

Filmdokumentation zeigt Licht und Schatten im Leben und Wirken von Eduard Wallnöfer

Publiziert in 9-10 / 2021 - Erschienen am 18. März 2021

Schluderns - Schon seit einigen Jahren gestaltet die Pammer Film GmbH, eine Wiener Produktionsfirma, die Dokumentationsreihe „Baumeister der Republik“. In diesen historischen Dokumentationen werden für die österreichische Nachkriegsgeschichte bedeutende Persönlichkeiten porträtiert, ihr politisches Wirken thematisiert und auch versucht, den Menschen hinter dem Politiker darzustellen. Von Renner, über Figl, zu Kreisky und Dohnal: rund 30 Politiker*innen wurden bisher in dieser Reihe biografisch aufgearbeitet, bisher jedoch ausschließlich Bundespolitiker*innen. In der aktuellen Staffel wird nun die Landespolitik etwas genauer unter die Lupe genommen: 9 Folgen zu 9 Landeshauptmännern aus den 9 Bundesländern. Für Tirol wurde Eduard Wallnöfer porträtiert: 24 Jahre stand der gebürtige Schludernser als Landeshauptmann an der Spitze Nordtirols. Länger, aber auch mächtiger als der „Walli“ war im Innsbrucker Landhaus bisher niemand. Die Dokumentation „Baumeister der Repu-
blik - Eduard Wallnöfer“ wird am 27. März 2021 um 21.10 Uhr auf ORF 3 ausgestrahlt. Eduard Wallnöfer wurde am 11. Dezember 1913 in Gschneir oberhalb Schluderns geboren. Nachdem sein Vater bald nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs als Kaiserjäger an der italienischen Front gefallen war, zog die Mutter mit dem kleinen Eduard ins Oberinntal, wo er sein weiteres Leben verbrachte. Dem Vinschgau blieb er immer verbunden. Der junge Wallnöfer arbeitete als Knecht, besuchte die landwirtschaftliche Schule und trat 1933 als 19-Jähriger der Vaterländischen Front bei. 5 Jahre später stellte er einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP, die Mitgliedschaft wurde jedoch erst 2005 bekannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann der rasche politische Aufstieg von Wallnöfer. 1949 zog er in den Tiroler Landtag ein, 1958 wurde er Landesrat, ehe er 1963 Landeshauptmann wurde. Stark mit der Person Eduard Wallnöfers ist der wirtschaftliche Aufschwung des Landes verbunden: „Straßen bedeuten Leben“ lautete die Devise Wallnöfers, der den Straßenausbau in Tirol und damit auch die Positionierung als Tourismusland wesentlich vorantrieb. Seilbahnen, Speicherkraftwerke, Arlbergtunnel, Felbertauernautobahn, Inntalautobahn, Europabrücke und Brennerautobahn: all diese Bauten fallen in die Amtszeit Eduard Wallnöfers. Vor allem die Verbindungen nach Südtirol lagen dem Schludernser Ehernbürger besonders am Herzen: die Überwindung der Trennung Tirols durch die Brennergrenze, die er stets als „Unrechtsgrenze“ bezeichnete, blieb Wallnöfer in seinen 24 Jahren als Landeshauptmann dringendstes Anliegen. Er unterstützte den „Befreiungsausschuss Südtirol“ nicht nur politisch, sondern abseits der öffentlichen Wahrnehmung auch finanziell. Auf Grund seiner bodenständigen Art wurde er zum Landesvater. Er versammelte in seiner Person geradezu alles, was man mit einem typischen Tiroler verbindet. Daneben forcierte er eine gewisse Autonomie gegenüber der Hauptstadt Wien und förderte damit ein neues Selbstbewusstsein im Land. Das brachte große Popularität. Wallnöfer regierte als Landeshauptmann absolut und souverän, und wurde von vielen gar als Landesfürst bezeichnet. Ein Landesfürst, der ohne oppositionelles Korrektiv im Land verfügen konnte. So auch bei der Gründung der Agrargemeinschaften: Wald und Wiesen im Ausmaß von über 2.000 Quadratkilometer wanderten von den Gemeinden in den Besitz von Privatpersonen. Am 2. März 1987 erklärte Wallnöfer seinen Rücktritt. Zwei Jahre später starb er an einer Lungenentzündung. In Tirol ging eine Ära zu Ende. Tirol hat sich mit Eduard Wallnöfer von einem verarmten Bauernland zur aufstrebenden Tourismusregion entwickelt. Heute gehören der ausufernde Transitverkehr, ein intensiv betriebener Tourismus und nicht zuletzt die unrechtmäßigen Agrargemeinschaften ebenso zum Erbe der 24-jährigen Amtszeit Wallnöfers wie die beispiellose Entwicklung Tirols zu einer der prosperierendsten Regionen Europas. Die Dokumentation von Manuel Obermeier und Wolfgang Winkler zeigt das Leben und Wirken des Tiroler Landesvaters, und porträtiert gleichermaßen Licht wie Schatten in der Biografie Eduard Wallnöfers.

Redaktion

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