Marco Balzano
Fast 300 Seiten umfasst der Roman.
Sterbebild des Pfarrers Alfred Rieper

„Ich bleibe hier“

Marco Balzano erzählt die Geschichte der Lehrerin Trina aus Graun.

Publiziert in 25 / 2020 - Erschienen am 23. Juli 2020

Graun - Mit seinem Buch „Resto qui“, erschienen 2018, schaffte es der Autor Marco Balzano aus Mailand auf den ersten Platz der Bestseller aus Italien. Seit kurzem ist sein Werk auch in deutscher Sprache im Buchhandel erhältlich. „Ich bleibe hier“, erschienen im Diogenes Verlag und von Maja Pflug aus dem Italienischen übertragen, ist eine zu Herzen gehende Geschichte aus Graun. Inhaltlich gesehen spannt der Roman einen weiten Bogen, beginnend mit der Zeit der Option. Von 1939 bis 1943 wurden die Leute vor die Wahl gestellt, entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Die in Graun lebende junge Lehrerin Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand, mit Leib und Seele. „Marco Balzano verbindet historische Genauigkeit mit Emotionen“, hat Armando Besio in der Zeitschrift „La Repubblica“ über den Roman geschrieben. Auch den ehemaligen Pfarrer Alfred Rieper lässt Trina im Roman mehrfach zu Wort kommen. Angesichts der Bedrohung durch den Staudamm soll der Pfarrer jeden Sonntag seine Aufforderung zu bleiben wiederholt haben: „Wer geht, erklärt Graun und Reschen für verloren.“ Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Er gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Schriftstellern Italiens. Zum ersten Mal nach Graun gekommen war er im Sommer 2014. Seither kehrte er mehrmals zum Bergdorf an der Grenze zur Schweiz und zu Österreich zurück. „Ein paar Jahre lang habe ich alles studiert, was darüber zu finden war, jeden Text und jedes Dokument“, schreibt der Autor in seinen Anmerkungen. Er habe sich von Ingenieuren, Historikern, Soziologen, Lehrern und Bibliothekaren helfen lassen. Mit der Bitte, jemanden vom Edison-Konzern (ehemals Montecatini) interviewen zu können, sei er bei der Edison leider abgeblitzt. Anspielungen auf historische Persönlichkeiten, wie etwa auf jene des Pfarrers Alfred Rieper, sind vom Autor gewollt, ebenso die Anspielungen „auf die verbürgten Tatsachen, die mir durch meine freie Nacherzählung in ihrer Substanz nicht beeinträchtigt zu sein scheinen.“ Einen besonderen Dank zollt der Autor Alexandra Stecher für den Text „Eingegrenzt und ausgegrenzt: Heimatverlust und Erinnerungskultur“, Elisa Vinco (Hilfe beim Übersetzen aus dem Deutschen), dem Abgeordneten Albrecht Plangger sowie ganz besonders auch Florian Eller und dem Lehrer Ludwig Schöpf, „der eine nie versiegende Informationsquelle hinsichtlich der Geschichte dieser Region ist.“ Im Sommer vor 70 Jahren (1950) wurden außer dem denkmalgeschützten Kirchturm von Graun alle Gebäude in Graun und den Weilern von Arlund, Piz, Gorf und Stockerhöfe (St. Valentin) abgetragen und überflutet, genauso wie im betroffenen Teil von Reschen. Es entstand ein Stausee mit 677 ha Fläche. 

Josef Laner
Josef Laner

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