Eine Zeichnung aus den frühen Jahren
Selbstportrait Karl Plattner
Kriegerdenkmal, Friedhof Mals
Familiengrab Plattner; Friedhof Mals

Kantig, menschlich

Karl Plattner war ein Ausnahmetalent. Am 13. Februar wäre der Vinschger Maler 100 Jahre alt geworden.

Publiziert in 4 / 2019 - Erschienen am 5. Februar 2019

MALS - Die Augen aufzumachen lohnt sich immer, das gilt auch für die Arbeiten von Karl Plattner. Noch heute sind Fresken und Bilder des Malers an zahlreichen Wänder Vinschger Gebäuden zu sehen: Das Familiengrab auf dem Malser Friedhof, wo sich auch sein Fresko für das Gefallendenkmal befindet. In der Maria-Schnee-Kirche im Weiler Alsack ziert die Pietà als großformatiges Gemälde den Innenraum, die Kirche in Lichtenberg oder die Prader St. Johann-Kirche zeigen Arbeiten eines Menschen, den es früh zur Malerei hinzog und dessen Werdegang von einem Leben fern vom Vinschgau genauso geprägt zu scheint wie seine Verwurzelung in dieser Landschaft der vielen Gesichter. Wer einen Blick in die frühen Arbeiten wagt, erkennt, wie sehr er sich freigemalt haben muss, um ab 1950 den seine Bilder charakterisierenden Ausdruck zu finden. Kubistisch, verwinkelt, große Kulisse, kantige Figuren, über die – allzuoft und doch nicht immer – eine großzügige Dosis Wind und Leid hinweggefahren sind. Der Kontakt mit der französischen Avantgarde – Plattner studierte unter anderem an der Freien Akademie de La Grande Chaumerie – half beim Auf- und Ausbrechen, bei der Neu- und Erfindung seines Stils.

Reise nach Sao Paolo

Die erste Reise nach Sao Paolo unternahm er gemeinsam mit seiner Frau Marie-Jo Texier 1952. Wie bei allen Erkundungen bislang unbekannter Realitäten wirkte sich auch die brasilianische Umgebung auf den Künstler aus, ein Umfeld, das, wie er schreibt: „ ... für meine durchaus funktionale Malerei neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnet – auch in Hinsicht auf eine enge Verknüpfung mit der Architektur, die ja für die Wandmalerei von größter Bedeutung ist“. Sein langjähriger Schüler und Assistent, der Brasilianer Wesley Duke Lee, mit dem er 1960 durch Italien und Österreich reiste, wird später ebenso ein erfolgreicher Maler. Mit dem Vinschgau blieb Plattner verbunden, gerade dann, wenn die Tage weniger rosig waren und ihm die Arbeit weniger gut von den Händen zu gehen schien, wie er seinem Freund Marjan Cescutti schrieb: „Ich beneide dich so sehr um deine Spaziergänge im Vinschgau, besonders der Weg von Schleis nach Burgeis der Etsch entlang – wenn ich in Krise bin, wird meine Vorstellungsgabe sehr lebendig, im Gedanken lege ich den selben Weg zurück. Dazu noch bis Marienberg, wo ich die Malser Haide vor mir liegen sehe, und siehe, ich finde wieder den Weg – und ein gesundes und echtes Verhältnis zu meiner Arbeit.“

„Menschlichkeit, Bescheidenheit und Kultur“ 

Im Rahmen des 100. Geburtstages des Künstlers, der sich 1986 in Mailand das Leben nahm, sind im Vinschgau mehrere Veranstaltungen – unter anderem eine Werkschau in Schloss Kastelbell – in Vorbereitung. Bereits 2018 veröffentlichte der Kunstkritiker Fulvio Vicentini die Publikation „Karl Plattner 100“. „Karl
Plattner“, so Vicentini, „war von großer Menschlichkeit, Bescheidenheit und Kultur geprägt – mit großem künstlerischem Talent.“ 

Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein

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