Die neue Fahne am Bunker 23
Othmar Prenner
Benny von Spinn (1959-2019)

Frieden, Freiheit und die schönen Künste

Othmar Prenner, langjähriger Freund von Benny von Spinn (1959-2019), erwarb vor kurzem den Bunker 23. Die Zukunft des in ein Wahrzeichen für Frieden verwandelten Militärbaus ist gesichert.

Publiziert in 7 / 2022 - Erschienen am 12. April 2022

Tartsch - Die neue Bunkerfahne hat der Künstler Othmar Prenner soeben gehisst, wild flattert sie im Oberwind, ein bisschen wild sieht sie auch aus. „Hier oben kommt es mir manchmal vor, als sei ich auf einem Schiff“, sagt er mit Blick auf das wehende Stück Stoff, das aus den Kleidungsstücken all jener genäht ist, die sich mit ihm für das Fortbestehen des Bunkers als Ort des Friedens und der Kunst einsetzten – allen voran Maria Hauser, Margit von Spinn und Maurizio Madia. Auf der Plattform des Friedens stehend, das Surren des frisch genähten Symbols für das Miteinander im Ohr und ostwärts in das absteigende Tal schauend, wird die Schiffsmethapher deutlich. Denn nach zweieinhalb Jahren kommt wieder Bewegung in den Bunker 23. Volle Fahrt voraus für ein Projekt, das der Lebenstraum von Benny von Spinn war – und dem Othmar Prenner seit langem verbunden ist.

Vom Alpenwall zum Kultobjekt

Benny von Spinn, der diesen Militärbau in ein Friedensdenkmal und Kultobjekt verwandelte, erfüllte sich einen lang gehegten Wunsch, als er den Bunker erwarb. Bereits 18-jährig wollte er ihn kaufen, als Jugendlicher hatte er hier Feste gefeiert, damals schon hatte er sich in das Gebäude verliebt. Also schickte er eine Anfrage an das Regierungskommissariat in Bozen. „Mit dem Fallen der innereuropäischen Grenzen könnte in Zukunft ein Ankauf möglich werden“, lautete die Antwort. Benny von Spinn erwarb ihn 2007, als 350 Bunker vom Staat Italien an die Autonome Provinz Südtirol gingen. Der Rest ist Geschichte. Harte Arbeit und „mindestens zehn gute Ideen am Tag“, die Othmar Prenner seinem verstorbenen Freund bescheinigt, flossen in zwölf Jahren darin, die „Linea non mi fido“ in eine „Linea dell‘arte“ zu verändern. Die Begeisterung zahlreicher Interessierter an seinem Projekt war dem Menschenfreund Benny von Spinn eine große Freude; er hieß sie alle willkommen. Der kreative Ideengenerator experimentierte und verwirklichte eine Fülle außergewöhnlicher Einfälle; auch diejenigen, die nicht von ihm stammten. Eine Kunstausstellung, Bunkerbesichtgungen, Musikveranstaltungen, das Pflanzen von Obstbäumen und Kräutern, der Anbau und das Veredeln von Artischocken, das Anlegen etlicher Weinreben, eine kleine Bibliothek, ein winziger Ruheraum, Kunst an den Innenwänden; all dies entstand nach und nach.

Begeisterung von vielen Seiten, aber nicht nur 

Von weitem sichtbar ist die Brüstung der Friedensplattform „Give Peace a Chance“, und der aus dem Bunker herausragende Campingwagen, beide mit spektakulär schönem Blick auf das Tal – und beide Arbeiten des Künstlers Othmar Prenner. Auch sie sorgten für Besucherströme und zogen das Interesse internationaler Medien, darunter einige Architekturzeitschriften, an. Doch manch einem passte das nicht, erklärt Prenner und schaut vom Ostende der Terrasse auf den Boden: „Benny wurden auch Steine in den Weg gelegt. Sogar noch nach seinem Tod“. Dort liegt ein Riesenwackerstein, der irgendwann abgelegt wurde und nur mit schwerem Gerät wieder abtransportiert werden kann. Trotz der Tatsache, dass es sich um privaten Grund handelte, wurden Bäume abgesägt. „Zehn insgesamt“, berichtet Othmar Prenner, „stattliche Bäume waren darunter, auch junge – und von den Kräuterpflanzen, die sich unter Bennys guter Betreuung zu enormen Sträuchern entwickelten, fehlen einige“. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite kamen Menschen regelmäßig, um die beiden Tempelkatzen Raffi und Zecco zu versorgen, die im Bunker ihr Zuhause haben.

Viel Raum für Kreativität – und ein Kunstgarten

Konkrete Pläne für die Zukunft des B23 hat Othmar Prenner jetzt schon. Mit Hilfe von Experten möchte er eine Symbiose schaffen und Kunst und Natur zu einem gemeinsamen Ganzen verweben. „Auf dem Grund soll Schönheit gedeihen“, sagt Prenner, dem ein Garten vorschwebt, wo Beerensträucher und andere Kulturpflanzen, Blühendes und ganzjährig ausgestellte Kunst eine sichere Heimat finden. Er plant die Verlängerung einer mit Kunstinstitutionen belebten Linie, welche sich durch das Engadin zieht. Bereits heute mäandert Kunst vom Schloss Tarasp in Scoul; der Fundazion Not Vital, der ebenso in Scoul ansässigen Fundaziun Nairs, sowie dem Muzeum Susch über das Hotel Castell in Zuoz, bis hin zu den internationalen Galerien im Oberengadin. Othmar Prenner würde diese Verbindungswege über die Basis Schlanders, eventuell bis hin zur Südtiroler Landeshauptstadt und darüber hinaus erweitern. Eine Kunstausstellung im Jahr schwebt ihm vor. Und selbst wenn die Veranstaltungen weit über die Grenzen des Vinschgau hinausgehen werden, soll der Bunker ein Ort für die Menschen von hier bleiben. Die Möglichkeit, eine Plattorm für kreative Workshops zur Verfügung zu stellen, räumt er ein. „Musik? Nur unplugged!“, sagt Prenner, „das ganze Musikequipment ist aus dem Bunker gestohlen worden“.

Auch in Zukunft ein Ort des Friedens, der Freiheit – und der Kunst

Bei allem Fokus auf die Kunst wird die Botschaft des Bunkers 23 mit seiner Plattorm des Friedens (die Brüstung zeigt die Tonfrequenz von John Lennons „Give Peace a Chance“) und dem Campingwagen, der Bewegung über die Grenzen hinweg und damit Neugierde auf anderes symbolisiert, weiter eine wichtige Rolle spielen, sagt Prenner: „Wie wichtig es ist, Frieden zu schaffen, sehen wir gerade. Es beginnt im Kleinen, im Hier und Jetzt, jeder kann dazu beitragen. Kunst und Kreativität können Schönheit, Freiheit und Frieden schaffen. Benny hat damit bereits begonnen. Ich werde das in die Zukunft tragen“.

Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein
Vinschger Sonderausgabe

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